Umstrittener Kraftwerkskonzern Chef will RWE zum Ökokonzern umbauen

Begleitet von Protesten hat RWE-Chef Schmitz sich auf der Hauptversammlung des Energieversorgers für einen Wandel zum Ökoanbieter starkgemacht. Allzu radikal soll der Umbau dann allerdings auch wieder nicht ausfallen.

FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Die Geschichte von RWE ist eng mit fossilen Brennstoffen verknüpft, genauer gesagt: mit der Kohle. Nach seiner Gründung kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert schaffte das Unternehmen vor allem mit der Verfeuerung von Stein- und Braunkohle schnell den Aufstieg zum größten Stromversorger des Landes.

Damit soll allerdings bald Schluss sein: RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hat auf der Hauptversammlung des Energieversorgers für den geplanten Umbau zum Ökostromerzeuger geworben. "Sauberen und sicheren Strom zu erzeugen - dieses Ziel treibt uns an", sagte Schmitz vor den versammelten Aktionären in Essen. "Wir wollen der Wachstumsmotor für die Energiewelt von morgen sein."

RWE produziert seinen Strom derzeit vor allem mit Kohle, Gas und Kernkraft. Durch einen geplanten Deal mit dem E.on-Konzern werde sich der Versorger zu einem der führenden Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien weltweit wandeln. "Das gibt unserem Unternehmen eine hervorragende Zukunftsperspektive." Schon in einem Jahr werde RWE kaum wiederzuerkennen sein.

Schmitz wendet sich an Demonstranten

RWE hatte im März vergangenen Jahres mit E.on vereinbart, die RWE-Tochter Innogy zu zerschlagen. E.on übernimmt das Vertriebs- und Netzgeschäft, RWE das Ökostromgeschäft von Innogy und das von E.on. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

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Proteste vor RWE-Versammlung: Umweltschützer fordern Aus für Kohleverstromung

RWE-Chef Schmitz richtete sich in der Halle auch an die Demonstranten, die vor den Türen der Hauptversammlung für mehr Klimaschutz und ein schnelleres Ende der Kohleverstromung protestierten. "'Fridays for Future' hebt ein Thema deutlich hörbar auf die Tagesordnung und rückt es so ins Bewusstsein aller. Doch zum Fordern gehört auch das Machen", so Schmitz. Genau dafür wolle RWE aber stehen. Allerdings komme in vielen Debatten zu kurz, was wirklich machbar sei.

Die Demonstranten forderten zudem eine endgültige Entscheidung für den langfristigen Erhalt des Hambacher Forsts. Schüler aus der Protestbewegung "Fridays for Future" blockierten einen Ausgang der U-Bahn-Station an der Grugahalle. Die Polizei ließ sie zunächst gewähren, weil die Aktionäre über andere Ausgänge zu der Halle gelangen konnten, sagte ein Sprecher.

Entschädigungen in Milliardenhöhe gefordert

RWE ist der größte Stromerzeuger in Deutschland. Der Konzern steht vor allem wegen seiner Braunkohlekraftwerke und dem Ausbaggern der Tagebaue im Rheinischen Revier in der Kritik von Umweltschützern.

Nach dem Willen der Kohlekommission sollen in Deutschland bis 2038 alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. In einem ersten Schritt sollen bis 2022 rund drei Gigawatt Braunkohlekapazität zusätzlich vom Netz genommen werden. Das würde vor allem RWE treffen. Konzernchef Schmitz hat dafür bereits Entschädigungen in Milliardenhöhe gefordert.

Allzu radikal soll der Wandel von RWE zum Ökokonzern allerdings offenbar nicht ausfallen. Anwohnern des Braunkohletagebaus Garzweiler, die einen Stopp der Umsiedlungen ihrer Dörfer forderten, erteilte Schmitz jedenfalls eine entschiedene Absage. Die müssten "aus sozialen und energiewirtschaftlichen Gründen planmäßig und vollständig abgeschlossen werden".

Schmitz betonte zudem, die Kohle aus Garzweiler werde schon in den frühen 2020er Jahren benötigt, um die verbleibenden Kraftwerke weiterhin versorgen zu können. Dies stehe auch im Einklang mit den Empfehlungen der Kohlekommission. Dem hätten auch die Umweltverbände in der Kommission zugestimmt. Dazu müssten sie jetzt auch stehen.

brt/beb/Reuters/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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haichen 03.05.2019
1. Enteignungen
Nach dem ganzen Genöle gegen Enteignungen (Deutsche wohnen etc) . FÜR ein Unternehmen enteignen ist jedenfalls kein Problem in Deutschland.
ulrics 03.05.2019
2. Rwe
will sich langsam wandeln, nachdem es jahrelang die Energiewende sabotiert hat. In Krefeld wurde vor Jahren ein Kohlekraftwerk gestoppt. Das Unternehmen ist noch heute dankbar, dass das Projekt vor der Bauphase scheiterte. RWE bekommt jetzt Milliardengräber versilbert.
h.glaps 04.05.2019
3. Mit dem Gesicht wird das nichts
Dann braucht RWE wohl einen neuen CEO, mit dem Gesicht von Braunkohle und Atomkraft wird das nichts. Herr Schmitz ist untragbar für den Wandel.
tatsache2011 05.05.2019
4. Neues Geschäftsfeld
PV und Windkraft snd abängig vom Wetter. Die Lösung dieses Problems ist die Marktnische bzw. das Geschäftsfeld für RWE.
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