Spekulation um Hintergründe Flugstreichungen lassen Ryanair-Aktie absacken

Ryanair will täglich bis zu 50 Flüge streichen - das gefällt den Anlegern gar nicht. Über die Hintergründe der Aktion wird heftig spekuliert. Ein Experte vermutet gar einen Zusammenhang mit Air Berlin.

Flugzeuge von Ryanair und Air Berlin in Hamburg
DPA

Flugzeuge von Ryanair und Air Berlin in Hamburg


Die Flugstreichungen bei Ryanair drücken den Aktienkurs des Billigfliegers. Am Montagmorgen sank er zeitweise um bis zu 4,8 Prozent. Gegen Mittag hatte sich das Minus aber wieder etwas verkleinert.

Am Freitag hatte die irische Fluglinie bekannt gegeben, bis zum Ende des Sommerflugplans (Ende Oktober) täglich zwischen 40 und 50 Flüge zu streichen. Das wären insgesamt etwa 2100 Flüge.

Über die Hintergründe wird noch spekuliert. Die Airline selbst hatte erklärt, ihre Pünktlichkeitsquote sei in den ersten beiden Septemberwochen auf unter 80 Prozent gesunken. Dies sei für die Kunden nicht akzeptabel. Man benötige einige Standby-Maschinen, um die Pünktlichkeit des Gesamtsystems wieder auf einen Schnitt von 90 Prozent zu heben.

Doch es kursieren auch andere Erklärungen: Die Zeitung "Irish Independent" berichtete etwa, Ryanair habe Probleme, Piloten einzustellen, und seit Jahresbeginn schon 140 Mitarbeiter an den Konkurrenten Norwegian Air verloren. Ryanair biete neuen Piloten mittlerweile eine Antrittsprämie von 10.000 Euro an, berichtete das Blatt ohne Angabe von Quellen. Von Ryanair war zunächst keine Stellungnahme dazu erhältlich.

Geht Air Berlin das Geld aus?

Der Luftfahrtexperte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne sieht dagegen einen Zusammenhang zur insolventen deutschen Fluggesellschaft Air Berlin. Ryanair bereite sich demnach auf den möglichen Fall vor, dass Air Berlin den Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss und die Flugzeuge am Boden bleiben. Experten sprechen in diesem Fall vom sogenannten Grounding.

"Im Fall eines vorzeitigen Groundings der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden", sagte Wissel der Nachrichtenagentur dpa. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, sagte Wissel.

Der Flugbetrieb von Air Berlin wird seit der Insolvenzanmeldung im August durch den vom Bund verbürgten Kredit der staatlichen KfW-Bank über 150 Millionen Euro gesichert. Das Geld soll eigentlich bis November reichen. Bis dahin, so der Plan, soll Air Berlin zerschlagen und verkauft sein.

Am vergangenen Freitag war die Bieterfrist dafür abgelaufen, mindestens sechs Interessenten haben sich gemeldet. Die größten Chancen werden dabei Lufthansa und dem Billigflieger Easyjet eingeräumt (Mehr über die Pläne der Bieter erfahren Sie hier). Ryanair hat nach eigenen Angaben kein Gebot eingereicht.

Eine Entscheidung soll laut Air Berlin am 25. September bekannt gegeben werden. Bis zu einem Vertragsabschluss könnten aber insbesondere wegen kartellrechtlicher Prüfungen noch Wochen oder sogar Monate vergehen. In dieser Zeit müsste Air Berlin ihren Flugbetrieb mit Hilfe des Kredits selbst aufrechterhalten.

stk/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
singvogel 18.09.2017
1. Ryanair geht mit seinen Fluggästen so um wie mit dem Personal
... und das ist in Ordnung so. Wer es in Ordnung findet, dass das Personal von Ryanair übelst behandelt wird muss auch in Kauf nehmen, dass er selber wie ein Blödmann/frau behandelt wird. Geiz ist geil, trifft aber (hoffentlich) irgendwann den Geizigen selber. Gut so.
sumse123 18.09.2017
2. ja voll blöd, ich so als Kundin
Zitat von singvogel... und das ist in Ordnung so. Wer es in Ordnung findet, dass das Personal von Ryanair übelst behandelt wird muss auch in Kauf nehmen, dass er selber wie ein Blödmann/frau behandelt wird. Geiz ist geil, trifft aber (hoffentlich) irgendwann den Geizigen selber. Gut so.
wenn mir nur diese ein Sch... Fluggesellschaft bleibt, die das Kaff von Berlin aus überhaupt anfliegt. Oder ich setz mich für 20h in einen Fernbus! Da wär ich ja noch blöder!!!
INGXXL 19.09.2017
3. Der Markt regelt halt alles
Wenn Ryanair sein Piloten zu schlecht bezahlt gehen die halt wo anders hin. ALSO wird Ryanair seine Piloten besser bezahlen müssen und alles ist gut
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.