Steinkohlekraftwerk RWE will keinen Strom aus Datteln 4 beziehen

RWE weigert sich, Strom aus dem neuen Steinkohlekraftwerk Datteln 4 abzunehmen, weil es auf erneuerbare Energien setzen will. Umweltschützer kaufen das dem Konzern nicht ab.
Das Kohlekraftwerk Datteln 4 des Betreibers Uniper: RWE sieht "auch künftig keine Verpflichtung zur Abnahme"

Das Kohlekraftwerk Datteln 4 des Betreibers Uniper: RWE sieht "auch künftig keine Verpflichtung zur Abnahme"

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Bernd Thissen/ dpa

Seit Mai ist das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 am Netz - der Energiekonzern RWE will aber keinen Strom daher beziehen. "Wir nehmen aktuell keinen Strom von Datteln 4 ab", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz bei der Online-Hauptversammlung des Konzerns. RWE sei nach wie vor der Auffassung, die vor Jahren geschlossenen Verträge mit dem Datteln-Betreiber Uniper wirksam gekündigt zu haben. Deshalb bestehe "auch künftig keine Verpflichtung zur Abnahme".

RWE war mit dieser Rechtsauffassung bereits zwei Mal vor Gerichten gescheitert. Die Frage sei aber noch nicht rechtskräftig entschieden, sagte Schmitz. RWE führe auch Gespräche mit Uniper. Datteln 4 war Ende Mai nach jahrelanger Verzögerung gegen heftige Proteste von Klimaschützern ans Netz gegangen.

RWE will sich nach eigenen Angaben zu einem weltweit führenden Erzeuger von erneuerbaren Energien wandeln und deshalb auf Strom aus Datteln 4 verzichten. RWE werde bis 2022 in erneuerbare Energien und Speicher fünf Milliarden Euro investieren, bekräftigte Schmitz.

Mit dem alten Rivalen Eon hatte RWE eine umfassende Neuaufteilung der Geschäftsfelder der Energieriesen vereinbart. Die Umsetzung stehe kurz vor dem Abschluss, sagte Schmitz. "Am kommenden Dienstag folgt der Schlussakkord." Dann werde der Geschäftsbereich erneuerbare Energien von der zerschlagenen RWE-Tochter Innogy zu RWE zurückkommen. Eon hat die Energienetze und das Endkundengeschäft von Innogy übernommen.

Klimaschützer protestieren am RWE-Braunkohletagebau

Klimaschützer kaufen RWE den Ökokurs aber nicht ab. Mit Protestaktionen am RWE-Braunkohletagebau Garzweiler protestierten sie am Freitag gegen das geplante Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung. Aktivisten besetzten nach Angaben der Polizei insgesamt sechs Bagger und andere Abbaumaschinen. RWE musste den Kohleabbau zeitweise einstellen, wie ein Sprecher mitteilte.

Demonstranten vor dem Kraftwerk Datteln 4

Demonstranten vor dem Kraftwerk Datteln 4

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Andere Demonstranten zogen mit einer Menschenkette eine symbolische rote Linie am Tagebau Garzweiler. Sie kritisieren, dass mit dem Gesetz das Abbaggern weiterer Ortschaften am Garzweiler-Tagebau festgeschrieben werden soll. Schmitz sagte bei der Online-Hauptversammlung, die Umsiedlungen seien "nach wie vor notwendig, um den Kohlebedarf bis 2038 decken zu können". Das habe auch die Bundesregierung "klar und eindeutig festgestellt". RWE werde die "Umsiedlungen vollständig und möglichst zügig" umsetzen.

Die Braunkohlegegner kritisieren auch die Entschädigungen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro, die RWE für den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle erhalten soll. Schmitz hielt dem entgegen, die Kosten von RWE für das vorzeitige Abschalten der Kraftwerke seien mit 3,5 Milliarden Euro deutlich höher als die Entschädigung.

kko/dpa