RWE Briten verweigern Plazet für Dea-Verkauf

Der Verkauf der Öl- und Gasfördergesellschaft Dea sollte dem Energiekonzern RWE aus der Schuldenfalle helfen. Das Geschäft war eigentlich schon in trockenen Tüchern - doch jetzt stellt sich die britische Regierung quer.

Bohrinsel von Dea: Briten stemmen sich gegen einen Verkauf
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Bohrinsel von Dea: Briten stemmen sich gegen einen Verkauf


London - Dem angeschlagenen Energiekonzern RWE droht beim schon fast sicher geglaubten Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea ein heftiger Rückschlag. Die britische Regierung blockiere das Geschäft mit einer Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman, schreibt die "Financial Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Energieminister Ed Davey sei angesichts der verschärften Sanktionen gegen Russland "nicht geneigt", dem Verkauf zuzustimmen. RWE und die Investorengruppe erklärten in der Zeitung, dass der Verkaufsprozess weiter laufe.

Die Bundesregierung hatte im August dem wegen der Ukraine-Krise heiklen Geschäft zugestimmt. Ausschlaggebend sei gewesen, dass es sich bei Investorengruppe LetterOne um einen in der EU ansässigen Investor handele. Die Regierung in London hat ein Mitspracherecht, da auch Förderprojekte in Großbritannien betroffen sind. Das Scheitern der 5,1 Milliarden Euro schweren Transaktion wäre für den hochverschuldeten und von der Energiewende stark in Mitleidenschaft gezogenen RWE-Konzern ein schwerer Schlag. Das Unternehmen hatte bislang das Ziel, das Geschäft noch in diesem Jahr abzuschließen.

Der SPIEGEL hatte bereits Ende September von Vorbehalten der britischen Regierung berichtet. Im Konzern würden bereits Krisenszenarien besprochen, und auch der Aufsichtsrat des Unternehmens wurde über drohende Verzögerungen informiert. Sollten die fest eingeplanten rund fünf Milliarden Euro aus dem Verkauf von Dea nicht oder nur teilweise fließen, wäre der Sanierungsplan des kriselnden Stromriesen schwer umzusetzen.

Dea galt jahrelang als Ertragsperle im RWE-Konzern. Das Öl- und Gasfördergeschäft erfordert aber gleichzeitig Milliardeninvestitionen, die RWE in der aktuell angespannten Situation nicht mehr aufbringen konnte oder wollte. Der Verkauf führe zu einer "erheblichen Entlastung des künftigen Investitionsvolumens" und leiste so einen "wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Finanzkraft", hatte RWE-Chef Peter Terium 2013 bei der Ankündigung der Verkaufspläne versprochen.

mik/dpa-AFX

insgesamt 4 Beiträge
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hedele 16.10.2014
1. Die Briten haben wenigstens Verstand.
Wir verschleudern gerade unsere strategischen nationalen Gasreserven an eben jene russische Gesellschaft, die uns durch komplette Abhängigkeit willfährig machen will.
pieterbruegel 16.10.2014
2. Briten..
Zitat von hedeleWir verschleudern gerade unsere strategischen nationalen Gasreserven an eben jene russische Gesellschaft, die uns durch komplette Abhängigkeit willfährig machen will.
..Sie haben den Hintergrund des Deals nicht ganz verstanden.DEA ist technisch marode und abgewirtschaftet;RWE ist nicht mehr in der Lage,Investionen in Restrukrurierungen zu stecken,die Gewinne von DEA wurden in den letzte Jahren nicht reinvestiert sondern verschleudert und den Dividenden Jägern in den Rachen geworfen.Vergessen Sie mal Ihre Russen Phobie und denken Sie wirtschaftlich.
winkler00 16.10.2014
3. GB springt ein?
Wenn GB den Verkauf stoppen will, weil DEA vor ihrer Kueste Gas fördert, soll doch GB DEA kaufen. Es kann doch nicht sein, das man nur sagt: Du darfst nicht, aber keinen anderen Vorschlag macht. Wenn sich die Politik in die "frei Wirtschaft" einmischt, dann nur mit Vorschlägen und nicht Verboten. Wenn RWE ins strudeln kommt, weil sie eine marode Firma nicht vom Hals bekommt, muss der Steuerzahler wieder einspringen. Das hat sogar unser Wirtschaftsministerium gesehen, sonst hätten sie es schon vorher verboten. Da nun GB den starken Mann spielt, darf der dt. Michel den Ausfall bezahlen. Es sind ja nicht nur der Kaufprris, sondern auch die Verluste, die DEA einfaehrt. Das ist doch das Gleiche wie mit den Mistral Schiffen. Viel TamTam und dann wird doch geliefert.
maka90 16.10.2014
4. DEA Deal tot
Nachdem die Oelpreise 30% gesunken sind, wird die Britische Entscheidung für die Russen ideal sein, um auszusteigen. Die RWE braucht dringendst eine Kapitalerhöhung über 5 Milliarden €, auch wenn die öffentliche Hand damit verwässert wird.
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