Prozess gegen Bombardier Bahn will Entschädigung für Berliner S-Bahn-Chaos

Die Berliner S-Bahn galt als Lachnummer der Republik: Kaum sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, fielen in der Hauptstadt die Züge aus. Die Bahn gibt ihrem Lieferanten Bombardier die Schuld und kämpft nun vor Gericht um Schadensersatz.

DPA

Berlin - Auf die Richter des Berliner Landgerichts kommt eine große Aufgabe zu. Sie müssen herausfinden, ob Managementfehler und falsche Sparsamkeit der Bahn-Tochter S-Bahn-Berlin GmbH zu dem sich jährlich wiederholenden Winterchaos geführt haben, oder die schlechte Qualität der von Bombardier gelieferten Züge. An diesem Mittwoch beginnt der Prozess.

Die Deutsche Bahn schiebt die Schuld auf Bombardier und verlangt Schadensersatz für den verlorenen Umsatz und den entstandenen Imageschaden. Insgesamt 350 Millionen Euro will der Logistikkonzern erstreiten. Der Gang vor die Richter ist ungewöhnlich: Üblicherweise versucht die Bahn, sich mit ihren Lieferanten gütlich zu einigen. Doch die Verhandlungen über eine außergerichtliche Einigung waren am Montagabend gescheitert.

Nur wenige Anbieter

Die Technikprobleme bei der Baureihe 481/482, Managementfehler und Wartungsmängel hatten die S-Bahn-Berlin GmbH 2009 in eine tiefe Krise gestürzt. Probleme hatte es in der Vergangenheit teilweise auch bei Regional- und S-Bahn-Zügen der Baureihe 424 gegeben, die unter anderem in München, Frankfurt am Main, Hannover und Nordrhein-Westfalen fahren. Dazu sind Schadensersatzklagen über 160 Millionen Euro anhängig. Auch hierzu hat die Bahn die Gespräche abgebrochen.

Trotz der länger schwelenden Streitigkeiten schlossen beide Unternehmen aber erst vor einem Jahr einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 450 Elektroloks. Denn die Bahn hat nur wenige Lieferanten zur Auswahl, auf Unternehmen wie Bombardier ist sie deshalb angewiesen.

Streitigkeiten werden deshalb in der Regel ohne Einschaltung von Gerichten gelöst. Das zeigten etwa die Verhandlungen mit dem Siemens-Konzern, der bestellte ICE-Züge erst mit jahrelanger Verzögerung auslieferte. Beide Seiten verständigten sich auf neue Liefertermine und einen zusätzlichen Zug als Entschädigung für die Bahn.

Auch Bombardier hofft noch auf eine außergerichtliche Einigung. "Wir wollen mit der Bahn konstruktiv weiter verhandeln", sagte Sprecher Immo von Fallois. Dem Unternehmen gehe es um eine schnelle Lösung.

mik/dpa-AFX

insgesamt 5 Beiträge
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Ex-Kölner 14.05.2014
1. Tja - zu Bundesbahnzeiten...
...entwickelten DB und Hersteller gemeinsam; meines Wissens war auch das Eisenbahnbundesamt von Anfang an einbezogen. Prototypen wurden gemeinsam erprobt, Kinderkrankheiten beseitigt. Und anders als zu Mehdorns Zeiten fuhr man das Material auch nicht auf Verschleiß, sondern hielt Reserven vor und wartete regelmäßig.
ptb29 14.05.2014
2. Ich dachte, die S-Bahn wurde kaputt gespart?
Jetzt ist plötzlich der Hersteller Schuld? Interessanter Ansatz, haben die etwa keine wartungsfreien Züge gebaut?
TachAuch 14.05.2014
3. @ Ex-Kölner
Nur zur Info, zu Bundesbahn Zeiten gab es noch kein Eisenbahnbundesamt. Das gibt es erst seit dem 01.01.1994 (Bahnreform)
Ex-Kölner 14.05.2014
4. Danke für die Info...
Zitat von TachAuchNur zur Info, zu Bundesbahn Zeiten gab es noch kein Eisenbahnbundesamt. Das gibt es erst seit dem 01.01.1994 (Bahnreform)
Man kann nicht alles im Kopf haben.
zikky 14.05.2014
5. Wenn ich mich,
richtig erinnere ist die Baureihe 481/482 seit 1998 im Einsatz und da fuhren die Dinger die ersten Jahre ganz gut. Dann kam Herr M..... und fing massiv an zu sparen und es wurde bewusst nur noch auf Verschleiss gefahren. Jetzt ist der Hersteller Schuld, na ja irgendeiner muss ja Schuld sein....
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