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10. März 2015, 11:18 Uhr

Energiewende

RWE beklagt dramatische Lage klassischer Kraftwerke

Der Energieversorger RWE kämpft mit argen Problemen in seinem Kerngeschäft. Mit Gas- oder Kohlekraftwerken lasse sich wegen der Energiewende kaum noch Geld verdienen, klagt Konzernchef Terium - und fordert Hilfen vom Staat.

Essen - Der Energiekonzern RWE rechnet nicht mit einer raschen Erholung des schwächelnden Geschäfts mit der Stromerzeugung. "Die wirtschaftliche Situation in der konventionellen Stromerzeugung ist dramatisch ", sagte Vorstandschef Peter Terium am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz.

Die Lage sei im vergangenen Jahr noch schlechter geworden. Das liegt vor allem am staatlich geförderten Ökostrom, der die Preise für Strom im Großhandel verfallen lässt. "Inzwischen sind es 35 bis 45 Prozent unserer konventionellen Kraftwerke, die unter den gegebenen Marktbedingungen kein Geld mehr verdienen", sagte Terium. Das belastet vor allem die Kraftwerkssparte RWE Generation.

"Zurzeit wird es von Tag zu Tag schwieriger, ein Gas- oder ein Steinkohlekraftwerk wirtschaftlich am Leben zu erhalten", sagte Terium. Sollten die Strom-Großhandelspreise auf dem Niveau von 32 Euro je Megawattstunde bleiben, werde RWE Generation in nicht allzu ferner Zukunft einen Betriebsverlust schreiben. 2014 war der Gewinn der Sparte um 29 Prozent auf 979 Millionen Euro eingebrochen.

Die konventionellen Anlagen gelten aber als unentbehrlich für eine sichere Stromerzeugung etwa in wind- und sonnenlosen Zeiten. Die Strombranche fordert unter dem Stichwort Kapazitätsmarkt eine Vergütung für dieses Bereithalten von Kraftwerken. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich bisher aber eher skeptisch zu diesem Thema geäußert. Terium, für seine Forderungen an die Politik bekannt, drängte nun wieder einmal zur Eile. "Wenn man ein solches Vorhaben erst dann beginnt, wenn merklich Engpässe auftreten, könnte es knapp werden."

Die Ökostromtochter macht nur einen Minigewinn

RWE könnte Hilfe von außen gut gebrauchen. Das Geschäft läuft alles andere als gut. Der Betriebsgewinn sackte 2014 erneut um ein Viertel auf rund vier Milliarden Euro ab. Netto blieb ein Gewinn von gerade mal 1,7 Milliarden Euro übrig.

Terium will im klassischen Geschäft unter anderem mit Kostensenkungen und der Stilllegung von Kraftwerken gegensteuern, sieht aber auch Möglichkeiten zu wachsen. "In den Bereichen Vertrieb, Netze sowie erneuerbare Energien eröffnet uns die Energiewende neue Wachstumschancen - und die wollen und werden wir nutzen."

Die Ökostromtochter Innogy soll von 2015 bis 2017 ihr Ergebnis im Jahresdurchschnitt um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag steigern. Sie hatte 2014 ein Betriebsergebnis von 186 Millionen Euro erzielt. Im Konzern gibt es Überlegungen, beide Geschäfte zusammenzulegen. Nach den Milliardeninvestitionen der vergangenen Jahre soll Innogy unter anderem vom neuen Windparks auf hoher See profitieren.

stk/Reuters/dpa

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