Sanktionen gegen Russland Stahlunternehmen von Oligarch Mordaschow gerät offenbar in Zahlungsschwierigkeiten

Zahlungswege nach Russland sind durch Sanktionen teils gesperrt. Nun hat mit Severstal einer der wichtigsten Stahlkonzerne des Landes Probleme, Gläubiger zu bezahlen – und ist auf deren Gunst angewiesen.
Produktion bei Severstal im russischen Tscherepowez: Trennt sich Mordaschow von Anteilen?

Produktion bei Severstal im russischen Tscherepowez: Trennt sich Mordaschow von Anteilen?

Foto: Polina Ivanova / REUTERS

Das russische Stahlunternehmen Severstal hat den Wettlauf gegen die Zeit offenbar verloren: Am Mittwoch lief für den eigentlich liquiden Konzern von Oligarch Alexej Mordaschow eine Frist zur Zahlung von Zinsen auf Fremdwährungsschulden aus – nachdem die Citigroup die Transaktion verweigert hat.

Es bestehe nun die Gefahr, dass die Gläubiger einen Zahlungsausfall ausriefen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg .

Severstal, dessen Hauptaktionär Mordaschow als reicher Russe mit engen Verbindungen zu Wladimir Putin unter die Sanktionen der Europäischen Union fällt, hat es offenbar verpasst, die fälligen 12,6 Millionen Dollar an seine Gläubiger zu bezahlen. Zwei Anleihegläubiger bestätigten laut Bloomberg, dass sie bis Donnerstag nicht bezahlt worden seien.

Zwar steht das Unternehmen selbst nicht auf einer Sanktionsliste. Mehrheitsaktionär Mordaschow wird aber von der EU und Großbritannien auf dieser Liste geführt, und grundsätzlich erstrecken sich die Sanktionen gegen Einzelpersonen auf alle Unternehmen, die sie besitzen oder kontrollieren.

Umweg über die USA?

Eine dem Stahlunternehmen nahestehende Quelle hatte gesagt, Severstal habe vergangene Woche versucht, das Geld zu überweisen.

Da Mordaschow in den USA nicht auf einer Sanktionsliste steht, versucht Severstal offenbar, eine Genehmigung für die Transaktion von den US-Behörden zu erhalten.

Sollte es jedoch tatsächlich zum ersten Zahlungsausfall seit Kriegsbeginn kommen, drohen Severstal ernsthafte wirtschaftliche Folgen. »Aber die Leute werden wissen, dass dies auf die Art und Weise zurückzuführen ist, wie die Sanktionen formuliert wurden, und nicht auf die Schuld des Unternehmens«, prognostizierte Himanshu Porwal, Kreditanalyst bei Seaport Global.

Denkbar sei zudem, dass Severstal doch noch einen Weg findet, die Zahlung in den kommenden Tagen zu leisten – etwa indem Mordaschow seinen großen Anteil an dem Unternehmen reduziert oder aufgibt.

Zahlungen von Gazprom und Polyus Gold stehen an

Beim weltweit größten Touristikkonzern TUI war Mordaschow als größter Anteilseigner bereits einen ähnlichen Weg gegangen, wenngleich vermutlich eher, um seine Aktien in Sicherheit zu bringen.

Als die EU Ende Februar wegen des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine Strafmaßnahmen gegen zahlreiche Oligarchen erließ, denen eine Unterstützung Putins vorgeworfen wird, trennte sich Mordaschow von den Anteilen an dem deutschen Konzern.

Zumindest auf dem Papier: Als Mitteilungspflichtige wird inzwischen seine Frau Marina Mordaschowa angegeben – und als Aktionär das Mordaschow-Unternehmen Unifirm.

Weiteren Konzernen drohen Schwierigkeiten

Klar ist: Severstal, das mit seinen Zehntausenden Mitarbeitern und Milliardenumsätzen als eines der größten Stahlunternehmen Russlands gilt, dürfte nicht der einzige Konzern bleiben, der wegen der Sanktionen in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnte.

Schätzungen der Analysten von ITI Capital zufolge müssen russische Unternehmen bis zum Jahresende internationale Anleihen im Wert von 18,5 Milliarden Dollar zurückzahlen, während Moskau weitere 3,4 Milliarden Dollar für seine Staatsanleihen in Fremdwährung zahlen muss.

Die Anleger könnten nicht gezahlte Beträge gerichtlich einfordern. Bereits in den nächsten Tagen stehen Zahlungen von Gazprom, der russischen Eisenbahn und von Polyus Gold an.

apr/Reuters
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