Mit sofortiger Wirkung SAP-Chef McDermott tritt überraschend zurück

2002 kam Bill McDermott zum Softwarehersteller SAP, seit 2010 war er Vorstandschef. Nun teilt der Dax-Konzern überraschend mit: Der 58-Jährige geht. Seine Nachfolger im Amt stehen bereits fest.

Bill McDermott (2017): "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen"
AFP

Bill McDermott (2017): "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen"


Paukenschlag in Walldorf: Der seit 2010 amtierende SAP-Vorstandschef Bill McDermott tritt überraschend zurück. Die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen als Führungsduo mit sofortiger Wirkung seine Nachfolge antreten und Europas größten Softwarehersteller führen, wie der Dax-Konzern am frühen Freitagmorgen überraschend mitteilte.

Seit 2014 lenkte der heute 58-jährige McDermott die Geschicke des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns an der Vorstandsspitze allein. Der US-Amerikaner hat den Konzern stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet umgebaut. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner. Mit dem Führungswechsel greife die langfristige Nachfolgeplanung des Kontrollgremiums, hieß es.

Einen konkreten Grund für den Rücktritt McDermotts nannte das Unternehmen bisher nicht. McDermotts Vertrag lief noch bis 2021, diesen werde er nicht verlängern. Er ist seit 2002 im Unternehmen. Noch bis Ende des Jahres will der Manager in einer beratenden Rolle im Unternehmen bleiben. "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte er.

McDermott hatte zuletzt noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für Mitte November angekündigt. Investoren hatten die seit Langem unter dem starken Ausbau des Cloudgeschäfts leidende Marge immer wieder bemängelt, McDermott hingegen setzte voll auf das Wachstum bei der Software, die über das Internet genutzt wird und im Abo-Modell oder gegen Nutzungsgebühr bezahlt wird.

McDermott gilt als begnadeter Verkäufer. Unter seiner Ägide wurde der Konzern zum wertvollsten deutschen Börsenkonzern, aktuell ist SAP Chart zeigen rund 130 Milliarden Euro wert.

In der Nacht zu Freitag wurden auch die SAP-Zahlen zum dritten Quartal vorgestellt: Umsatz und Gewinn stiegen überraschend kräftig, nachdem SAP im Vorquartal noch den Handelsstreit zwischen den USA und China zu spüren bekommen hatte. Den Erlös steigerte der Konzern im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben mit 1,26 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Gewinn übrig.

McDermotts Nachfolger im Amt sind ebenfalls seit vielen Jahren im Unternehmen.

  • Jennifer Morgan ist 48 Jahre alt und stammt ebenfalls aus den USA. Bisher steuert sie im SAP-Vorstand die Cloudsparte. Sie ist seit 2004 im Unternehmen, seit 2017 im Vorstand und wird die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens.
  • Christian Klein ist 1980 geboren und derzeit für die Produktentwicklung im Vorstand verantwortlich. Er ist seit 1999 im Unternehmen und seit vergangenem Jahr im Vorstand.

aar/dpa/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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iffelsine 11.10.2019
1. Immer wieder erstaunlich, dass wichtige Posten in Unternehmen
mal so eben von heute auf morgen umbesetzt werden. Das kostet Millionen an Abfindungen. Und wenn es "geplant" gewesen sei, wundert mich die Vertragslänge von 2021. Ist Hasso Plattner so ein Trump ? Hire & Fire ?
Bundestrainer 11.10.2019
2. Arbeitszeugnis-Leak
"Herr McDermott hat sich stets bemüht, die Interessen der SAP-Shareholder zu befriedigen. Herr McDermott verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch um sich neuen Herausforderungen außerhalb unseres Unternehmens zu stellen. Wir wünschen Herrn McDermott für seine berufliche Zukunft alles Gute."
Bernd Hofstetter 11.10.2019
3. Schade
McDermotts Abgang ist ein bitterer Verlust. Der Mann hat die SAP von einem bürokratischen und technisch immer mehr abgehängten Chaosverein wieder zu einem profitablen und innovativen Unternehmen gemacht. Man sollte sich an dieser Stelle die üblichen Spötteleien und Neiddebatten sparen. Wer es besser kann, der soll es besser machen.
andneu 11.10.2019
4. @Bernd Hofstetter
Zitat von Bernd HofstetterMcDermotts Abgang ist ein bitterer Verlust. Der Mann hat die SAP von einem bürokratischen und technisch immer mehr abgehängten Chaosverein wieder zu einem profitablen und innovativen Unternehmen gemacht. Man sollte sich an dieser Stelle die üblichen Spötteleien und Neiddebatten sparen. Wer es besser kann, der soll es besser machen.
Aus gut unterrichteten Kreisen im Vatikan munkelt man bereits über eine Heiligsrpechung bereits zu Lebzeiten ...
karl_idstein 11.10.2019
5. Spekulationen sind wenig hilfreich
Wenn die Vertragsauflösung von Bill McDermott ausgegangen ist, dann wird er ohne Abfindung ausscheiden. Die Tatsache, dass ein nahtloser interner Übergang auf seine beiden Nachfolger geschehen kann, spricht für gute und langfristige Planungen seitens Vorstand und Aufsichtsrat. Hut ab. Solches muss oder sollte es in jedem größeren Unternehmen geben, denn der Chef oder je nachdem Übervater kann ja auch einmal morgens schlichtweg "tot im Bett aufwachen".
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