Energiebranche RWE-Chef sieht niedrigere Gewinne als "neue Normalität"

Die Lage beim Energiekonzern RWE ist laut Vorstandschef Terium "sehr ernst". Angesichts schwindender Gewinne halbiert das Unternehmen seine Dividende. Dennoch unterstützen wichtige Aktionäre den Sanierungskurs.
Peter Terium: "RWE braucht keinen Visionär, sondern einen Sanierer"

Peter Terium: "RWE braucht keinen Visionär, sondern einen Sanierer"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Essen - Nach Milliardenverlusten im vergangenen Jahr erwartet der Essener Energiekonzern RWE   2014 erneut niedrigere Gewinne im operativen Geschäft. Konzernchef Peter Terium sagte auf der Hauptversammlung am Mittwoch, in den kommenden Jahren würden sich die Ergebnisse voraussichtlich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren. "Wir richten uns auf diese neue Normalität ein."

Der RWE-Vorstand kündigte auch an, die Dividende für 2013 auf einen Euro zu halbieren. "Reden wir nicht drum herum: Die Lage ist sehr ernst", sagte Terium. Das Ergebnis des Versorgers wird vor allem von abgestürzten Preisen an der Strombörse belastet.

RWE wolle sich künftig stärker auf seine Stromnetze, den Energiehandel, den Vertrieb und die Erneuerbaren Energien konzentrieren, sagte Terium. Außerdem will das Unternehmen mehr Geld als Energiemanager verdienen - zum Beispiel mit Steuergeräten für Licht und Heizung in Wohnungen unter dem Stichwort Smart Home oder mit Angeboten zur Optimierung des Energieverbrauchs für mittelständische Unternehmen.

Mit Energiedienstleistungen hatte RWE 2012 bereits 225 Millionen Euro Jahresumsatz erreicht, 2013 waren es 250 Millionen Euro. Der Konzern rechnet bei diesem Geschäftsfeld mit einem Wachstumspotenzial von bis zu 15 Prozent.

Wichtige Aktionärsvertreter hat das Unternehmen trotz gefallenen Aktienkurses und der geplanten Dividendenkürzung an seiner Seite. "Herr Terium, wir halten den von Ihnen eingeschlagenen Weg für absolut richtig und dringend notwendig", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Einsparungen seien unpopulär, aber unvermeidbar. "RWE muss sich gesundschrumpfen und braucht an der Spitze keinen Visionär, sondern einen Sanierer." Allerdings seien nach der Restrukturierung neue strategische Impulse erforderlich. "Wir erwarten spätestens zur nächsten Hauptversammlung konkretere Ziele."

Zu der geplanten Dividendenhalbierung gab es kaum ein Wort der Kritik. Der Vorschlag wird auch von den Kommunen unterstützt, die mit rund 25 Prozent die größte Aktionärsgruppe des Unternehmens stellen. Andere Aktionärssprecher zeigten sich jedoch angesichts der künftigen Strategie skeptisch: "Womit verdient RWE in fünf Jahren sein Geld - das ist die Gretchenfrage", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

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Kritische Diskussionen mit Umweltschützern und Aktionären gab es wieder wegen des für die Umwelt belastenden RWE-Braunkohleabbaus im Rheinischen Revier. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe, die von RWE nicht kommentiert wurden, hat das Unternehmen damit 2013 rund eine Milliarde Euro Gewinn erzielt. Einige Demonstranten blockierten den Eingang, wodurch sich der Beginn der Hauptversammlung leicht verzögerte.

Der Konzern sei weiter der größte CO2-Emittent Europas, "ein trauriger Negativrekord", kritisierte Fondsmanager Speich. Mit einem Anteil der Erneuerbaren von rund sieben Prozent an der gesamten Stromerzeugung hinke RWE der Entwicklung hinterher.

dab/dpa/Reuters
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