Ölpreis zu niedrig Saudischer König schasst Energieminister

Früher versetzten die Saudis die Weltweltwirtschaft in Angst und Schrecken, wenn sie ihre Ölproduktion drosselten. Doch das ist lang vorbei: Seit Monaten kämpft das Königreich für höhere Preise - ohne Erfolg.

Saudischer König Salman
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Saudischer König Salman


Saudi-Arabien hat ein Problem. Lange Jahre konnte das Königreich gemeinsam mit seinen Verbündeten den Ölpreis auf den Weltmärkten praktisch nach Belieben bewegen. Daraus resultierten unter anderem zwei Krisen; in Deutschland kam es zum "Ölpreisschock" in den Jahren 1973 und 1979.

Doch in jüngster Zeit muss Saudi-Arabien feststellen, dass die alten Hebel nicht mehr die gewünschte Wirkung erzeugen. Mehrfach hat sich das Land in den vergangenen Monaten mit anderen Ölfördernationen abgesprochen, Fördermengen zu kürzen, um so den Preis in die Höhe zu treiben, von derzeit etwa 60 Dollar auf etwa 80 Dollar.

Gespräche gab es nicht nur mit den anderen Mitgliedern des Opec-Kartells, Energieminister Khalid al-Falih holte auch die Russen mit ins Boot, für die jüngste Reduktion der Fördermengen im August.

Nur: Den Ölpreis hat das weitgehend kalt gelassen. Er pendelt seit Monaten zwischen 60 und 70 Dollar pro Barrel - mit deutlichem Abstand zur Marke von 80 Dollar, die das Königreich eigentlich erreichen will, um genügend Geld zu haben für die hochtrabenden Pläne von Königs Salmans Sohn, Kronzprinz Mohammed bin Salman. Die einzigen heftigeren Ausschläge waren Folgen von Krisen - der US-Spannungen mit Iran und dem Niedergang des Förderlands Venezuela.

Geld gesucht für die "Vision 2030"

Das hat nun Konsequenzen. Energieminister Khalid al-Falih verliert seinen Posten. Falih, seit 2016 im Amt, müsse offenbar "den Preis zahlen für den sturen Ölpreis", zitiert die "Financial Times" den Energie-Experten Derek Bower, Direktor der RS Energy Group. Der Schritt werde die Nervosität im Energiemarkt befeuern, warnt der Fachmann. Den Posten übernehmen wird nun Prinz Abdulaziz, König Salmans vierter Sohn. Er gilt als in Energiefragen durchaus bewandert, seit 1980 arbeitet er im Energieministerium.

Abdulaziz hatte zuvor bereits die Aufsicht über den staatlichen Energieriesen Saudi Aramco übernommen. Die Führung will den Konzern eigentlich an die Börse bringen, das soll die Kasse füllen für das Projekt "Vision 2030", mit dem der Kronprinz die Wirtschaft des Landes unabhängig machen will von fossilen Rohstoffen. Für den Börsengang von Aramco braucht er günstige Rahmenbedingungen - zum Beispiel hohe Ölpreise.

Für den schwindenden Einfluss Saudi-Arabiens auf den Ölpreis gibt es mehrere Gründe. So sind in den vergangenen Jahren anderer Förderstaaten wichtiger geworden, Russland zum Beispiel, aber auch die USA. Dort hat die Frackingtechnologie einen Boom der Ölproduktion ausgelöst.

beb

insgesamt 10 Beiträge
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meinerlei 08.09.2019
1. Selten so gelacht
Aufgrund des sukzessiven Abschieds von fossilen Energieträgern wird ein erheblicher Teil der bekannten Vorkommen nicht mehr gefördert werden. Als Land mit geringen Förderkosten hat Saudi-Arabien großes Interesse, die in seinen Böden lagernden Öl- und Gasvorkommen noch rechtzeitig zu verkaufen. Und hat weiterhin erheblichen Spielraum diesen Prozess zu gestalten. Bei Preisen von dauerhaft über 60-65$ pro Barrel kommen nämlich weitere Wettbewerber ins Spiel, bei denen sich eine Förderung unterhalb dieser Schwelle nicht lohnt. Wegen dieser Spreizung bei den Förderkosten pendelt der Ölpreis seit Jahren in einer gewissen Spanne. Und das ist den Saudis ganz recht. Die Zeche werden am Ende die Länder mit hohen Förderkosten zahlen.
jana45 08.09.2019
2. Einzige Ausschläge waren Folgen von Krisen?
Man könnte auch denken, die Irankrise war Folge dessen, dass Amerika, welches vor allem an hohen Gaspreisen - die am Ölpreis gekoppelt sind - interessiert ist, diese ausgelöst hat und dabei Hand in Hand mit Saudi Arabien geht.
mhuz 08.09.2019
3.
Die Saudis haben über viele Jahrzehntes gutes Geld verdient - wo ist das ganze Geld geblieben ? Wenn sie jetzt erst auf den Trichter kommen, dass sie für die Zukunft vorsorgen sollten, ist das sehr Spät.
steinbock8 08.09.2019
4. Jetzt haben die USA
das Oel schon, durch die Iran Sanktionen, verteuert, um ihr eigenes Oel zuverkaufen und es reicht immer noch nicht. Vielleicht sollten die arabischen Laender mal richtig arbeiten und sich nicht immer auf das Geld das aus dem Boden sprudelt verlassen.
Rafaelblond 08.09.2019
5. Iran
Die USA werden niemals zulassen, dass der IRAN sein Öl auf den Markt wirft - das würde bedeuten, dass ihre Saudi-Buddies noch mehr in Bedrängnis geraten und damit ggfs. die Waffendeals kippen. DAS ist EIN Grund warum die USA den Iran ächten ... nicht die Geahr einer Bombe. Ein Krieg ist nur eine Frage der Zeit.
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