Sanierungskurs Siemens-Chef Kaeser will 11.600 Stellen abbauen

Siemens-Chef Joe Kaeser macht Ernst mit seinem großangelegten Konzernumbau. Jetzt wird bekannt: Dem Sparplan sollen rund 11.600 Stellen zum Opfer fallen.
Siemens-Chef Kaeser: Stellenabbau "mit Besonnenheit und Respekt"

Siemens-Chef Kaeser: Stellenabbau "mit Besonnenheit und Respekt"

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Bangalore - Siemens plant einem Medienbericht zufolge den Abbau von 11.600 Stellen. Dies habe Konzernchef Joe Kaeser in einer Webcast-Konferenz am Mittwoch gesagt, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag.

Kaeser hatte erst kürzlich einen großangelegten Konzernumbau angekündigt, sich dabei allerdings bei Fragen zum Stellenabbau bedeckt gehalten. "Mit Besonnenheit und Respekt" werde man dieses Thema angehen, versprach er. Bei Siemens gelte: "You never walk alone." Die Kosten sollen um rund eine Milliarde Euro gesenkt werden. Die Pläne hatten prompt Sorgen geweckt, dass sich die 360.000 Mitarbeiter nach zahlreichen Spar- und Sanierungsprogrammen der vergangenen Jahre erneut auf Einschnitte gefasst machen müssen.

Die IG Metall sprach von mehreren Tausend Stellen. Man sei grundsätzlich zu Gesprächen über die Pläne bereit, "wenn das Unternehmen dadurch in einem Zug überflüssige Komplexität reduziert und künftig wieder ein geschlosseneres Bild nach außen bietet", sagte Bayerns IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler. "Die Neuorganisation darf auf keinen Fall als Deckmantel für ein Programm zur Kostensenkung oder zum Stellenabbau missbraucht werden."

Mit seiner Strategie namens "Vision 2020" will Kaeser den Konzern flexibler und schlanker aufstellen und dadurch zusätzliches Wachstum ermöglichen. Teile, die nicht mehr zu dem Kerngeschäft gehören, das der Vorstandschef für Siemens   definiert, sollen verkauft werden. Mit dem Börsengang der Hörgeräte-Sparte und dem Verkauf der Mehrheit an dem Stahlanlagenbauer VAI werden demnächst insgesamt 12.000 Mitarbeiter nicht mehr zur Siemens-Familie gehören. Weitere 3600 Menschen verlassen den Konzern, wenn Siemens die seit Langem verhandelte Veräußerung der Gepäck- und Postlogistik in den nächsten Wochen endlich abschließt.

Mittelfristig ist auch noch die Herauslösung der gesamten Medizintechnik mit 13,6 Milliarden Euro Umsatz und 51.000 Mitarbeitern geplant. Ein Listing der hochprofitablen Sparte an der Börse könnte sinnvoll sein, wenn der Paradigmenwechsel in diesem Geschäft eine Großakquisition erforderlich macht. Einen solchen Zukauf - etwa in der Molekularbiologie - will Kaeser aber nicht mehr aus der Siemens-Kasse finanzieren. In diesem Fall könnte die Medizintechnik das nötige Geld aber an der Börse aufnehmen.

mik/Reuters
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