Gewinnplus RWE verdaut Atomausstieg

Deutschlands zweitgrößter Energieversorger erholt sich vom Atomausstieg: Der RWE-Konzern hat seinen operativen Gewinn 2012 stärker gesteigert als erwartet - unter anderem, weil CO2-Abgaben auf seine schmutzigen Braunkohlekraftwerke niedriger ausfallen als gedacht.
RWE-Kraftwerke: Erholung von Atomwende-Einbruch

RWE-Kraftwerke: Erholung von Atomwende-Einbruch

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Essen - Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern hat sich vom Einbruch des Geschäfts nach der Atomwende 2011 erholt. RWE präsentierte am Dienstag einen deutlich verbesserten operativen Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um ein Zehntel auf 9,3 Milliarden Euro zu - stärker als erwartet. Analysten hatten mit gut 8,7 Milliarden Euro gerechnet. Auch 2013 werde der Wert wohl in der Größenordnung von neun Milliarden Euro liegen, erklärte RWE.

Grund für das Plus sind nicht zuletzt Versäumnisse beim Klimaschutz. RWE betreibt zahlreiche Braunkohlekraftwerke - und sollte für deren hohe CO2-Ausstöße eigentlich entsprechend hohe Gebühren zahlen. Doch der EU-Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten funktioniert nicht.

2008 lag der Preis noch bei 28 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2. Zuletzt zahlten Firmen teils weniger als fünf Euro. Das entlastet Versorger wie RWE - gleichzeitig bietet Europas Emissionshandel keine Anreize, in klimafreundliche Technologien zu investieren. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments will gegensteuern. Er hatte kürzlich beschlossen, das Angebot der CO2-Zertifikate zu verknappen, damit die Preise wieder steigen.

RWE drücken derzeit Schulden von 33 Milliarden Euro. Vorstandschef Peter Terium kündigte an, den Abbau der Verbindlichkeiten voranzutreiben. Dazu wolle man unter anderem die Tochter RWE Dea veräußern. Branchenexperten schätzen den Wert des Hamburger Öl- und Gasförderers auf mehr als vier Milliarden Euro.

ssu/dpa/Reuters
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