Hauptversammlung Die inszenierte Leichtigkeit der SAP

Machtkämpfe, ausscheidende Vorstände, neue Strategie: SAP macht bewegte Zeiten durch. Die Hauptversammlung des deutschen Software-Riesen gerät aber zu einer großen Show der vorgeschobenen Lässigkeit.

Bill McDermott, seit Mittwoch alleiniger Chef bei SAP: "Wir werden siegen"
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Bill McDermott, seit Mittwoch alleiniger Chef bei SAP: "Wir werden siegen"

Aus Mannheim berichtet manager-magazin-Redakteurin Astrid Maier


Der Startschuss fällt mit einem Siegerlächeln. "Guten Morgen, meine Damen und Herren, willkommen in der SAP-Arena", sagt Bill McDermott - von heute an alleiniger Chef des Software-Konzerns - in lässigem Singsang. Damit ist die große SAP-Show für die rund 3500 anwesenden Aktionäre offiziell eröffnet.

Der neue erste Mann aus den USA beim deutschen Traditionskonzern wechselt dann schnell über ins Englische, seine Sprachkenntnisse seien "leider nicht viel besser geworden" seit dem letzten Mal, erklärt McDermott, und lacht. SAP habe den bisherigen Co-CEO auch so im vergangenen Jahr "ganz schön auf Trab gehalten".

Was für eine Untertreibung. Es ist die 27. Hauptversammlung, zu der SAP seine Aktionäre nach Mannheim eingeladen hat, und noch nie haben die Anteilseigner in so kurzer Zeit so viele Veränderungen bei ihrem Konzern mitmachen müssen wie in den vergangenen zwölf Monaten: Sie sollen heute den bisherigen Mit-CEO Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat wählen, der Vorstand sitzt nach weiteren drei unvermittelten Abgängen aufgrund interner Machtquerelen runderneuert auf der Bühne vor ihnen.

Und SAP, die Firma, die wie keine andere weltweit für solide, aber etwas komplizierte Business-Software steht, soll sich nun auch noch schnellst möglich in ein wendiges Cloud-Schiff verwandeln. Die Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft, die ebenfalls ansteht, klingt da schon fast als Petitesse nach.

"Wir werden siegen"

Entsprechend bemüht ist die SAP-Führung, nach allen Seiten hin an diesem Tag den Willen zum Erfolg zu demonstrieren. "Wir werden siegen", ruft McDermott bevor er auf die Bühne eilt, den Journalisten zu. Ein alleiniger Chef sei jetzt viel besser für SAP, so könne man in diesen bewegten Zeiten Entscheidungen viel schneller durchführen.

Es ist nur eine vordergründige Leichtigkeit, mit der die SAP-Führung ihre Aktionäre hier bei Laune hält. Denn die internen Turbulenzen beim Weltmarktführer für Firmensoftware treffen SAP zu einem delikaten Zeitpunkt. Längst ist nicht ausgemacht, dass die Deutschen im Wettlauf um die Cloud-Führerschaft der amerikanischen Konkurrenz wirklich davon eilen können. Und das Cloud-Geschäft, auf das SAP seine Zukunft setzt, drückt auf die Profitabilität.

Der Kurs hat in diesem Jahr schon zwölf Prozent eingebüßt. Viele Mitarbeiter sind zudem verunsichert, seit SAP angekündigt hat, dass vom Konzernumbau 2000 Stellen betroffen seien. Vor allem aber fehlt dem Konzern seit dem abrupten Weggang von Entwicklungschef Vishal Sikka vor ein paar Wochen nun ein technologischer Vordenker. Das sorgt auch manchen Aktionär: "Was ist los bei SAP, warum klappt das mit dem Spitzenpersonal nicht, warum gehen so viele Kronprinzen auf dem Weg verloren?", fragt etwa Jella Benner-Heimacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW.

Der Konzern wischt den Weggang des ehemaligen Chef-Visionärs schon seit Wochen gerne beiseite als einen bedauerlichen, aber insgesamt gut zu verkraftenden Zwischenfall. "Persönliche Gründe" und "Stress" hätten Sikka zum Ausscheiden gedrängt, erklärt Aufsichtsrats-Chef Hasso Plattner nun auch seinen Aktionären.

Die Wahrheit, sie sieht komplizierter aus. Denn der ehrgeizige Inder wollte nach dem Aufrücken des Technologen Bernd Leukert in den Vorstand gerne Co-Chef werden. McDermott sah die Angelegenheit anders - und setzte sich am Ende damit durch.

Noch lassen sich die meisten Aktionäre hier von derlei inszenierter Lässigkeit auf der Bühne gerne mitreißen. SAP hat schließlich gut verdient, die Dividende ist üppig, das Essen am Buffet schmeckt, wie mancher Redner kundtut. Selbst die direkte Wahl von Snabe in den Aufsichtsrat - obwohl für Vorstände in Deutschland vor diesem Schritt eine zweijährige Pause empfohlen wird - ist nur eine Art Attrappe.

Die dafür erforderlichen 25 Prozent bringen schon die SAP-Gründer um Plattner mit ihren Anteilen mit. Damit das Publik auch im nächsten Jahr so locker mitmacht, muss McDermott nun sein Erfolgsversprechen einlösen.

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insgesamt 15 Beiträge
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motzbrocken 21.05.2014
1. Au Backe
Ein Ami als alleinig sagender Guru! Logisch werden Stellen abgebaut, der Service eingedampft, das Produkt entschlackt und Auslagerung von Produktionsteilen nach Indien oder so. Dafür wirds für diesen Ami einen fetten Bonus geben und die Aktionäre eine schöne Dividende. Amerikanisches System halt. Aber macht ja nix, ist alles Alternativlos.
victor_s 21.05.2014
2. Irrweg
Die Cloud-Strategie von SAP ist ein Irrweg! Ich will schon als Privatmann keine vetraulichen Daten in einer Cloud parken. Umso weniger kann ich mir vorstellen, dass Unternehmen ihr Rechnungswesen in eine Cloud auslagern. Da kann man die Daten auch direkt bei der NSA abgeben.
Oberleerer 21.05.2014
3.
Statt die eigenen Produkte zu vereinfachen, zu verbessern und zu beschleunigen wird wieder so ein Cloudgeschwätz abgehalten. Als ob die Branche nicht schon längst erkannt hat, daß "Cloud" eine nette Vision ist, aber vom Kunden nur homöopathisch nachgefragt wird. Die NSA-Affäre wird auch nicht dazu beitragen, daß Unternehmen ihre intimsten Daten an die USA weiterreichen, die man noch nichtmal dem Finanzamt in Deutschland eröffnen würde.
derwulf 21.05.2014
4.
Zitat von victor_sDie Cloud-Strategie von SAP ist ein Irrweg! Ich will schon als Privatmann keine vetraulichen Daten in einer Cloud parken. Umso weniger kann ich mir vorstellen, dass Unternehmen ihr Rechnungswesen in eine Cloud auslagern. Da kann man die Daten auch direkt bei der NSA abgeben.
Sehen Sie es mal andersherum: die Cloud ist gesetzt, aus verschiedenen Gründen (Netzwerkeffekte, Kosten usw) und Sie sollen jetzt einen Anbieter aussuchen. Nehmen Sie einen der in den USA sitzt und für den es wahrscheinlich legal zwingend ist die NSA mitlesen zu lassen oder in Deutschland wo es Gesetze zum Datenschutz ohne Geheimdienstaussnahmen gibt?
tommit 21.05.2014
5. Und sie glauben
Zitat von derwulfSehen Sie es mal andersherum: die Cloud ist gesetzt, aus verschiedenen Gründen (Netzwerkeffekte, Kosten usw) und Sie sollen jetzt einen Anbieter aussuchen. Nehmen Sie einen der in den USA sitzt und für den es wahrscheinlich legal zwingend ist die NSA mitlesen zu lassen oder in Deutschland wo es Gesetze zum Datenschutz ohne Geheimdienstaussnahmen gibt?
das die SAP Cloud nur in Deutschland stehen wird? Die Cloud ist aus gutem Grund gesetzt ich würde mal über Begriffe wie Big Data, HANA und Columnar .. database und Rapid Deplaoyment Solution nachrecherchieren... Besonders dem Forumskollege der mehr Geschwindigkeit verlangt.. empfehle ich einen kurzen Blick auf SAP HANA...
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