Sal.-Oppenheim-Prozess Graf von Krockow gibt sich geknickt

Im Untreueprozess um Sal. Oppenheim hat der Bankier Matthias Graf von Krockow Fehler eingeräumt. Am Untergang der einst größten europäischen Privatbank trage er emotional und finanziell schwer - er habe zu sehr auf Thomas Middelhoff vertraut.

Bankier Matthias Graf von Krockow: "An dieser Verantwortung trage ich schwer"
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Bankier Matthias Graf von Krockow: "An dieser Verantwortung trage ich schwer"


Köln - Es habe beim Niedergang von Sal. Oppenheim "falsche unternehmerische Entscheidungen" gegeben, die er bereue: Mit diesen Worten hat Matthias Graf von Krockow vor dem Kölner Landgericht Fehler eingeräumt. Der ehemalige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim ist im Prozess um die Pleite der einst größten europäischen Privatbank mitangeklagt.

"Ich bekenne mich zu meinem Teil der Verantwortung. An dieser Verantwortung trage ich schwer, emotional und finanziell", sagte Krockow. Wenn ihm vor Gericht vorgeworfen werde, persönliche Interessen und Interessen der Bank vermischt zu haben, treffe das in einem Fall im Zusammenhang mit einem Kredit an den späteren Pleitekonzern Arcandor wohl zu.

"Es ist nicht leicht, derjenige zu sein, mit dessen Namen der Niedergang des Bankhauses untrennbar verbunden ist", sagte Krockow. Bei der Privatbank habe man nach dem Leitsatz gehandelt: "Was der Bank nützte, nützte der Familie." Diese Verwobenheit habe die Gefahr mit sich gebracht, bei geschäftlichen Entscheidungen auch persönliche Interessen zu berücksichtigen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor unter anderem für Krockow eine Gefängnisstrafe gefordert. Die Ankläger wollen einem Verständigungsvorschlag des Gerichts nicht zustimmen, mit dem die Kammer die Weichen für ein Ende des seit knapp zwei Jahren andauernden Verfahrens stellen wollte.

Krockow sagte, er selbst habe erhebliche Teile seines Vermögens verloren. Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er vieles anders machen. Als Sprecher der Gesellschafter habe er vor allem die Kommunikation der Bank nach innen und außen verantwortet. "Bei operativen Aufgaben" hätten die anderen Gesellschafter eigenständig gehandelt. Entscheidungen seien dann im Ergebnis von allen Gesellschaftern getragen worden.

"Ich vertraute Herrn Dr. Middelhoff"

Krockow sprach auch über die fortgesetzten Rettungsversuche der Bank für die angeschlagene Arcandor AG im Herbst 2008. Der Vorwurf, dass er seine damaligen Entscheidungen auf einer unzureichenden Informationsgrundlage getroffen habe, sei leider richtig. "Dies war nicht in Ordnung - und ist auch aus meiner Sicht nicht mit dem Zeitdruck zu erklären", sagte er.

Heute wünschte er sich, dass er die Kreditabteilung stärker eingebunden hätte. "Ich vertraute Herrn Dr. Middelhoff und verließ mich auf seine besonderen Fähigkeiten", sagte Krockow mit Blick auf den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff.

Die Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hatte Sal. Oppenheim 2009 als Großaktionär des Unternehmens vollends in die Krise gerissen. Bereits zuvor hatten risikoreiche Aktiengeschäfte, merkwürdige Kreditvergaben und erfolglose Immobiliengeschäfte die Privatbank Richtung Pleite geführt. Sie musste schließlich 2010 an die Deutsche Bank notverkauft werden.

Vor Gericht müssen sich vier persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank verantworten: Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt sind der Untreue angeklagt. Ihrem Geschäftspartner, dem Bauunternehmer Josef Esch, werfen die Ankläger Anstiftung und Beihilfe zur Untreue vor. Es geht um einen Schaden von knapp 150 Millionen Euro.

mmq/dpa/Reuters



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hevopi 13.02.2015
1. Ich stelle mir nur eine Frage,
ist der wirklich so naiv, wie er sich darstellt oder macht er nur eine show, um dem Prozess zu entgehen.
wibo2 13.02.2015
2. Krockow ist angeklagt, es geht um die Bewertung seiner Schuld
Zitat von hevopiist der wirklich so naiv, wie er sich darstellt oder macht er nur eine show, um dem Prozess zu entgehen.
Der Graf Krockow ist überhaupt nicht naiv. Sein Geschäftsmodell macht richtig Sinn: "Unsere Zielgruppe sind die 10.000 reichsten Deutschen, die über 50 Prozent des gesamten Vermögens der deutschen Bevölkerung verfügen, so von Krockows Zielsetzung." Wieso wich er dann überhaupt von seinem selbst definierten Geschäftsmodell beim Karstadt Quelle Unternehmen ab? Wie er in dieses verhängnisvolle Karstadt Quelle Abenteuer rutschen konnte, ist jetzt die spannende Frage. Seine Aussage, dass er dem Middelhoff voll vertraute, dürfte wohl wahr sein. Middelhoff konnte blenden wie kein zweiter, Middelhoff ist der alleinige Sündenbock. Das Szenario einer Großpleite des Karstadt Quelle Konzerns wurde von den Akteueren überhaupt nicht gesehen. Der schwarze Schwan wurde übersehen. Das kann durchaus mal geschehen, da Unternehmer unversicherte Risiken im Geschäftsleben einfach eingehen müssen in einem Markt System der schöpferischen Zerstörung, wie Schumpeter lehrte.
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