Sanktionen gegen Russland Industrieverband erwartet drastische Folgen für deutsche Wirtschaft

BDI-Chef Russwurm geht davon aus, dass deutsche Unternehmen die Russland-Sanktionen stark zu spüren bekommen werden – zumindest kurzfristig. Insbesondere die Energiepreise dürften erheblich steigen.
BDI-Chef Russwurm (im Juni 2021): In den kommenden Monaten erwartet der Industriefunktionär einen enormen Preisdruck

BDI-Chef Russwurm (im Juni 2021): In den kommenden Monaten erwartet der Industriefunktionär einen enormen Preisdruck

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die neuen Sanktionen der USA und der EU gegen Russland werden nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zunächst starke Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft haben. »Die kurzfristigen Folgen sind drastisch, weil es an vielen Stellen nicht zu relativen Einschränkungen kommt, sondern zu echten Unterbrechungen, einem umfassenden Stopp der Zusammenarbeit«, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. Allerdings wäre es »rein spekulativ«, zum jetzigen Zeitpunkt über die langfristigen Effekte der Sanktionen zu sprechen.

Die schmerzhaftesten Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft sieht Russwurm bei der Versorgung mit Energie und insbesondere Gas. »Dieses Problem überstrahlt alle anderen ökonomischen Fragen.« Für die kommenden Monate erwartet der BDI-Präsident »einen enormen Preisdruck, der uns alle treffen wird, aber keine echte Versorgungskrise«. Auf mittlere Sicht müsse aber über »unbequeme Fragen« diskutiert werden, und es sei sicherzustellen, dass Energieimporte aus vielfältigeren Quellen bezogen würden.

Diskussionsbedarf sieht Russwurm bei einem möglichen späteren Ausschluss Russlands aus Swift, einem System für den Zahlungsverkehr und eine Art Hauptschlagader des Finanzsystems, über das Banken ihre Geschäfte abwickeln. In diesem Bereich wurden bis zum Freitag keine Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt, auch wegen des Widerstands der deutschen Bundesregierung.

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Regierungssprecher Steffen Hebestreit verteidigte das mit »massiven Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr in Deutschland und für deutsche Unternehmen im Geschäft mit Russland«. Die Kritik aus dem Ausland als auch aus den Reihen der Ampelkoalition an dieser Haltung wächst.

Über das Für und Wider eines Ausschlusses Russlands aus Swift werde zu Recht unter Ökonomen und Praktikern diskutiert, sagte nun Industriepräsident Russwurm. »Eine Vorhersage, wie sich dieser Schritt aus Russland auf Europa und andere globale Beziehungen auswirken würde, ist schwierig. Das ist nicht trivial.«

fdi/dpa
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