Sanktionen gegen Russland Bundesbank-Vorstand warnt Geldinstitute vor übertriebener Strenge

Deutsche Kreditinstitute schießen beim Umsetzen der Russlandsanktionen nach Ansicht eines Notenbankers teils über das Ziel hinaus. Strafmaßnahmen würden »übererfüllt«, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.
Skyline von Frankfurt: Mahnung an die Banken

Skyline von Frankfurt: Mahnung an die Banken

Foto: CONSTANTN ZINN / EPA

Von möglichst zielgenauen Sanktionen sprechen Politiker mit Blick auf Russland. Doch in der Praxis ist die Umsetzung offenbar nicht so simpel. So warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling, deutsche Geldinstitute würden Strafmaßnahmen gegen Russland zu streng auslegen. »Wir sehen hier und da, dass Sanktionen übererfüllt werden«, sagte Wuermeling dem »Handelsblatt«.

Institute dürften aus Furcht vor Verstößen nicht pauschal Bürger mit russischem Hintergrund ausschließen. »Finanzinstitute müssen aufpassen, Maß und Mitte zu wahren und niemanden unbeabsichtigt zu benachteiligen.«

Zugleich bescheinigte er den Banken, sie bemühten sich ernsthaft darum, nicht gegen Sanktionen zu verstoßen. »Sie haben darin mittlerweile Erfahrungen, und wir beobachten derzeit keine signifikanten Verstöße«, sagte Wuermeling.

Angesichts der Gräueltaten von Butscha haben die USA bereits neue Sanktionen angekündigt. Die US-Regierung will »alle neuen Investitionen« in Russland verbieten. Zudem sollen bestehende Sanktionen gegen russische Banken und staatliche Unternehmen verschärft und weitere Personen aus der russischen Führung und deren Familienmitglieder mit Strafmaßnahmen belegt werden.

Nicht nur die Sanktionen gegen Russland sind für Kreditinstitute ein heikles Thema.

Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten warnt die Bundesbank auch vor risikoreichen Krediten der Institute – vor allem im Immobilienbereich.

Risiken für Banken durch Immobilienkredite

Wohnungsbaukredite seien wegen steigender Preise für die Banken risikoreicher geworden, sagte Wuermeling. »Die Verschuldung der Immobilienkäufer nimmt zu: Diese finanzieren einen immer höheren Anteil ihrer Anschaffungskosten über Kredite und bringen immer weniger Eigenkapital mit.«

Denn die Haushaltseinkommen seien nicht in dem Maße gestiegen wie die Kosten für eine Immobilie. So deuteten Marktdaten darauf hin, dass im Neugeschäft in knapp zehn Prozent der Fälle die Kreditsumme den Kaufpreis der Immobilie übersteige.

Der Markt werde immer verwundbarer, sagte Wuermeling. Kredite mit einer Zinsbindung von über zehn Jahren machten die Hälfte der Wohnungsbaukredite privater Haushalte aus. »Mitten in einer Zinswende hätten Banken also noch für einige Jahre sehr niedrig verzinste Kredite in ihren Bilanzen, müssten aber für die Refinanzierung schon höhere Zinsen bezahlen.«

Falls sich weitere übermäßige Risiken aufbauten, behalte man sich vor, die Kapitalpuffer für Banken anzupassen oder andere Instrumente zu nutzen, sagte Wuermeling.

Der Anteil der Wohnimmobilienfinanzierungen in den Bankbilanzen liege mittlerweile bei 35 Prozent aller Bankkredite.

mmq/dpa/Reuters
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