Warnung vor »signifikanter Werteerosion« RWE-Aktionär will Abspaltung von Kohlesparte

Der Energiekonzern RWE soll sein Geschäft mit der Braunkohle abtrennen – das verlangt der aktivistische Investor Enkraft Capital. VW-Aufsichtsratschef Pötsch fordert von der Politik mehr Tempo beim Kohleausstieg.
RWE-Braunkohletagebau Garzweiler

RWE-Braunkohletagebau Garzweiler

Foto: Ina Fassbender / REUTERS

Der aktivistische Investor Enkraft Capital ist beim Energiekonzern RWE eingestiegen und fordert eine Abtrennung des umstrittenen Geschäfts rund um die Braunkohle. Encraft halte mehr als 500.000 RWE-Aktien, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einem Brief des Investors an RWE-Chef Markus Krebber.

Das »strategische Festhalten an den (...) Braunkohleaktivitäten führt zu einer signifikanten Werteerosion«, heißt es demnach in dem Schreiben. Dies sei für die Aktionäre nur schwer akzeptabel. Eine Fokussierung des Versorgers auf die in den letzten Jahren massiv ausgebauten erneuerbaren Energien würde ein enormes Wertsteigerungspotenzial bei RWE freisetzen.

RWE bestätigte, ein Schreiben von Enkraft mit Fragen zur Strategie erhalten zu haben. »Wie jedem Investor haben wir ihnen angeboten, ein Gespräch über unsere Geschäftsstrategie zu führen«, sagte eine Sprecherin.

Aktivistische Investoren kaufen sich in ein Unternehmen ein, um Strategie- oder Personalwechsel zu forcieren, von denen sie sich eine Wertsteigerung für ihr Investment erhoffen. Enkraft hat sich in der Vergangenheit vor allem bei kleineren Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien engagiert.

Der Investor übte etwa Kritik an der Führung des Wind- und Solarkraftanlagen-Entwicklers Energiekontor und forderte eine Überprüfung der Strategie. Aber auch bei der Immobilienfirma Agrob hat Enkraft investiert. 500.000 RWE-Aktien entsprechen einem Wert von etwa 16,4 Millionen Euro, ein recht kleines Engagement. Durch den Gang an die Öffentlichkeit oder die Überzeugung weiterer Aktionäre können aktivistische Investoren aber auch mit kleinen Beteiligungen Druck ausüben.

Der Brief an Vorstandschef Krebber kritisiert das RWE-Management massiv: Es sei »nicht nachvollziehbar, warum Vorstand und Aufsichtsrat noch nicht proaktiv einen Plan vorgelegt haben, die Braunkohleaktivitäten ambitionierter und schneller zu reduzieren sowie noch kurzfristiger vom zukunftsgerichteten Geschäft der RWE zu separieren«. Eine Abtrennung werde auch dem Aktienkurs auf die Sprünge helfen – RWE werde sich dann signifikant in Richtung der Bewertung von Vergleichsunternehmen bewegen, die sich auf erneuerbare Energien fokussierten.

Der früher stark auf Kohle und Atomstrom ausgerichtete RWE-Konzern wandelt sich derzeit zu einem der größten Ökostromproduzenten Europas. Krebber will das Geschäft allein bis 2022 mit Investitionen von fünf Milliarden Euro ausbauen. Nach dem mit der Bundesregierung vereinbarten Kohleausstieg soll in Deutschland die Verstromung des klimaschädlichen Brennstoffs spätestens 2038 enden. Bis 2030 will RWE insgesamt zwei Drittel der Braunkohlekapazität stilllegen. Bis 2040 will RWE klimaneutral Strom erzeugen. Umweltschützer und auch Investoren hatten immer wieder mehr Tempo von dem Konzern gefordert.

VW-Chefaufseher Pötsch für schnellen Kohleausstieg

Auch VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch forderte eine schnellere Energiewende, die eine zentrale Voraussetzung für den Wandel in der Autoindustrie sei. Nach der Bundestagswahl müsse das Tempo hier deutlich erhöht werden, sagte Pötsch am Rande der Messe IAA Mobility in München. »Das gilt vor allem für die Rahmenbedingungen der Elektromobilität, beispielsweise wie künftig genügend Grünstrom produziert werden kann. Dazu gehört auch, zügig aus der Kohleverstromung auszusteigen.«

Zuletzt hakte es bundesweit erheblich beim Zubau sowie der notwendigen Erneuerung von Windkraft- und Solaranlagen. Der Chefaufseher von Volkswagen sieht auch die »viel zu langen Genehmigungsprozeduren beim Netzausbau« als Hindernis. Das gelte für die schleppende Erweiterung der Netze zur Verteilung zusätzlichen Ökostroms und zur Absicherung gegen Schwankungen ebenso wie für die Lademöglichkeiten für E-Autos.

»Die Zukunft unserer Branche ist elektrisch«, stellte der Aufsichtsratschef des größten deutschen Unternehmens klar. »Deswegen ist es eine zentrale Anforderung an die Politik, die Beseitigung bestehender Defizite auf dem Weg dorthin schnellstmöglich anzugehen.«

dab/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.