Schadensersatz-Prozess Richter zweifeln an Bonus für Middelhoff

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen vor Gericht. Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Handelskonzerns verlangt 16 Millionen Schadensersatz von dem Manager - und könnte teilweise Erfolg haben.

Thomas Middelhoff: Juristische Schlacht mit Arcandor-Insolvenzverwalter
dapd

Thomas Middelhoff: Juristische Schlacht mit Arcandor-Insolvenzverwalter


Essen - Der Insolvenzverwalter des Handelskonzerns Arcandor hat Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff und sieben weitere frühere Vorstände und Aufsichtsräte auf insgesamt 24 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Dabei geht es um angeblich überzogene Boni, Spesen und Abfindungszahlungen. Allein Middelhoff soll 16 Millionen Euro zahlen.

Offenbar stehen die Chancen des Insolvenzverwalters auf einen Erfolg seiner Klage gar nicht so schlecht. Das Essener Landgericht deutete zu Prozessbeginn an, dass Middelhoff im Jahr 2008 möglicherweise zu Unrecht eine Sonderbonus-Zahlung erhalten habe. Der Manager erschien nicht persönlich zu der Verhandlung.

Nach vorläufiger Beratung spreche einiges dafür, dass Middelhoff mit dem Bonus 2008 "noch einmal für seine gute Arbeit belohnt werden sollte", obwohl sein Ausscheiden aus dem Konzern bereits beschlossen war, sagten die Richter. Dies allein dürfe nach höchstrichterlicher Rechtsprechung aber nicht als Begründung für eine Bonuszahlung angeführt werden.

Das Gericht erklärte weiter, es sei "offensichtlich unstreitig", dass Middelhoff darüber hinaus Flugkosten in sechsstelliger Höhe zu Unrecht über das Unternehmen abgerechnet hat. Auch die von Arcandor Chart zeigen bezahlten Kosten für eine Festschrift von über 150.000 Euro seien zweifelhaft.

Alle Beteiligten lehnen Vergleich ab

Das Gericht legte allen Beteiligten einen Vergleichsvorschlag vor, denn ein Klageerfolg in voller Höhe ist nach Einschätzung der Richter äußerst unwahrscheinlich. Laut dem Vorschlag soll Middelhoff möglicherweise überhöhte Bonus- und Abfindungszahlungen sowie Flugkosten von insgesamt knapp drei Millionen Euro zurückzahlen.

Die übrigen sieben Angeklagten sollen zusammen weitere sieben Millionen Euro zahlen. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermöller lehnte den Vorschlag des Gerichts allerdings ab. Auch die Anwälte der übrigen Manager und der Insolvenzverwalter gingen vorerst nicht auf den Vergleichsvorschlag ein.

Die beklagten Ex-Vorstände und Ex-Aufsichtsräte wiesen die Vorwürfe als ungerechtfertigt zurück. Das Gericht stellt sich bereits auf einen Marathonprozess ein und erklärte: "Wir stehen vor einem langen und aufwendigen Verfahren."

Dieser Prozess ist nicht die einzige juristische Fehde zwischen Middelhoff und dem Arcandor-Insolvenzverwalter. Wegen Imageschädigung will der Anwalt des Managers einen zweistelligen Millionenbetrag vom Insolvenzverwalter fordern. Zudem hat Middelhoff über seine Anwälte Strafanzeige wegen Prozessbetrugs gegen den Insolvenzverwalter gestellt.

Allerdings droht dem Manager auch Ungemach von der Bochumer Staatsanwaltschaft. Seit 2009 ermittelt sie wegen des Verdachts der Untreue gegen Middelhoff. Auch diesen Vorwurf weist der Manager zurück.

mmq/dpa-dapd



insgesamt 6 Beiträge
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vogelskipper 19.12.2011
1. Korrupter Sumpf, wo man hinschaut!
Zitat von sysopDer frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen vor Gericht. Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Handelskonzerns verlangt 16 Millionen Schadensersatz von dem Manager*- und könnte teilweise Erfolg haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804654,00.html
Middelhoff ist auch einer von denen, die ich zum korrupten Sumpf dieser Republik zählen würde. Leider ist er in guter Gesellschaft von wahrlich viel zu vielen dieser Sorte in diesem Land, sei es in der Politik oder in der Wirtschaft. Um Deutschland wirklich wieder voran zu bringen, würde ich damit anfangen diesen Sumpf knallhart auszutrocknen. So lange das nicht passiert, werden die Damen und Herren sich noch bis ultimo holen, was es zu holen gibt. Leider steht es mit dem System Merkel, das ich irgendwo zwischen einer wahren Demokratie und einem Regime Putin ansiedeln würde, wahrlich schlecht darum, denn es nährt sich von diesem Sumpf.
redwed11 19.12.2011
2. Middelhoff ist Spitze
Zitat von sysopDer frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen vor Gericht. Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Handelskonzerns verlangt 16 Millionen Schadensersatz von dem Manager*- und könnte teilweise Erfolg haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804654,00.html
So sind sie nun mal, unsere wirtschaftliche Führungskaste. Ein Unternehmen in den Ruin wirtschaften, Hunderte Beschäftigte die Existenz vernichten aber selber abzocken. Wofür eine Niete wie Middelhoff soviel Geld bekommen hat, ist ein Rätsel. Aber eins ist sicher, die Gier solcher Leute ist im Gegensatz zu ihrer Leistung absolute Spitze.
RaMaDa 19.12.2011
3. Verbrecher in Nadelstreifen
Zitat von sysopDer frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen angeblich überzogener Boni, Spesen und Abfindungszahlungen vor Gericht. Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Handelskonzerns verlangt 16 Millionen Schadensersatz von dem Manager*- und könnte teilweise Erfolg haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804654,00.html
--------------------------------------------------------------------- Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der das Urteil schon kennt - ganz nach dem Motto, die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen......
chagall1985 19.12.2011
4. Die stehen über dem Gesetz
Schlicht und ergreifend ist das Gesetz ein Witz. Hier geht es um solche Summen das dich Verbrechen immer lohnt. Was will denn das Gericht machen? Diese Typen genehmigen sich so hohe Summen das es keine ausreichenden Gesetze dagegen gibt. Siehe Ackermann Prozess! Ein absoluter Witz. Selbst wenn er hier einige hundertausend seiner zu unrecht erhaltenen Boni und Zahlungen zurückzahlen muss ist das nichts weiter als ein zinsloses Darlehen. Was für eine Strafe! Wird er wegen Betruges verurteilt dann sicher nur zur Bewährung. Was für eine Strafe! Könnte man bei bestimmten Firmen gleich in die Zeugnisse mit aufnehmen! Wenn ich die Chance hätte Millionen abzuzocken und nur befürchten müsste einen Teilbetrag wieder zurück zu zahlen oder zu einer Bewährungsstrafe verurteilt zu werden, dann könnte mich auch nicht abhalten.
5vor12 19.12.2011
5. An die Laterne
mit solchen Schweinen. Diese Spezies suhlt sich auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung im Geldschlamm. Gesetze scheinen auf sie zugeschnitten; war ja auch volle Absicht. Max. 3,50 € Gerichtsgebühr wird diesen SCHLOTZER alles kosten. Wir werden von einem kriminellen Netzwerk bis auf die Unterhosen ausgenommen. In Italien nennt sich das Mafia hierzulande "ehrbare Geschäftsleute". Widerstand ist zwecklos : Der Schiessbefehl ist in den Lissabonner Verträgen festgeschrieben. MAHLZEIT
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