Angebliche Mehrheitsmeinung Ryanair-Chef erklärt Gewerkschaften für unerwünscht

Die Billigfluglinie Ryanair akzeptiert Gewerkschaften nicht als Verhandlungspartner. Das spiegele den Wunsch der Belegschaft wider, behauptet nun Airline-Chef O'Leary. Dabei kämpfen Gewerkschafter auch bei Ryanair um Mitbestimmung.
Kein Freund von Gewerkschaftern: Ryanair-Chef Michael O'Leary

Kein Freund von Gewerkschaftern: Ryanair-Chef Michael O'Leary

Foto: THIERRY ROGE/ AFP

Der Vorstandschef der Billigfluggesellschaft Ryanair   hat seine Ablehnung von Gewerkschaften mit dem Mehrheitswillen der Belegschaft begründet. "Unsere Mitarbeiter wollen nicht, dass wir die Gewerkschaften anerkennen. Sie interessieren sich nicht für Gewerkschaften", sagte Michael O'Leary der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ"). "Wenn unsere Mitarbeiter wollten, dass wir mit Gewerkschaften Tarifverhandlungen führen, dann würden sie uns das wissen lassen."

Dass der Ire Arbeitnehmervertreter nicht mag, ist schon länger bekannt. So sagte O'Leary 2013 im "Handelsblatt", die Piloten-Gewerkschaften sollten "zur Hölle fahren". O'Learys Berufung auf die eigenen Mitarbeiter ist jedoch besonders fragwürdig. Denn auch Ryanair-Mitarbeiter kämpfen um mehr Mitbestimmung. Erst Mitte Juli gab die Airline die Standorte Kopenhagen und Billund auf, nachdem das dortige Personal für die Anerkennung dänischer Tarifverträge gestreikt hatte.

Ryanair übe eindeutig Druck auf seine Piloten aus, die von der Fluggesellschaft angestrebten standortbezogenen Tarifverträge zu akzeptieren, sagte James Phillips von der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit der "FAZ". Im Fall einer Weigerung würden Piloten auf ungünstigere Dienstpläne verlegt. Zudem gebe es vertragliche Vereinbarungen, die bei Streiks die Streichung von Boni oder schlechtere Arbeitszeiten vorsähen.

Im Jahr 2012 gründete sich die sogenannte Ryanair Pilot Group, die nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Piloten vertritt. Ryanair weigert sich jedoch, die Organisation anzuerkennen. "Die haben noch nie Belege dafür vorgelegt, dass sie tatsächlich irgendjemanden in der Belegschaft von Ryanair vertreten", so O'Leary.

Umstritten sind auch Vetragskonstruktionen, über die viele Ryanair-Piloten als selbstständige Unternehmer tätig sind. Die Staatsanwaltschaft Koblenzer ermittelt wegen des Verdachts auf Scheinselbständigkeit gegen einen Personaldienstleister, der mit Ryanair zusammenarbeitet. Es handele sich um "ein angesehendes Unternehmen", sagte O'Leary der "FAZ". "Die machen keine Betrügereien, keine der Personalagenturen tut das."

dab
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