Schadensersatz Novartis muss Ex-Mitarbeiterinnen 250 Millionen Dollar zahlen

Die Benachteiligung weiblicher Angestellter kommt Novartis teuer zu stehen: Mehrere Millionen Dollar Schadensersatz hatte ein Gericht dem Pharmariesen bereits aufgebrummt, jetzt kommen stolze 250 Millionen dazu - und die Tür für weitere Klagen ist weit offen.
Novartis-Zentrale in Basel: Weitere Klagen könnten folgen

Novartis-Zentrale in Basel: Weitere Klagen könnten folgen

Foto: ddp

New York/Genf - Benachteiligungen bei Beförderungen, weniger Gehalt, Ausgrenzung von Schwangeren: Den Schweizer Pharmakonzern Novartis   kostet die Diskriminierung ehemaliger und gegenwärtiger weiblicher Angestellter 250 Millionen Dollar. Ein Bezirksgericht in New York beschied das Unternehmen für schuldig, die Klägerinnen wegen ihres Geschlechts systematisch übergangen und ein für Frauen feindseliges Arbeitsumfeld geschaffen zu haben und setzte am Mittwoch die Strafe fest.

Einem der Anwälte der Anklage, David Sanford, zufolge ist es die bislang höchste Summe, die je in einem Anti-Diskriminierungs-Fall festgelegt wurde. Und damit nicht genug: Er bestätigte auch, dass sich nun rund 6000 weitere Frauen, die bei Novartis arbeiten oder gearbeitet haben, der Klage einzeln anschließen und das Pharmaunternehmen auf Schadensersatz verklagen können, der in die Milliardenhöhe gehen könne.

Novartis

Zwölf ehemalige -Mitarbeiterinnen hatten Klage wegen Benachteiligung eingereicht. Zeuginnen hatten unter anderem offenbart, wie Schwangere im Unternehmen unter Druck gesetzt würden, kürzeren Mutterschaftsurlaub zu nehmen oder währenddessen zu arbeiten. Eine ehemalige Angestellte erzählte gar, ihr Chef habe den für ihn arbeitenden Frauen pornografische Bilder gezeigt und sie eingeladen, auf seinem Schoß zu sitzen.

Bereits am Montag hatte die Jury Novartis in einer Nebenklage für schuldig befunden und auf 3,4 Millionen Dollar Schadensersatz entschieden. Der Pharmariese hatte angekündigt, in Berufung zu gehen. Zum neuen Urteil erklärte die US-Tochter am Mittwoch, es sei enttäuschend. Das Unternehmen setze seit mehr als zehn Jahren hohe Standards für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter. Im Rahmen des Prozesses hatte der Anwalt der Verteidigung angekündigt: "Das Unternehmen hört, was Sie sagen, und wird sich ändern."

Die Entscheidung vom Mittwoch sende eine klare Botschaft an Novartis und alle anderen Unternehmen in den USA, sagte Ankläger David Sanford. "Sie können nicht einfach so weitermachen mit den Diskriminierungen, die schon so lange passieren." Die Frauen gehören zu insgesamt 14.000 Angestellten des Basler Konzerns in den USA.

can/dpa/AP
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