Für 100 Dollar So vermachte der Kreml Putins Schwiegersohn ein Vermögen

Es ist ein Deal, von dem selbst Oligarchen nur träumen können: Putins Schwiegersohn bekam ein Aktienpaket zum Spottpreis zugeschanzt: 380 Millionen Dollar. Seit der Scheidung aber geht's bergab.
Kirill Schamalow

Kirill Schamalow

Foto: Sergei Karpukhin / REUTERS

Wenn Anhänger des russischen Präsidenten Wladimir Putin über seinen Aufstieg sprechen, dann argumentieren sie oft wie folgt: In den Neunzigerjahren beuteten skrupellose Oligarchen das ressourcenreiche Land rücksichtslos aus, bei gezinkten Privatisierungen bekamen sie zu Spottpreisen den Zuschlag für Milliardenkonzerne. Dann kam Putin, stutzte die Oligarchen zurecht – und sorgte, so sehen es zumindest seine Anhänger, für ein wenig Gerechtigkeit.

Nur: Der Deal, über den das russische Investigativ-Portal »Waschnie Istorij – Wichtige Geschichten« nun aber berichtet, dürfte selbst Vertreter der alten Oligarchengarde aus den Neunzigerjahren vor Neid erblassen lassen.

Die Journalisten (hier geht es zu dem russischen Bericht , eine Übersetzung auf Deutsch finden Sie auf der Plattform Dekoder ) haben nach eigenen Angaben Zugriff auf E-Mail-Nachrichten des Geschäftsmanns Kirill Schamalow bekommen. Schamalow hat es von 2013 an international zu einiger Bekanntheit gebracht, weil er zwischenzeitlich mit Putins Tochter Jekaterina verheiratet war. Aus der Korrespondenz gehe auch hervor, dass sich die Verbindung für Schamalow offenbar auch finanziell auszahlte: Wie »Waschnie Istorije« berichtet, finden sich in den Mails Hinweise darauf, dass Schamalow ein Aktienpaket am Gaskonzern Sibur im Wert von 380 Millionen Dollar zu einem Spottpreis zugeschoben bekam. Dem Bericht zufolge zahlte Schamalow gerade einmal 100 Dollar.

In dem Enthüllungsbericht kommt auch ein Sprecher des Sibur-Konzerns zu Wort. Schamalow habe lediglich Aktienoptionen wie andere Manager des Konzerns wahrgenommen. Es habe sich um ein »Programm zusätzlicher Motivation« für das Topmanagement gehandelt. Laut dem Report zahlten die anderen beteiligten Sibur-Führungskader allerdings Millionensummen, und das für deutlich kleinere Aktienpakete.

Rasanter Aufstieg, langsamer Abstieg

Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die Vorgänge in Wladimir Putins innerstem Zirkel – und die Vermögensverteilung zwischen den Beteiligten. Kirill Schamalow ist der Sohn eines alten Freundes von Wladimir Putin. Sein Name lautet Nikolai Schamalow.

Schamalow senior hat 1996 mit Putin die Datschen-Kooperative »Osero-See« gegründet, deren Mitgründer bis heute zum engsten Zirkel des Präsidenten zählen. Schamalow senior war 2011 außerdem Schlüsselfigur in einem Skandal: Er sollte den Bau eines Hunderte Millionen Dollar teuren Palasts am Schwarzen Meer vorantreiben, der wohl mal als Privatdomizil Putins gedacht war.

Der jähe Aufstieg seines Sohnemanns Kirill, Jahrgang 1982, ist mit unternehmerischem Talent allein eher schwer zu erklären: Vor einigen Jahren tauchte Schamalow junior recht unvermittelt auf der Liste der reichsten Russen auf, mit einem taxierten Vermögen von etwa zwei Milliarden Dollar. So viel war die 21-Prozent-Beteiligung am Petrochemie-Riesen Sibur wert, die ihm der Milliardär Gennadij Timtschenko veräußert hatte. Woher Schamalow junior das Kapital hatte oder warum Putins langjähriger Bekannter Timtschenko die lukrative Beteiligung veräußerte, war nicht recht klar.

Im Jahr 2018 berichtete die Nachrichtenagentur »Bloomberg« von der Scheidung des Paares. Geschäftlich läuft es offenbar seit der Trennung auch nicht mehr so gut wie zuvor: »Forbes« schätzt Schamalows Vermögen inzwischen auf deutlich schmalere 800 Millionen Dollar. An Sibur hält Schamalow dem Magazin zufolge nur noch knapp vier Prozent. Den Rest hat er 2017 verkauft, an Leonid Michelson, einen weiteren Geschäftsmann aus dem Umfeld von Wladimir Putin.

Der Report über die Schamalow-Connection ist der zweite Bericht über Filz und Bereicherung im direkten Umfeld des russischen Präsidenten binnen weniger Tage. Ende November hatte die von angesehenen russischen Journalisten betriebene Plattform »Projekt« berichtet, eine Geliebte des Staatschefs – und Mutter einer unehelichen Tochter Putins – sei als Aktionärin der Bank »Rossija« zu Reichtum gekommen .

»Rossija«, deren Großaktionär ein weiterer Putin-Vertrauter ist.

beb/apr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.