Ryanair in Frankfurt Mit zwei Maschinen gegen die Lufthansa

Ryanair steuert künftig den Frankfurter Flughafen an - mit nur zwei Maschinen wohlgemerkt. Der Platzhirsch Lufthansa ist erzürnt. Die größte Not hat aber ein Dritter.

Lufthansa und Ryanair am Frankfurter Flughafen
DPA

Lufthansa und Ryanair am Frankfurter Flughafen


Zwei Maschinen sind für eine Luftverkehrsgesellschaft wie Ryanair mit 350 Jets nicht besonders viel. Dennoch löste die Entscheidung der irischen Fluglinie, in Frankfurt zwei Boeing-Modelle vom Typ 737 zu stationieren, heftige Reaktionen aus. Firmenchef Michael O'Leary plane einen "Angriff auf die Lufthansa", heißt es.

Nun ja, es ist wohl ein Angriffchen. Sonst hätte der gebürtige Ire und Branchenschreck wohl nicht nur zwei Jets abgestellt und statt Rentnerzielen wie Mallorca oder Alicante gleich europäische Metropolen oder innerdeutsche Ziele ins Visier genommen.

Trotzdem ist die Entscheidung bemerkenswert - und markiert eine Zäsur in der europäischen Luftfahrtgeschichte. In der Branche galt über Dekaden eine Art ehernes Gesetz, wonach der jeweilige Nationalcarrier und das Management seines Heimatflughafens eng zusammenhalten. Notfalls wurde unerwünschten Eindringlingen eben die nötigen Start-und Landezeiten verweigert.

Fraport-Chef Stefan Schulte hat den Pakt mit der Lufthansa an ihrem Hauptsitz in Frankfurt nun aufgekündigt und eröffnet damit auch weiteren Billigkonkurrenten am Rhein-Main-Airport zu landen - aus blanker Not. Er wächst mit seinem eigenen Unternehmen längst nicht so schnell wie erhofft, und das liegt auch an der Lufthansa, die weniger neue Strecken eröffnet als erwartet. Schultes zwei Großaktionäre, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, erwarten jedoch eine stabile Dividende. Deshalb will er die Billigheimer nun mit Rabatten und Prämien für neue Destinationen locken. Das ist gewagt.

Lufthansa-Chef Spohr pocht als Noch-Platzhirsch schon auf Gleichbehandlung. Schließlich hat die Lufthansa dem Flughafen mit ihren Gebühren erst zur heutigen Größe verholfen. Auch politisch könnte Schultes Kurs gefährlich werden. Der Ausbau des Flughafens wurde einst mit dem angeblich zu erwartenden stürmischen Wachstum des Flugverkehrs begründet und durchgesetzt. Das droht nun auszubleiben. Deshalb kommt Schulte den Preisbrechern weit entgegen, womöglich ein bisschen zu weit.



insgesamt 16 Beiträge
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bullermännchen 03.11.2016
1. Wachstum
Wachstum Wachstum über alles über alles in der Welt. Könnte man doch glatt die erst Strophe unserer Nationahymne abwandeln. Was Fraport hier macht ist der Zwang unserer kapitalistischen Gesellschaft. Wenn Du nicht mehr wächst dann stirbst Du. Da zieht man schon mal die letzten kurzen Strohhälme bevor das große FRA beginnt zu wackeln. Noch mehr Flugverkehr, noch mehr aus Eimern konsumierende Wochenendbesucher auf der einzigen deutschen Mittelmeerinsel. Sorry für das Pauschalurteil aber die Klientel tut eben auch alles dafür. Und in der Woche drauf die Arbeit niederlegen und die Fahnen für mehr Lohn schwingen... Dank Ryanair wirkt das Regulativ des Flugpreises nur noch bei den ganz Armen und die Gier nach steigenden Fluggastzahlen läßt vergessen, der Discountreisende läßt in den seltensten Fällen Geld am Airport liegen. Eine loose loose Situation! Vor allem aber für die Umwelt und die Region.
espet3 03.11.2016
2.
Es gibt Fluglinien, die nicht so oft streiken. Evtl. gefällt das den Passagieren.
epicentre 03.11.2016
3. Keine wirkliche Zäsur
Bereits 2000-2004 flog der britische Billigflieger Buzz von Frankfurt (dem "echten" Frankfurt) zu verschiedenen Zielen. Bis disher dann von Ryanair übernommen wurde, nur um dann dicht gemacht zu werden. Auch Vueling, die von Frankfurt nach Barcelona fliegen, sind als Billigflieger einzustufen. Ebenso tue ich mich schwer, AirBerlin als "full service" Airline zu sehen. Wer tatsächlich angegriffen wird, ist wohl AB und einige der Touri-Flieger. Sobald AB dann weg ist, sehe ich lediglich den wettbewerblichen status quo wiederhergestellt.
ptb29 03.11.2016
4. Und wieder Wachstum über alles
Woher sollen denn die ganzen Passagiere kommen? Die Einen wachsen über Stellenstreichungen, so dass die potentielle Zahl der Fliegenden auch reduziert wird. Und wenn es der Lufthansa nicht passt, kann sie woanders hingehen. Das ist Kapitalismus, da zählt nur die Rendite der Aktionäre und nicht Loyalität.
jmat17 03.11.2016
5. Entgegenkommen.
"Deshalb kommt Schulte den Preisbrechern weit entgegen, womöglich ein bisschen zu weit." Was bedeutet dieser kryptische Satz?
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