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Putins neues Gesetz Echter Champagner? Nur aus Russland

In Russland soll die Bezeichnung Champagner russischen Schaumweinen vorbehalten sein – echter Champagner wiederum soll sich nur Sekt nennen dürfen. Moët Hennessy will nun die Lieferungen einstellen.
Stößchen! Wladimir Putin 2020 mit Zhang Hanhui, dem chinesischen Botschafter in Moskau

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Foto: Mikhail Svetlov / Getty Images

Manche Sekte und Crémants können es qualitativ mit Champagner aufnehmen. Und doch steht Champagner für viele noch immer für wahren Luxus, dessen Genuss gern als Statussymbol zelebriert wird. In Russland sorgt nun ein neues Gesetz zur Klassifizierung von Schaumweinen für Verwirrung bei der Schampus liebenden Oberschicht – und für Verstimmung bei den Händlern.

Denn wegen eines Namensstreits droht Champagner in Russland zur Mangelware zu werden – und das, was bisher Champagner genannt wird, könnte schon bald nicht mehr als Champagner gelten. Hintergrund ist die neue Regelung, die das Wort Champagner künftig russischen Schaumweinen vorbehält, während die berühmten Tropfen aus dem französischen Landstrich Champagne sich ganz schnöde Sekt nennen sollen.

Die großen französischen Produzenten schäumen deshalb. Die russische Niederlassung des Herstellers Moët Hennessy kündigte bereits die Einstellung seiner Lieferungen an. AST, die führende Vertriebsfirma für alkoholische Getränke in Russland, teilte mit, dass Moët Hennessy in einem Schreiben über die geplante Aussetzung seiner Champagnerlieferungen informiert habe.

»Wenn es keinen Moët gibt, wird es keinen Staatsstreich geben«

Dieser Schritt sei »gerechtfertigt«, sagte AST-Chef Leonid Rafailow der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben wäre Moët Hennessy durch das am Freitag durch Kremlchef Wladimir Putin in Kraft gesetzte Gesetz gezwungen, sich in Russland neu registrieren zu lassen.

Der Russland-Chef von Moët Hennessy, Sebastien Vilmot, wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht zu dem Streit äußern. Rafailow zitierte Vilmot mit der Aussage, die Aussetzung der Lieferungen von Moët Hennessy sei eine »vorübergehende« Maßnahme, bis eine Lösung in dem Streit gefunden werden könne.

Moët Hennessy gehört ebenso wie die Champagnermarken Moët Chandon, Veuve Clicquot und Dom Pérignon zum französischen Luxuskonzern LVMH. Branchenkenner Wadim Drobis hob hervor, dass Moët Hennessy nur einen kleinen Anteil am russischen Champagnermarkt habe. »Wenn es keinen Moët gibt, wird es keinen Staatsstreich geben, und die russischen Eliten werden keinen Suizid begehen«, witzelte Drobis.

Auch in Onlinenetzwerken wurde über das neue Gesetz gescherzt. »Jetzt ist es an der Zeit, es den Schotten und Amerikanern zu verbieten, das Wort ›Whiskey‹ zu verwenden«, schrieb der Gastronom Sergej Mironow. Der bekannte Sänger Wasja Oblomow erklärte mit Blick auf die deutsche Luxus-Automarke, die russischen Parlamentarier könnten nun ein ähnliches Gesetz für die Verwendung des Namens Mercedes erlassen.

apr/AFP