Softwarekonzern Investor Elliott kauft sich bei SAP ein

Trotz eines teuren Personalumbaus hat SAP seine Gewinnprognose erhöht. Der US-Hedgefonds Elliott will davon profitieren - er hat eine Beteiligung im Wert von 1,2 Milliarden Euro gekauft.

SAP-Logo am Konzernsitz in Walldorf
Ralph Orlowski / REUTERS

SAP-Logo am Konzernsitz in Walldorf


Erstmals hat der US-Hedgefonds Elliott sich in Europa bei einem Technologiekonzern eingekauft. Der aktivistische Investor hat einen Anteil an Europas größtem Softwarekonzern SAP öffentlich gemacht. Die Beteiligung habe einen Wert von 1,2 Milliarden Euro, teilte Elliott mit. Das sind knapp ein Prozent des aktuellen Börsenwertes von rund 130 Milliarden Euro.

In den USA ist Elliott im Tech-Sektor unter anderem am Onlinehändler Ebay, am Computerhersteller Dell und am IT-Dienstleister Cognizant beteiligt.

Hinter Elliott steht der Investor Paul Singer. Der Hedgefonds ist für seinen oftmals harschen Umgang mit dem Topmanagement von Unternehmen bekannt. Der Investor hatte zuletzt unter anderem beim Industriekonzern Thyssenkrupp, beim Energiekonzern Uniper Chart zeigen und beim Anlagenbauer Gea Veränderungen durchgesetzt.

Mit Blick auf SAP Chart zeigen teilte Elliott mit, es sei nun an der Zeit, die Früchte aus den Investitionen der Vergangenheit zu ernten. Zugleich stellte sich der US-Hedgefonds hinter das SAP-Management. "Elliott unterstützt die heute bekannt gegebenen Initiativen vollumfänglich", teilte der Investor mit.

Personalumbau beschert SAP Quartalsverlust

Zuvor hatte SAP seine Quartalszahlen bekannt gegeben und neue Ziele genannt. Zwar läuft das Geschäft gut, dennoch haben hohe Kosten für den laufenden Personalumbau den Softwarekonzern zum ersten Mal seit langer Zeit in einem Quartal ins Minus gedrückt. Der Verlust belief sich auf 108 Millionen Euro - nach 708 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Auf das Gesamtjahr gesehen werde SAP aber schwarze Zahlen schreiben, versicherte Finanzchef Luka Mucic.

Die Umbaukosten herausgerechnet lief das Quartal für den Konzern so gut, dass Vorstandschef Bill McDermott seine Gewinnprognosen erhöhte. Bis 2023 versprach McDermott den Aktionären, die Profitabilität von SAP kontinuierlich zu steigern. Auch dazu dürfte der Stellenabbau beitragen, der von 2020 an jährlich 750 bis 850 Millionen Euro einsparen soll.

Mitarbeiterzahl soll zunächst steigen

Der Konzern hatte im Januar angekündigt, in diesem Jahr rund 4400 Mitarbeiter umzuschulen, auf andere Positionen zu versetzen und auch mit Abfindungen in den Vorruhestand zu schicken, damit die Firma mit den Veränderungen in der Technologiebranche mithalten könne. Betriebsrat und Geschäftsführung haben jüngst eine Beschäftigungssicherung ausgehandelt.

Trotz des Umbaus soll die Mitarbeiterzahl in diesem Jahr weiter steigen. Zuletzt hatte SAP dank der jüngsten Übernahmen rund 98.700 Beschäftigte, kommendes Jahr könnten es Vorstandschef Bill McDermott zufolge 105.000 sein.

mmq/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 2 Beiträge
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dwg 24.04.2019
1. Na, dann mal viel Spaß...
Wenn ich mir die "track record" von Paul Singers Aktivitäten anschaue, will er nicht von "verbesserter Prognose" profitieren, sondern den Laden aufteilen, teilverkaufen oder ähnliche kurzfristigen "Wertsteigerungen" initiieren. Damit erfährt er dann den Applaus oder zumindest die Duldung institutioneller Anleger, wie Pensionsfonds oder Versicherungen. Als nächstes steigt dann noch Cevian mit der bei ABB abgeschöpften Kohle ein.
mvaugusta8 24.04.2019
2. Friss oder stirb
Der Wertpapierhandel hat sich in den letzten letzten Jahren/Jahrzehnten leider stark verändert. Natürlich waren Börsen noch nie dafür bekannt, altruistischen Motiven zu folgen. Dennoch stand die Verheißung, durch Teilhabe an Firmen langfristig am wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben und solide Managements zu unterstützen. Die neuen aktivistischen Aktionäre wie Third Point, Cevian, White Tale etc. treten meist als Anwälte der "vernachlässigten" Anleger auf und haben meist nur noch kurzfirstigen Profit im Kopf. Mithilfe von anderen institutionellen Anlegern, vorallem den riesigen Vermögensfonds(welche in knallharten Wettbewerb stehen), werden Unternehmen kurzfristig filetiert, knallhart umstrukuriert oder zu fragwürdigen Übernahmen gezwungen, welche keinerlei Rücksicht auf soziale Folgen und langfristige Strategie/Gesundheit des Unternehmens nehmen. Das Hamsterrad dreht sich auf der Suche nach einer satten Rendite immer schneller bis zum nächsten Crash. Als normaler Sparer steht man vor dem Dilemma, sein Geld zumindest so zu investieren, dass die Inflation nicht das ersparte Geld auffrisst ohne diese perfiden Wertpapierpraktiken noch stärker anzukurbeln.
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