Bei deutschen Anlegern beliebtes Institut Europäische Sberbank-Tochter muss Betrieb einstellen

Die Sberbank muss sich aus Europa zurückziehen – und wickelt ihre Europatochter in Österreich in einem Insolvenzverfahren ab. Vom Swift-Ausschluss ist die größte russische Bank aber offenbar nicht betroffen.
Sberbank in Wien: Einlagensicherung soll für bis zu 100.000 Euro je Anleger aufkommen

Sberbank in Wien: Einlagensicherung soll für bis zu 100.000 Euro je Anleger aufkommen

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Roland Schlager / dpa

Die Europatochter der größten russischen Bank muss den Betrieb einstellen. Die in Wien ansässige Sberbank Europe AG müsse alle Geschäfte mit sofortiger Wirkung beenden, heißt es in einer Mitteilung  der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) aus der Nacht.

Der Schritt erfolgte demnach auf Anweisung der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Sonntag festgestellt hatte, dass das Geldinstitut wegen der russischen Invasion in die Ukraine und massiver Geldabflüsse möglicherweise vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Massenabhebungen hatten die Bank in Liquiditätsprobleme gebracht. Einleger durften zur Sicherung des »nötigsten täglichen Bedarfs« maximal noch 100 Euro pro Tag abheben.

Die Europatochter der Sberbank hatte laut EZB zum Jahresende 2021 eine Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro. Sie beschäftigte 3900 Menschen und betreute zahlreiche Kunden, die laut österreichischer FMA »fast ausschließlich aus Deutschland« stammen. Vergleichsportale hatten lange wegen der vergleichsweise hohen Zinsen für die Bank geworben.

Bankkunden sollen Einlagen innerhalb von zehn Tagen erhalten

Eine Sanierung oder Abwicklung der Bank gemäß der Europäischen Bankensanierungs- und Abwicklungsrichtlinie sei nicht im öffentlichen Interesse, hieß es von der österreichischen Aufsicht. Der einheitliche Abwicklungsausschuss (SRB) der EU-Bankenunion teilte ebenfalls mit, dass die Sberbank Europe AG nur ein Insolvenzverfahren nach nationalem Recht durchlaufen werde. Die Tochtergesellschaften in Kroatien und Slowenien wurden hingegen an lokale Banken abgetreten.

Der SRB betonte, dass die Vermögen der Kunden durch das europäische Einlagensystem abgesichert sind. Laut österreichischer Bankenaufsicht ist durch das Verbot des Geschäftsbetriebs der gesetzliche Einlagensicherungsfall ausgelöst. Damit habe das österreichische System gesicherte Einlagen bis zu einem Beitrag von 100.000 Euro »innerhalb von längstens zehn Bankarbeitstagen auszuzahlen«.

Für Kunden, die über die deutsche Filiale der Sberbank Europe AG geführt werden, soll aufgrund internationaler Abkommen die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) im Auftrag und auf Rechnung der österreichischen Einlagensicherung die operative Abwicklung des Entschädigungsverfahrens übernehmen. Das teilte der Bundesverband deutscher Banken mit – und sprach von Zehntausenden Kunden, die entschädigt würden.

Wegen der erwarteten wirtschaftlichen Schieflage hatte die FMA zuvor Überweisungen, Transaktionen und größere Auszahlungen untersagt. Das Moratorium war nach der Warnung der EZB vor dem drohenden Bankrott verhängt worden.

Sberbank beklagt Bedrohungen für die Sicherheit von Mitarbeitern und Filialen

Die Sberbank selbst begründete ihren Rückzug vom europäischen Markt laut russischen Nachrichtenagenturen mit Verweis auf »ungewöhnliche Bargeldabflüsse und Bedrohungen für die Sicherheit von Mitarbeitern und Filialen«.

Die Sberbank, die mehrheitlich vom russischen Staat kontrolliert wird, war eines der ersten Ziele der Finanzsanktionen gegen Moskau – und wurde durch die USA sanktioniert. Der Ausschluss von mehreren russischen Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift könnte die Sberbank allerdings nicht betreffen.

Die ständigen Vertreter der 27 EU-Staaten haben sich zwar darauf verständigt, mehrere Banken aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk auszuschließen. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet, sollen insgesamt sieben russische Banken von der Maßnahme betroffen sein. Die Sberbank gehört demnach aber nicht dazu.

Der Swift-Ausschluss gehört zu einer ganzen Reihe an Sanktionen, die die EU infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine beschlossen hat. Die Einigung der ständigen Vertreter sollte noch am Dienstagabend im schriftlichen Verfahren durch die Hauptstädte bestätigt werden. Anschließend sollten die Sanktionen im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden. Von diesem Zeitpunkt an wären sie in Kraft.

apr/dpa/AFP
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