Dividende gestrichen RWE-Krise wird für Kommunen zum Albtraum

Der Energiekonzern RWE gehört zum großen Teil Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Nun streicht das Krisenunternehmen Hunderte Millionen Euro an Dividende. Kämmerer sind entsetzt.
RWE-Chef Terium: Keine leichte Entscheidung

RWE-Chef Terium: Keine leichte Entscheidung

Foto: Marius Becker/ dpa

Der Energiekonzern RWE macht vor dem geplanten Konzernumbau Verlust. Für 2015 gab der Konzern an diesem Mittwoch unterm Strich ein Minus von 200 Millionen Euro bekannt. Zudem will RWE weitgehend die Dividende streichen. Das kam bei den Anlegern schlecht an. Die Aktie fiel zeitweise um zehn Prozent.

Dass der Konzern nun die Ausschüttung an die Aktionäre so gut wie streicht, trifft auch viele Städte und Gemeinden hart. Rund ein Viertel der RWE-Anteile wird von Kommunen gehalten. Besonders betroffen ist die Stadt Essen. Sie ist als wichtiger RWE-Standort zugleich Großaktionär. Kämmerer Lars Martin Klieve reagierte entsetzt auf die Ankündigung des Konzerns. "Das übertrifft meine schlimmsten Albträume", sagte er. Im Vorjahr hatte die Stadt 18,3 Millionen Euro Dividende von RWE eingenommen.

Essen habe erst Ende Januar einen Nachtragshaushalt mit 132 Millionen Euro zusätzlich für die Versorgung von Flüchtlingen vorgelegt, sagte der Kämmerer. Das Defizit der Stadt verzehnfache sich demnach von 3,4 auf 37 Millionen Euro. Nun fielen zusätzlich bereits eingeplante Millionen weg.

Der Kämmerer war von den RWE-Plänen vorab nicht informiert worden. Die kommunalen Aktionäre würden sich über die neue Situation und ihre Reaktion darauf abstimmen, sagte Klieve. Am 3. März tagt der RWE-Aufsichtsrat, in dem die Kommunen vertreten sind. "Das wird kein gemütliches Kaffeetrinken", kündigte Klieve an.

Kommunen wollten Garantie auf Ausschüttung

Im Vorjahr hatte RWE   noch eine Dividende von einem Euro pro Aktie gezahlt. Bereits 2014 hatte der Konzern mitgeteilt, es gebe keine Garantie auf eine Ausschüttung. Deren Berechnung solle sich auch an den operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldung und der Ertragslage orientieren. Vor allem die überschuldeten Städte im Ruhrgebiet sind als kommunale RWE-Aktionäre auf die Dividendeneinnahmen angewiesen. Sie wollten den Dividendenbetrag von einem Euro als Untergrenze festschreiben, unabhängig vom Konzernergebnis.

Nun aber bekommen lediglich die Inhaber von Vorzugsaktien eine Dividende von 13 Cent je Anteilsschein. Der Großteil der Anleger mit Stammaktien geht leer aus. RWE hat nach eigenen Angaben lediglich 39 Millionen Vorzugsaktien ausgegeben, gegenüber 575,5 Millionen Stammaktien. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt", begründete Konzernchef Peter Terium den Schritt.

RWE erwartet sinkenden Gewinn

Auch die Geschäftsprognose von RWE für dieses Jahr fiel negativ aus. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll 2016 von sieben auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken.

Wie der Konkurrent E.on leidet auch RWE unter den Folgen der Energiewende und fallenden Strompreisen. Als Reaktion auf die Krise des Konzerns will RWE das Zukunftsgeschäft mit erneuerbaren Energien, den Netzen und dem Vertrieb in eine neue Tochter abspalten und diese bis zum Jahresende an die Börse bringen. Das soll frisches Geld in die Kassen spülen.

mmq/dpa/Reuters
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