Unter Auflagen EU erlaubt Deal zwischen E.on und RWE

Die EU-Wettbewerbshüter haben die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch den Energiekonzern E.on genehmigt. Der Zusammenschluss führe nicht zu weniger Auswahl und höheren Preisen.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz und E.On-Chef Johannes Teyssen: Preise sollen stabil bleiben
Rolf Vennenbernd/ DPA

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz und E.On-Chef Johannes Teyssen: Preise sollen stabil bleiben


Die EU-Kommission hat den Energiekonzernen E.On und RWE die Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy erlaubt. E.on erhalte unter Auflagen die Freigabe für die Übernahme von Innogy, teilten die Wettbewerbshüter mit. RWE hatte für seinen Teil des Deals bereits im Februar die Zustimmung bekommen.

Die beiden Essener Konzerne wollen die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und ihre Geschäftsfelder komplett neu aufteilen. E.on soll die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy erhalten, RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und E.on.

"Wir können heute die Übernahme von Innogy durch E.on genehmigen, weil die Verpflichtungszusagen von E.on sicherstellen, dass der Zusammenschluss in den Ländern, in denen diese Unternehmen tätig sind, nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird", sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Privat- und Geschäftskunden in Europa müssten Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können.

RWE künftig stark bei Offshore-Windenergie

Die EU-Kommission knüpfte die Übernahme an Auflagen. Unter anderem muss E.on 34 Ladestationen für Elektroautos an deutschen Autobahnen abgeben. Sie sollen künftig von einem Drittanbieter betrieben werden. Zudem muss E.on die Verträge mit den meisten seiner Heizstromkunden in Deutschland abgeben. Diese Schritte waren im Vorfeld jedoch als gering betrachtet worden - angesichts der wachsenden Marktmacht und der Gefahr steigender Strompreise. Stadtwerke hatten vor Folgen für Wettbewerb und Verbraucher gewarnt.

Der Zusammenschluss sei "eine weitere Zäsur für den deutschen Energiemarkt", teilte der Ökostromanbieter Lichtblick mit. "Wettbewerb und Innovation werden auf der Strecke bleiben - Verbraucher und der Industriestandort Deutschland insgesamt die Zeche zahlen müssen", teilte Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking mit. Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW, sagte: "Die Auflagen sind zu weich - dass E.on keine ihrer zwei Discounter-Töchter verkaufen und auch keine Beteiligung an Stadtwerken oder Regionalanbietern aufgeben muss, überrascht."

Hintergrund der Übernahme ist die langjährige Konkurrenz von RWE und E.on. Durch die Aufteilung grenzen sich beide Unternehmen stärker voneinander ab: RWE wird zum Produzenten und Großhändler von Strom. E.on, künftig ohne eigene Kraftwerke, will sich auf den Transport und Verkauf von Strom, Gas und Energiedienstleistungen an Haushalte und Unternehmen konzentrieren.

Allerdings werden beide Konzerne künftig geschäftlich eng miteinander verbunden sein. Denn RWE erhält im Zuge des Tauschgeschäfts eine Beteiligung von 16,7 Prozent an E.on und kann so von dessen Gewinnausschüttungen profitieren.

RWE wird durch den Deal mit E.on zu einem führenden Anbieter von erneuerbaren Energien - bei der Windenergie auf See nach eigenen Angaben die Nummer zwei weltweit. Der bislang wegen seiner Braunkohlekraftwerke in der Kritik stehende Konzern will künftig 1,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren.

In Deutschland wird der Anteil von RWE an der Ökostrom-Erzeugung aber vorerst nur gering ausfallen. Von den rund 100 Gigawatt erneuerbarer Energien in Deutschland verfügt RWE nach Angaben von Vorstandschef Rolf Martin Schmitz nur über ein Gigawatt.

Die RWE-Tochter Innogy verschwindet durch den Deal. Der Großteil der mehr als 40.000 Mitarbeiter wird zu E.on wechseln. Dabei sollen bis zu 5000 Stellen aus beiden Unternehmen ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Darüber hatte E.on-Chef Johannes Teyssen mit den Gewerkschaften eine Vereinbarung getroffen. Das neue Unternehmen wird den Namen E.on behalten.

apr/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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kamkam99 17.09.2019
1. klar,
der Deal möchte mit Sicherheit dafür sorgen,daß die Höchststrompreise in Deutschland sinken.
mopsfidel 17.09.2019
2. Wie lange müssen beide Unternehmen die Füße still halten?
Zwei oder drei Jahre? Diese Auflagen des Kartellamtes sind meist das Papier nicht wert, welches dafür bedruckt wurde. Solche Deals werden doch bereits mit diesen "Wartezeiten" kalkuliert.
Stoepse 17.09.2019
3. Innogy ist doch nur noch eine Resterampe der Mode vergangener Zeiten.
Mit ständig sich verringerndem Umsatz. Jetzt mussten sie schon die Dividende kürzen. Ich habe meine Aktien an dem Käufer E-on bereits verkauft und investiere bei Gelegenheit bei RWE, die diese Lusche losgeworden sind.
apst 17.09.2019
4. Wie war das...
...mit der Immunität gegenüber Fakten in einem anderen SPON-Artikel... Die ersten beiden Foreneinträge zeigen es bereits: Das eigene Weltbild wird gepflegt. Was würde es EOn bringen die Preise zu erhöhen? Nichts, dann würden noch mehr Kunden wechseln. Von daher ist mir diese Fusion egal, für mich hat sie keine Auswirkung. Höchstens den Mitarbeitern dürfte das nicht egal sein, da so wieder ein paar Arbeitsplätze wegfallen.
heiniresse 17.09.2019
5. "Deal" zwischen E.ON und RWE
Liebe Spiegel-Redakteure, ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, der das Wort "Deal" nicht mehr hören oder lesen kann. Es stört mich jedenfalls gewaltig. Anglizismen schön und gut und die Sprachen der Menschheit sind auch immer in irgendeinem Fluß. Das Wort "Deal", darüber kann man einmal nachdenken, verknüpfe ich seit längerer Zeit mit Trump und Johnson und meine Assoziationen sind auschließlich negativ. Beim "Deal" fehlt mir die Ernsthaftigkeit, die Seriosität, die Beständigkeit, die Freiheit von Lügen und Verdrehungen. Jedenfalls deutsche Unternehmen treffen ernsthafte Vereinbarungen, geben sich Regeln von gewisser Dauer, schließen - hoffentlich - wohldurchdachte Verträge, sie halten sich üblicherweise auch daran, alles Qualitäten, die ich mit einem sogenannten "Deal" nicht verknüpfe. Vielleicht streicht man das Wort "Deal" mal aus dem Wortschatz des Spiegel oder benutzt es nur, wenn Anlaß dazu besteht, auszudrücken, daß der so bezeichnete "Deal" in Wirklichkeit eine unseröse Kindergartenveranstaltung egomanischer Großkotze ist.
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