Milliardengewinne bei Energiekonzern RWE verzichtet wohl auf Inanspruchnahme der Gasumlage

Um Gasversorger wie Uniper zu retten, müssen Verbraucher ab Oktober eine deftige Gasumlage zahlen. RWE will diese wohl nicht nutzen – man verdiene genug. Festlegen möchte sich der Energieriese dann aber doch nicht.
RWE-Chef Markus Krebber (2021): »RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen«

RWE-Chef Markus Krebber (2021): »RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen«

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Thilo Schmuelgen / REUTERS

Die ab Oktober geltende Gasumlage wird Verbraucher in Deutschland voraussichtlich viel Geld kosten. Der Energiekonzern RWE hat nun angekündigt, vor dem Hintergrund sprudelnder Gewinne diese Umlage für die Verluste aus der Ersatzbeschaffung von Gas möglicherweise nicht zu nutzen.

»RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen. Wir erwägen daher, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen«, sagte RWE-Chef Markus Krebber in einer Telefonkonferenz laut Redetext . »Wir würden diese dann, genauso wie die Verluste von 750 Millionen Euro infolge der Sanktionierung russischer Kohlelieferungen, selber tragen.«

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der Verbraucher sich auf exorbitant hohe Gaszahlungen einstellen müssen. Wie hoch die ab Oktober geltende Umlage genau sein wird, ist laut Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unklar – nur, dass es »sicherlich einige Hundert Euro pro Haushalt« seien. Zuletzt wurden mögliche Beträge von 1,5 bis fünf Cent je Kilowattstunde genannt. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob die Mehrwertsteuer auf die Umlage wegfallen kann.

Mit dem Geld sollen vor allem Importeure wie Uniper entlastet werden , die Gas zu stark gestiegenen Kosten auf dem Weltmarkt einkaufen müssen. RWE-Chef Krebber räumte bei seiner Konferenz ein, dass sein Unternehmen von russischen Gaskürzungen weniger betroffen sei. »Wir beziehen vergleichsweise wenig Gas aus Russland. Für andere Unternehmen ist die Lage deutlich schwieriger«, sagte er laut Redetext.

Der Konzern kann bei seinen Geschäften auf prall gefüllte Kassen zurückgreifen. Das Nettovermögen habe Ende Juni 1,9 Milliarden Euro betragen nach 360 Millionen Ende 2021. RWE hatte bereits Ende Juli Ergebnisse vorgelegt und die Prognose angehoben. Auf Konzernebene erwartet RWE 2022 einen bereinigten operativen Ertrag (Ebitda) von fünf bis 5,5 Milliarden Euro statt wie bisher 3,6 bis vier Milliarden Euro.

Keine Positionierung zu einer möglichen AKW-Laufzeitverlängerung

Angesichts einer möglichen Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke hält sich der Konzern bedeckt. »Wir warten die politische Entscheidung ab«, sagte Krebber laut Manuskript.

Konkurrent E.on hatte sich am Vortag zu Gesprächen über längere Laufzeiten bereit erklärt: »Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, sind wir zu Gesprächen bereit«, sagte E.on-Finanzchef Marc Spieker am Mittwoch.

Bislang ist vorgesehen, dass in Deutschland die drei letzten Meiler Ende des Jahres stillgelegt werden. Sie werden von E.on, RWE und EnBW betrieben. EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte angemahnt, im Falle einer deutlichen Verlängerung würden zeitnah neue Brennstäbe benötigt.

sol/Reuters
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