Sauna-Züge Bahn zahlt 2,7 Millionen Euro an Hitzeopfer

Defekte Klimaanlagen in ICE-Zügen der Bahn kommen den Konzern teuer zu stehen: Das Unternehmen hat 23.000 Hitzeopfern Schmerzensgeld in Millionenhöhe gezahlt. Doch es stehen noch weitere Entschädigungen aus.
Anfang Juli versorgten Helfer ICE-Hitzeopfer im Bahnhof Bielefeld: Massive Kritik

Anfang Juli versorgten Helfer ICE-Hitzeopfer im Bahnhof Bielefeld: Massive Kritik

Foto: Andreas Fr¸cht/ dpa

Berlin - Kollabierende Fahrgäste in Sauna-Zügen mit kaputter Kühlung: Tausende Bahnreisende haben das Klimaanlagen-Chaos in den Fernzügen der Deutschen Bahn Anfang Juli in extrem schlechter Erinnerung. Doch der Konzern kämpft um seinen guten Ruf - und lässt sich die Wiedergutmachung jetzt viel kosten. Das Unternehmen hat inzwischen 23.000 Hitzeopfer entschädigt. Insgesamt seien bislang 2,7 Millionen Euro geflossen, teilte das Unternehmen am Sonntag mit.

Dabei dürfte es nicht bleiben. Nach Angaben einer Bahn-Sprecherin ist die Bearbeitung entsprechender Anträge noch nicht erledigt. Wie hoch die zu zahlende Summe für den staatseigenen Konzern am Ende wird, ist daher noch offen.

In zahlreichen ICE-Zügen hatten sich Anfang Juli über mehrere Tage hinweg teils dramatische Szenen abgespielt: Fahrgäste kollabierten, manche schlugen Fensterscheiben ein nachdem die Temperaturen in den Zügen auf weit mehr als 30 Grad gestiegen waren. In gut 50 Fernzügen waren die Klimaanlagen ausgefallen - teils komplett, teils in einzelnen Wagen.

In einem extremen Fall musste ein ICE in Bielefeld gestoppt werden, in dem mehrere Schüler zusammenbrachen. Pannen gab es vor allem bei älteren ICE der ersten und zweiten Generation. Deren Kühlung bringt nur bei Außentemperaturen bis etwa 32 Grad die volle Leistung. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurden Wagen zeitweise nicht mehr so stark abgekühlt. Solche Nachjustierungen konnten die Situation stabilisieren, so dass es laut Bahn nach dem 14. Juli nur noch sehr vereinzelte Kühlungsdefekte gab.

Bahn-Chef Grube präsentiert im September neue Qualitätsoffensive

Rüdiger Grube

Um Vertrauen zurückzugewinnen, hatte der Vorstand entschieden, Reisenden mit Gesundheitsproblemen wegen aufgeheizter Züge 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem sollten diese Hitzeopfer das Anderthalbfache des Fahrpreises als Gutschein zurückbekommen, andere Betroffene die Hälfte des Ticketpreises. Ende Juli hatte Bahn-Chef berichtet, dass zunächst knapp 5700 Kunden Entschädigungen im Wert von 374.000 Euro erhalten hatten.

Die neuerlichen Pannen hatten der Bahn massive Kritik eingebracht, nachdem es bereits im Winter zu diversen Zugausfällen gekommen war. Im September will Grube daher weitere Schritte einer "Kunden- und Qualitätsoffensive" vorstellen. Damit soll verhindert werden, dass die ICE-Technik bei extremem Wetter erneut so störanfällig ist. Im November beginnt eine Generalüberholung der 44 ICE-2-Züge, die bis 2013 abgeschlossen sein soll. Dabei wollen die Experten prüfen, ob auch Energieversorgung und Klimaanlagen überarbeitet werden sollten. Es bleibt nach Grubes Worten jedoch eine "Achillesferse", dass wegen zusätzlicher Achs-Überprüfungen kaum ICE-Reservezüge einsetzbar sind.

yes/dpa
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