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Konsum Safthersteller Voelkel: Teure Geschäfte mit Verschwörungskoch Hildmann

aus DER SPIEGEL 38/2021
Attila Hildmann macht Werbung für seinen Energydrink (Archivbild)

Attila Hildmann macht Werbung für seinen Energydrink (Archivbild)

Foto: Jens Kalaene / dpa / picture alliance

Der Safthersteller Voelkel hat durch seine Geschäfte mit dem Vegankoch und Verschwörungsideologen Attila Hildmann viel Geld eingebüßt. Nach SPIEGEL-Informationen erlitt das Unternehmen offenbar einen Schaden von mehr als 700.000 Euro durch die unglückliche Liaison.

Aus: DER SPIEGEL 38/2021

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Der Öko-Safter hatte seit 2017 mit Hildmann zusammengearbeitet. Unter dessen Marke »Daisho« entwickelte, produzierte und vertrieb Voelkel Energydrinks. Dabei war Hildmann schon damals mit fragwürdigen, teilweise klar ausländerfeindlichen Äußerungen öffentlich aufgefallen. Auf mittlerweile gelöschten Instagram-Posts zu »Daisho« hält Hildmann eine Pistole, blickt martialisch drein. »Daisho« werde den Getränkemarkt »mit Gewalt erobern«, heißt es dort. Man habe mit dem Produkt eine deutlich jüngere Zielgruppe erreichen wollen, die mit der klassischen Marke Voelkel nichts anfangen könne, teilt das Unternehmen mit.

Das sei zwar gelungen, Hildmann habe aber »trotz des Erfolges der Daisho-Artikel oft unter finanziellem Druck« gestanden, so der Safthersteller auf Anfrage. Grund dafür sei unter anderem ein Kalkulationsfehler Hildmanns gewesen. Deshalb habe man ihm Ende 2018 einen Kredit über 210.000 Euro gewährt. Als Hildmann sich im Frühjahr 2020 antisemitisch äußerte, von einer Weltverschwörung sprach und mit dem unbeglichenen Darlehen untertauchte, reagierte Voelkel: Das Unternehmen stellte im Mai 2020 die Abfüllung und wenig später den Vertrieb der Marke ein und distanzierte sich von Hildmann.

Mehr als zwei Millionen unverkaufte Dosen musste die Firma einstampfen. Die Geschäftsführung habe noch versucht, »mäßigend auf Hildmann einzuwirken«, allerdings erfolglos. Hildmann ist laut Staatsanwaltschaft Berlin in der Türkei untergetaucht. In Deutschland wird er per Haftbefehl gesucht.

Auf SPIEGEL-Anfrage gibt Voelkel an, interne Konsequenzen aus dem Fall gezogen zu haben: Die Firma will in Zukunft nur noch mit erfahrenen Start-ups zusammenarbeiten und sich stärker auf die eigene Marke konzentrieren. Seit 1936 produziert das in vierter Generation geführte Familienunternehmen in Niedersachsen Säfte und Erfrischungsgetränke, die heutigen Bio- und Demeter-Standards entsprechen. Statt des Hildmann-Getränks will Voelkel nun einen eigenen Bio-Energydrink produzieren.

asr, tse
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