Einst bei deutschen Anlegern beliebt Europäische Sberbank-Tochter doch nicht insolvent

Die Europa-Tochter der russischen Sberbank wird vor dem Hintergrund von drohenden EU-Sanktionen geordnet abgewickelt – und zahlt Spareinlagen selbst zurück. Eine Insolvenz konnte abgewendet werden.
Sberbank-Filiale in Wien: Die Einlagensicherung sprang für 926 Millionen Euro ein

Sberbank-Filiale in Wien: Die Einlagensicherung sprang für 926 Millionen Euro ein

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Roland Schlager / dpa

Ein Ableger der in russischem Staatsbesitz stehenden Sberbank in Europa konnte die Insolvenz abwenden und wird nun geordnet abgewickelt. Durch den Verkauf von Kreditforderungen könne die Bank die von der österreichischen Einlagensicherung (ESA) an die Kunden ausbezahlte Summe von 926 Millionen Euro vollständig zurückzahlen, teilte das Institut mit.

Anfang März hatte die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) angeordnet, dass die Bank ihre Geschäftstätigkeit einstellen muss. Außerdem setzte die FMA einen staatlichen Verwalter ein. Grund war ein drohender Ausfall der Bank. Der Einlagensicherungsfall wurde erklärt, die ESA sprang für die Einlagen der Bankkunden ein.

Kunden »fast ausschließlich aus Deutschland«

Die Europatochter der Sberbank hatte laut Europäischer Zentralbank (EZB) zum Jahresende 2021 eine Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro. Sie beschäftigte 3900 Menschen und betreute zahlreiche Kunden, die laut österreichischer FMA »fast ausschließlich aus Deutschland« stammen. Die Bank hatte genauso wie Vergleichsportale lange wegen der relativ hohen Zinsen für sich geworben.

Die Einlagen der Sparer sind in Österreich bis zu einer Summe von 100.000 Euro geschützt. Wenn ein Entschädigungsfall eintritt, müssen anteilig die ESA und die österreichischen Banken einspringen.

Spareinlagen, die über den gesicherten Höchstbetrag hinausgehen, würden nun ebenfalls an Kunden ausbezahlt. »Die Sberbank Europe AG setzt hiermit die geordnete Abwicklung fort«, teilte das Institut mit. Damit müssen weder die ESA noch andere Banken für die Spareinlagen der Kunden aufkommen.

Auch die gesamten Verbindlichkeiten in Höhe von 428 Millionen Euro gegenüber der österreichischen Nationalbank (OeNB) und der EZB zahle die Sberbank Europe eigenen Angaben zufolge vollständig zurück.

Die Sberbank Europe war in Schieflage geraten, als es nach Moskaus Angriff auf die Ukraine und den darauffolgenden Sanktionen gegen Russland zu hohen Geldabflüssen bei der Bank gekommen war.

apr/Reuters/dpa
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