Verdacht auf Steuerhinterziehung Ermittler durchsuchen Pilotenräume von Ryanair

Razzia bei Ryanair: Staatsanwaltschaft und Zoll haben Crewräume an sechs Standorten in Deutschland durchsucht. Es geht um den Verdacht der Steuerhinterziehung und des Sozialbetrugs.

Eine Ryanair-Maschine über Manchester (Archiv)
REUTERS

Eine Ryanair-Maschine über Manchester (Archiv)


Die Staatsanwaltschaft Koblenz und Beamte des Hauptzollamts haben Pilotenräume des Billigfliegers Ryanair an sechs Standorten in Deutschland durchsucht. Es gehe um mutmaßlichen Steuer- und Sozialversicherungsbetrug von Partnerfirmen der Airline, sagte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner. Er bestätigte damit einen Bericht von "Zeit Online".

Die Razzia mit mehreren Dutzend Beamten habe an den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Köln, Weeze in Nordrhein-Westfalen, Hahn im Hunsrück, Bremen und Baden-Baden stattgefunden.

Die Fahnder hätten Computer, Einsatzpläne und weitere Dokumente sichergestellt. Auch mindestens zwei Privatwohnungen von Piloten seien durchsucht worden. Zum Ort machte Gandner keine Angaben. Gegen Piloten werde wegen des Verdachts der Beihilfe zum Steuer- und Sozialversicherungsbetrug ermittelt. Im Raum steht mutmaßliche Scheinselbstständigkeit.

Zugrunde liegen Ermittlungen gegen zwei britische Personaldienstleister, die Piloten unter Vertrag genommen und an den irischen Billigflieger Ryanair ausgeliehen haben. Auf diese Weise können Airlines ihre Personalkosten drücken. In Deutschland stationierte selbstständige Ryanair-Piloten sollen Steuern und Abgaben aber nicht - wie nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft von einer EU-Verordnung vorgeschrieben - hierzulande am Einsatzort abgerechnet haben.

Die Ermittlungen laufen bereits seit Jahren

Die Ermittlungen laufen laut Gandner bereits seit mindestens sechs Jahren. Auch die beiden britischen Personaldienstleister seien schon im Wege der Rechtshilfe durchsucht worden. Auf die Frage, warum jetzt plötzlich weitere Razzien nötig geworden seien, sagte der Oberstaatsanwalt der dpa: "Es haben sich neue Gesichtspunkte ergeben." Details verriet er nicht, ergänzte aber: "Ich hoffe, dass wir dieses Jahr mit den Ermittlungen fertig werden."

Ryanair-Sprecher Robin Kiely teilte mit: "Ryanair hat sich mit den deutschen Steuerbehörden getroffen und zugestimmt, diese bezüglich ihrer Nachforschungen zu einigen Vertragspiloten ("Contractor Pilots") zu unterstützen. Die deutschen Steuerbehörden haben bestätigt, dass die Steuerfahndung nicht gegen Ryanair ermittelt." Die Fluggesellschaft verlange von ihren freien und fest angestellten Piloten, "dass sie sich stets entsprechend ihren steuerlichen Pflichten verhalten".

Jim Phillips von der Pilotengewerkschaft Cockpit sagte, es dürfe in einer Branche mit einer so hohen Verantwortung wie der Luftfahrt nicht Verträge geben, die der Umgehung von Arbeitnehmergesetzen dienten. Beschuldigten Piloten sei hier ein womöglich illegales Handeln wohl gar nicht bewusst gewesen.

asa/dpa/AFP

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insgesamt 4 Beiträge
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Andraax 06.07.2016
1. Problem
Das große Problem solcher Machenschaften ist, dass durch solche Unternehmen ehrlich arbeitende Unternehmen so unter Druck gesetzt werden, dass sie auch nicht mehr ehrlich arbeiten können. Ein menschenverachtender Kreislauf beginnt - überall zu beobachten.
Sixpack, Joe 06.07.2016
2. also Ryanair wird mal wieder dargestellt als Steuerhinterzieher...
obwohl laut Artikel nicht gegen Ryanair vermittelt wird. Sehr grenzwertig dargestellt von SPON!
53er 06.07.2016
3. Lächerlich...
"Die Fluggesellschaft verlange von ihren freien und fest angestellten Piloten, "dass sie sich stets entsprechend ihren steuerlichen Pflichten verhalten". " Die übliche Aussage, wenn eigentlich jeder weiß wie der Hase läuft, aber der Betreffende sich dumm stellt. Natürlich rechnet Ryanair damit, dass Steuern hinterzogen werden, wo wäre sonst der Vorteil für Piloten und Verleiher? So dämlich ist nicht einmal der irische Billigflieger. Und von den festangestellten Piloten braucht man eigentlich kein steuerliches Wohlverhalten erwarten, wenn man als Unternehmen die monatlichen Steuern selbst abführt. Die Billigpreise müssen ja irgendwo herkommen, mit einem Blatt Salat während dem Flug und Toilettenbenutzungsgebühren, sowie einem Platzangebot in Hasenstallformat allein ist das nicht zu machen. Den Rest zahlt dann der Steuerzahler in Form von Lohn- und Steuersubventionen.
OskarVernon 06.07.2016
4.
Zitat von 53er"Die Fluggesellschaft verlange von ihren freien und fest angestellten Piloten, "dass sie sich stets entsprechend ihren steuerlichen Pflichten verhalten". " Die übliche Aussage, wenn eigentlich jeder weiß wie der Hase läuft, aber der Betreffende sich dumm stellt. Natürlich rechnet Ryanair damit, dass Steuern hinterzogen werden, wo wäre sonst der Vorteil für Piloten und Verleiher? So dämlich ist nicht einmal der irische Billigflieger. Und von den festangestellten Piloten braucht man eigentlich kein steuerliches Wohlverhalten erwarten, wenn man als Unternehmen die monatlichen Steuern selbst abführt. Die Billigpreise müssen ja irgendwo herkommen, mit einem Blatt Salat während dem Flug und Toilettenbenutzungsgebühren, sowie einem Platzangebot in Hasenstallformat allein ist das nicht zu machen. Den Rest zahlt dann der Steuerzahler in Form von Lohn- und Steuersubventionen.
Vermutlich der gleiche wie überall, wo statt Arbeitnehmern Selbständige zugange sind: Die bekommen mehr für ihre Arbeit, und der Auftrag- statt Arbeitgeber bezahlt weniger dafür - selbst wenn dazwischen noch ein Vermittler seine Provision einstreicht und alle Steuern und Beiträge korrekt bezahlt werden. Gerade kommt hier der Gärtner auf den Hof gefahren, auch so ein Einmannbetrieb - ganz korrekt mit Gewerbeschein, Steuernummer und ausgewiesener Märchensteuer. Der verdient weitaus mehr als der angestellte Gärtner eines "Fachbetriebs", stellt aber erheblich weniger in Rechnung als ein solcher: win-win-Situation für alle Beteiligten :-)
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