Sanierung Opel streicht in Deutschland bis zu 4000 Stellen

General Motors macht Ernst: Das Opel-Werk in Antwerpen wird geschlossen. Die deutschen Standorte scheinen damit zwar gerettet zu sein. Doch auch hierzulande kommt es zu einem drastischen Stellenabbau. Bis zu 4000 Arbeitsplätze sollen wegfallen.
Neuer Opel-Chef Reilly: Harter Sanierer

Neuer Opel-Chef Reilly: Harter Sanierer

Foto: A3796 Uwe Anspach/ dpa

Brüssel/Rüsselsheim - Erleichterung in Deutschland: Die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern sind offenbar gerettet. Allerdings wird das Opel-Werk im belgischen Antwerpen mit mehr als 2600 Beschäftigten noch in diesem Jahr geschlossen, wie der vom US-Mutterkonzern General Motors (GM) mit der Sanierung beauftragte neue Opel-Chef Nick Reilly am Donnerstag sagte.

Weitere Werksschließungen seien nicht zu erwarten. Allerdings würden alle Standorte die Sanierung zu spüren bekommen, allein in Deutschland sollen 4000 der etwa 25.000 Stellen wegfallen. Weitere Details sollen "in Kürze" bekanntgegeben werden.

Die Produktion in Antwerpen, wo Opel den Astra baut, soll voraussichtlich zur Jahresmitte eingestellt werden. 2009 wurden dort fast 90.000 Autos produziert. In dem 1924 gegründeten Werk wurden bislang mehr als 13 Millionen Autos produziert, darunter neben dem Astra die Opel-Modelle Manta, Ascona, Kadett und Vectra. Die Produktion des Astra soll künftig in Bochum erfolgen.

Kapazitäten werden um 20 Prozent reduziert

Die weltweite Wirtschaftskrise habe zu einem erheblichen Abschwung in der Autoindustrie geführt, begründete Reilly die Entscheidung. Der westeuropäische Fahrzeugmarkt werde 2010 wahrscheinlich 1,5 Millionen Autos weniger umfassen als 2009 und rund vier Millionen Fahrzeuge weniger als auf seinem Höhepunkt im Jahr 2007. Mit einer Erholung sei zunächst nicht zu rechnen.

Um die Existenz des Unternehmens zu sichern, müsse Opel daher die Kapazitäten um rund 20 Prozent reduzieren. Zu den Kosten der geplanten Werksschließung äußerte sich Reilly nicht.

Doch auch andere Standorte von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall sollen die Sanierung zu spüren bekommen. "Es ist zu erwarten, dass der vollständige Restrukturierungsplan bei seiner Umsetzung alle Opel- und Vauxhall- Werke und Einrichtungen beeinflusst", heißt es weiter in einer Mitteilung. "Das können unterschiedliche Maßnahmen wie Kapazitätsreduktionen, Arbeitsplatzabbau oder Arbeitskostenreduzierungen sein".

Arbeitnehmer kündigen Widerstand gegen Pläne an

Insgesamt sieht Opel für die Restrukturierung sowie notwendige Zukunftsinvestitionen früheren Angaben zufolge einen Finanzbedarf von 3,3 Milliarden Euro. Einen Teil davon will GM selbst aufbringen, der Rest soll von den europäischen Ländern mit Opel/Vauxhall-Standorten kommen. Insgesamt sollen von den europaweit 48.000 Arbeitsplätzen 8300 wegfallen.

Die Arbeitnehmervertreter um den Konzernbetriebsratschef Klaus Franz hatten mehrfach klargemacht, Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht hinzunehmen. Entsprechend empört reagierten sie nun. Der wahre Grund für die Entscheidung seien nicht Überkapazitäten, sondern die geplante Verlagerung der Produktion, heißt es in einer Stellungnahme des Europäischen Opel-Arbeitnehmerforums (EEF). So solle ein geplanter kleiner Geländewagen nicht wie geplant in Antwerpen produziert, sondern aus Südkorea geliefert werden.

Die Schließung von Antwerpen könnte somit neue Probleme mit sich bringen. Reilly fordert von den Opelanern einen Sanierungsbeitrag von 265 Millionen Euro pro Jahr. Im Gegenzug verlangen die Beschäftigten neben dem Verzicht auf Entlassungen und Werksschließungen, an der neuen Gesellschaft beteiligt zu werden, sowie eine stärkere Mitbestimmung. Dementsprechend bekräftigten die Arbeitnehmer, im Falle der Schließung von Antwerpen keinen Beitrag zur Sanierung leisten zu wollen.

böl/ddp/Dow Jones
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