Fabriken in Südkorea Samsung will an Krebs erkrankte Mitarbeiter entschädigen

Dutzende Menschen sollen betroffen sein: Asiens größter Speicherchip-Hersteller hat an Krebs erkrankten Mitarbeitern in Südkorea Schadensersatz zugesagt. Sie sollen in Kontakt mit leukämieerregenden Substanzen gekommen sein.

Samsung-Zentrale in Seoul: "Eine adäquate Summe"
DPA

Samsung-Zentrale in Seoul: "Eine adäquate Summe"


Seoul - Die Zahl der Leukämie-Fälle bei Arbeitern in Südkoreas Halbleiterfabriken ist erschreckend. Jetzt hat sich der IT-Konzern Samsung bei Angestellten entschuldigt, die an Krebs erkrankt sind. Das Unternehmen unterstrich allerdings, keine Verantwortung für die Leiden zu tragen.

Zugleich räumte der Konzern ein, "dem Schmerz und den Schwierigkeiten der Opfer" nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Samsung werde den Betroffenen und ihren Familien Entschädigungen zahlen, kündigte Vize-Vorstand Kwon Oh Hyun an. Es werde "eine adäquate Summe" zur Verfügung gestellt. "Einige unserer Beschäftigten erkrankten an Leukämie und anderen unheilbaren Krankheiten, die in einigen Fällen auch zum Tod führten", sagte er.

Die Reaktion des Unternehmens folgt auf eine Forderung des südkoreanischen Oppositionellen Sim Sang Jeung. Der Politiker hatte den Konzern sowie die Regierung in Seoul dazu gedrängt, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, seien Angaben des Politikers zufolge insgesamt 243 Arbeiter in südkoreanischen Halbleiterfabriken betroffen, 114 von ihnen sollen Samsung-Mitarbeiter sein.

Film "Another Promise" sorgt für Öffentlichkeit

Einige der Familien haben ausgesagt, dass Dutzende der früheren Arbeiter in den südkoreanischen Chip-Fabriken in Kontakt mit Chemikalien gekommen seien, die Leukämie und andere Formen von Blutkrebs erzeugen, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Betroffenen stellen auch Ansprüche auf Schadensersatz bei einem Versicherungsfonds der Regierung.

Asiens größter Speicherchip-Hersteller Samsung Chart zeigen teilte mit, dass er eine Schlichtungsstelle einrichten und sich nach deren Beschlüssen richten wolle. Im Jahr 2011 hatte das Unternehmen laut Bloomberg angegeben, eine vom Konzern in Auftrag gegebene Ermittlung des US-Beratungsunternehmens Environ International Corp. habe keinen Zusammenhang zwischen der Chip-Fabrik und den Leukämie-Fällen ergeben. Die Studie war zu dem Schluss gekommen, dass Samsungs Fabriken sicher seien, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ"): Doch dieser Feststellung stellte sich dann der per Crowd Sourcing finanzierte Film "Another Promise" entgegen.

In dem Film kommt ein Gericht zu dem Schluss, dass toxische Substanzen in Chip-Fabriken die Erkrankung zweier Arbeiter "verursacht oder zumindest befördert" hätten. Der Film nennt zwar aus rechtlichen Gründen nicht den Firmennamen; sein Titel "Another Promise" (ein anderes Versprechen) erinnert aber an den Samsung-Werbespruch "Another Family" (eine andere Familie) - und rückte so die Leiden der krebskranken Fabrikarbeiter ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

bos/AP/AFP



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