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Klimawandel RWE gerät im Klima-Prozess in Bedrängnis

aus DER SPIEGEL 23/2022

Im Klima-Rechtsstreit zwischen dem peruanischen Landwirt Saúl Luciano und dem Energiekonzern RWE vor dem Oberlandesgericht Hamm sind Zweifel an einem Gutachten aufgekommen, das RWE vorgelegt hat. In die angeblich unabhängige Expertise, an der auch Wissenschaftler der RWTH Aachen mitwirkten, sind Vorrecherchen eingeflossen, die RWE mit rund 100.000 Euro finanziert haben soll. Das ergaben gemeinsame Recherchen des SPIEGEL mit der gemeinnützigen britischen Organisation SourceMaterial.  In dem bereits über sechs Jahre dauernden Gerichtsverfahren macht Luciano RWE, den größten Emittenten von CO₂ in Europa, mitverantwortlich für das Schmelzen der Gletscher in Peru.

Aus: DER SPIEGEL 23/2022

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Er will vor Gericht erstreiten, dass der Konzern einen Teil der Kosten übernimmt, um seine Heimatstadt Huaraz am Fuße der Anden vor drohenden Fluten zu schützen, etwa mit dem Bau eines Damms. RWE jedoch bezweifelt, dass es eine regionale Erwärmung in den Anden gibt. Das umstrittene Gutachten, das RWE zum Anlass nimmt, die Gefahr einer Überflutung infrage zu stellen, wirkt auf den ersten Blick unabhängig: Es habe keine »externe« Finanzierung gegeben, steht unter dem Text, Interessenkonflikte schlossen die Autoren aus. Einer davon begleitet allerdings als Sachverständiger für RWE den Prozess – laut SourceMaterial für einen Stundensatz von 120 Euro. Von RWE finanzierte Vorarbeiten wie der Erwerb und die Analyse der Gletscherdaten hätten, so sagen es RWE und die Autoren, keinen Einfluss auf die Studie an sich gehabt, die unabhängig entstanden und nicht von RWE beauftragt worden sei. Der Vorwurf eines Interessenkonflikts sei »unbegründet«, heißt es aus dem Kreis der Autoren. Auffallend sind in dem Prozess zudem die Kosten für die Beweisaufnahme, die gemessen am Streitwert von rund 20.000 Euro hoch ausfallen. Zu einem Vor-Ort-Termin in Peru reiste das Gericht letzte Woche mit einer achtköpfigen Delegation inklusive deutscher Ärztin an. Kläger Luciano, der von der Stiftung Zukunftsfähigkeit unterstützt wird, musste für die Reisekosten des Gerichts und zu erwartende Gutachterkosten bereits 320.000 Euro einzahlen. Das Gericht hat nun selbst Experten beauftragt zu prüfen, ob das Haus des Klägers bedroht ist.

nkl, nna
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