Russlands reichster Uni-Rektor Putins Doktorvater verdient 3,4 Millionen Euro

Wladimir Putin hat seine Doktorarbeit in Teilen abgeschrieben. Geschadet hat das weder ihm noch seinem Doktorvater: Wladimir Litwinenko hat es in die "Forbes"-Liste der reichsten Männer Russlands geschafft.

Putin mit Doktorvater Wladimir Litwinenko
imago images/Russian Look

Putin mit Doktorvater Wladimir Litwinenko


Dass eine Doktorarbeit Ausgangspunkt einer steilen Karriere werden und zu höheren Einkünften führen kann, ist bekannt - zumindest für denjenigen, der die Doktorarbeit eingereicht hat.

Im Falle der im Jahr 1997 am Bergbau-Institut im russischen Sankt Petersburg eingereichten Dissertation über "Strategische Planung" im Rohstoffbereich aber hat es nicht nur der Autor selbst - ein gewisser Wladimir Putin - zu Prominenz und einer sicheren Stellung gebracht. Sein Doktorvater Wladimir Litwinenko ist inzwischen Rektor des Bergbau-Instituts - und ein wohlhabender Mann. Wie die angesehene Moskauer Finanzzeitung "RBC" berichtet, beliefen sich seine Einnahmen im abgelaufenen Jahr 2018 auf 237 Millionen Rubel, umgerechnet sind das etwa 3,4 Millionen Euro - und deutlich mehr, als alle anderen Universitätschefs in Russland einstreichen. Zum Vergleich: Auf Rang zwei rangiert der Chef der Moskauer Präsidialakademie RANEPA mit etwas mehr als 100 Millionen Rubel.

Unter Russlands Reichsten die Nummer 112

Grund für Litwinenkos ungewöhnlich üppige Einkünfte sind seine geschäftlichen Aktivitäten. Der Universitätsrektor hält seit Langem einen Anteil an dem russischen Düngemittelkonzern Phosagro, 2017 erhöhte er diesen auf 19,35 Prozent. Die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" schätzt den Wert der Anteile auf rund 900 Millionen Dollar. In der Rangliste der reichsten Männer des Landes führt die Redaktion den Uni-Rektor auf Rang 112.

Litwinenko ist einer breiteren Öffentlichkeit in Russland wegen Putins Doktorarbeit bekannt geworden. Vor einigen Jahren kam heraus, dass 16 Seiten davon aus einem 20 Jahre zuvor veröffentlichten Buch amerikanischer Wissenschaftler übernommen waren.

Litwinenko soll den späteren Präsidenten Anfang der Neunzigerjahre kennengelernt haben. Putin war damals stellvertretender Bürgermeister von Sankt Petersburg. Im Jahr 2000 leitete Litwinenko dann die Sankt Petersburger Dependance von Putins Wahlkampfstab.

Wie genau Litwinenko den Grundstein seines Vermögens gelegt hat, ist nicht bekannt. Die Bergbau-Universität ist bei russischen Spitzenpolitikern beliebt. Auch Putins ehemaliger Büroleiter Igor Setschin - heute Chef des Ölkonzerns Rosneft - hat dort seine Doktorarbeit geschrieben, ebenso wie Wiktor Subkow, bis 2012 stellvertretender Premierminister Russlands.

Russische Aktivisten weisen immer wieder darauf hin, dass zahlreiche Doktorarbeiten russischer Politiker zu großen Teilen Plagiate sind.

beb



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