Sauna-Züge Bahn zahlt 2,7 Millionen Euro an Hitzeopfer

Defekte Klimaanlagen in ICE-Zügen der Bahn kommen den Konzern teuer zu stehen: Das Unternehmen hat 23.000 Hitzeopfern Schmerzensgeld in Millionenhöhe gezahlt. Doch es stehen noch weitere Entschädigungen aus.

Anfang Juli versorgten Helfer ICE-Hitzeopfer im Bahnhof Bielefeld: Massive Kritik
DPA

Anfang Juli versorgten Helfer ICE-Hitzeopfer im Bahnhof Bielefeld: Massive Kritik


Berlin - Kollabierende Fahrgäste in Sauna-Zügen mit kaputter Kühlung: Tausende Bahnreisende haben das Klimaanlagen-Chaos in den Fernzügen der Deutschen Bahn Anfang Juli in extrem schlechter Erinnerung. Doch der Konzern kämpft um seinen guten Ruf - und lässt sich die Wiedergutmachung jetzt viel kosten. Das Unternehmen hat inzwischen 23.000 Hitzeopfer entschädigt. Insgesamt seien bislang 2,7 Millionen Euro geflossen, teilte das Unternehmen am Sonntag mit.

Dabei dürfte es nicht bleiben. Nach Angaben einer Bahn-Sprecherin ist die Bearbeitung entsprechender Anträge noch nicht erledigt. Wie hoch die zu zahlende Summe für den staatseigenen Konzern am Ende wird, ist daher noch offen.

In zahlreichen ICE-Zügen hatten sich Anfang Juli über mehrere Tage hinweg teils dramatische Szenen abgespielt: Fahrgäste kollabierten, manche schlugen Fensterscheiben ein nachdem die Temperaturen in den Zügen auf weit mehr als 30 Grad gestiegen waren. In gut 50 Fernzügen waren die Klimaanlagen ausgefallen - teils komplett, teils in einzelnen Wagen.

In einem extremen Fall musste ein ICE in Bielefeld gestoppt werden, in dem mehrere Schüler zusammenbrachen. Pannen gab es vor allem bei älteren ICE der ersten und zweiten Generation. Deren Kühlung bringt nur bei Außentemperaturen bis etwa 32 Grad die volle Leistung. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurden Wagen zeitweise nicht mehr so stark abgekühlt. Solche Nachjustierungen konnten die Situation stabilisieren, so dass es laut Bahn nach dem 14. Juli nur noch sehr vereinzelte Kühlungsdefekte gab.

Bahn-Chef Grube präsentiert im September neue Qualitätsoffensive

Um Vertrauen zurückzugewinnen, hatte der Vorstand entschieden, Reisenden mit Gesundheitsproblemen wegen aufgeheizter Züge 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem sollten diese Hitzeopfer das Anderthalbfache des Fahrpreises als Gutschein zurückbekommen, andere Betroffene die Hälfte des Ticketpreises. Ende Juli hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube berichtet, dass zunächst knapp 5700 Kunden Entschädigungen im Wert von 374.000 Euro erhalten hatten.

Die neuerlichen Pannen hatten der Bahn massive Kritik eingebracht, nachdem es bereits im Winter zu diversen Zugausfällen gekommen war. Im September will Grube daher weitere Schritte einer "Kunden- und Qualitätsoffensive" vorstellen. Damit soll verhindert werden, dass die ICE-Technik bei extremem Wetter erneut so störanfällig ist. Im November beginnt eine Generalüberholung der 44 ICE-2-Züge, die bis 2013 abgeschlossen sein soll. Dabei wollen die Experten prüfen, ob auch Energieversorgung und Klimaanlagen überarbeitet werden sollten. Es bleibt nach Grubes Worten jedoch eine "Achillesferse", dass wegen zusätzlicher Achs-Überprüfungen kaum ICE-Reservezüge einsetzbar sind.

yes/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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mfluch 29.08.2010
1. Nur 2.7 Millionen?!
Das sind im Durchschnitt etwa 117 Euro auf eine Person gesehen.
Roßtäuscher 29.08.2010
2. Unverständlich - warum man Klimaanlagen einbaut
Zitat von sysopDefekte Klimaanlagen in ICE-Zügen der Bahn kommen den Konzern teuer zu stehen: Das Unternehmen hat 23.000 Hitzeopfern Schmerzensgeld in Millionenhöhe gezahlt. Doch es stehen noch weitere Entschädigungen aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,714422,00.html
die nur bis zu einer begrenzten Außentemperatur funktionieren. Dies ist schon mehr als merkwürdig und hat wahrscheinlich mit "Sparen" zu tun. Warum die ICE im Vergleich zu den TGV so lahme Enten sind, ist bestimmt auf abgespeckte Antriebs-Leistung zurückzuführen. Also ist die Ausrede, Frankreich hat eine viel geradere Streckenführung nur eine bedingte Ausrede. Was sind die 2,7 Mio. Schmerzensgeld denn schon für ein Unternehmen wie die Bahn, wenn sie beim Geschacher bei den Tarifgesprächen für ihre Angestellten 3-stellige Millionenbeträge herauspressen. Dabei darf man an die unglückliche Mehdorn-Aera gar nicht denken.
wilde Socke 29.08.2010
3. Lohnen
Oha, nächsten Sommer öfter Bahn fahren, das kann sich ja richtig lohnen.
gloton7, 29.08.2010
4. Skandal
Zitat von sysopDefekte Klimaanlagen in ICE-Zügen der Bahn kommen den Konzern teuer zu stehen: Das Unternehmen hat 23.000 Hitzeopfern Schmerzensgeld in Millionenhöhe gezahlt. Doch es stehen noch weitere Entschädigungen aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,714422,00.html
Bei den Opfern geht es nicht nur um die Hitze, sondern auch um den Sauerstoff. Wie jeder weiß, atmen wir Sauerstoff ein und Stickstoff aus. In geschlossenen Räumen - wie bei den ICE-Zügen der Fall - muß der Sauerstoffgehalt sinken und der Stickstoffgehalt steigen - die Menschen sind kurz davor gewesen buchstäblich zu ersticken! Das weiß jeder Lokführer und auch Peter Ramsauer - und was tut er? "Das werden wir abstellen!" Und wie? Möchte er die Biologie ändern? Per Vorschrift? Oder die ICEs mit Fenstern versehen?
kessel 29.08.2010
5. ...
Zitat von sysopDefekte Klimaanlagen in ICE-Zügen der Bahn kommen den Konzern teuer zu stehen: Das Unternehmen hat 23.000 Hitzeopfern Schmerzensgeld in Millionenhöhe gezahlt. Doch es stehen noch weitere Entschädigungen aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,714422,00.html
Daraus folgt man doch, das mindestens 23 Mrd Euro an Schmerzensgeld gezahlt wurden, oder etwa nicht? Gibts hier keine Korrektur-Leser mehr?
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