Autoindustrie Schaeffler zahlt Beinahe-Chef Deller elf Millionen Euro Schmerzensgeld

Klaus Deller sollte Herr über den größten Automobilzulieferer der Welt werden. Dann wollten ihn Mutter und Sohn Schaeffler doch nicht. Jetzt bekommt er immerhin seinen Vertrag ausbezahlt.

Doch-Nicht-Chef von Schaeffler, Klaus Deller: Elf Millionen Euro für nicht angetretenen Job.
C. Vohler / Knorr-Bremse / DPA

Doch-Nicht-Chef von Schaeffler, Klaus Deller: Elf Millionen Euro für nicht angetretenen Job.

Von den manager-magazin-Redakteuren Michael Freitag und Angela Maier


Hamburg - Der Automobilzulieferer Schaeffler zahlt Klaus Deller rund elf Millionen Euro, ohne dass der 52-Jährige auch nur einen Tag für das Familienunternehmen gearbeitet hat. Die Summe entspricht grob den garantierten Bezügen aus dem dreijährigen Vertrag als operativer Schaeffler-Chef, den Deller mit den Eigentümern Georg Schaeffler und dessen Mutter Maria Elisabeth erst vor wenigen Monaten abgeschlossen hatte. Eigentlich hatte er seinen Job am 1. Juli antreten sollen. Im Juni war der Vertrag dann aber auf Betreiben der Schaeffler-Familie aufgelöst worden.

Mit der Einigung versuchen die Schaefflers ihren Reputationsschaden auf dem internationalen Markt für Top-Führungskräfte zu begrenzen. Schaeffler ist Spezialist für Wälzlager, kommt damit auf einem Umsatz von gut 11 Milliarden Euro und hält zudem rund 45 Prozent am Dax-Konzern Continental Chart zeigen. Zusammen kommen die Unternehmen auf einen Umsatz von 45 Milliarden Euro, beschäftigen etwa 260 000 Menschen und sind als kombinierter Konzern der größte Auto-Zulieferer der Welt.

Auf der Suche nach einem neuen Konzernchef hatten Mutter und Sohn Schaeffler sich nach langen Diskussionen auf Deller festgelegt, ihn vom kleineren Auto-Zulieferer Knorr-Bremse abgeworben und im Februar als neuen Konzernchef ausgerufen.

Für das Interregnum hatten sie allerdings Rosenfeld als Interims-Chef eingesetzt. Der 48-Jährige, im Hauptjob eigentlich Finanzvorstand, nutzte die Zeit, um die Schaefflers doch noch von sich zu überzeugen. Mit der Abberufung Dellers noch vor Amtsantritt bekam Rosenfeld ab dem 1. Juli 2014 einen Fünfjahresvertrag als Vorstandsvorsitzender. Eckard Cordes, langjähriger Mercedes- und Metro-Chef, legte daraufhin sein Amt als Aufsichtsratsmitglied bei Schaeffler nieder.

Ein Schaeffler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die exklusive Hintergrundgeschichte zu Mutter und Sohn Schaeffler lesen Sie hier.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
dnl1899 02.07.2014
1. Nüchtern betrachtet:
OK, er hat als Vorstandschef noch nicht gearbeitet und kriegt trotzdem das Gehalt der nächsten Jahre; dass das einigen gegen den Strich geht - gerade bei der Summe - ist verständlich. ABER: Bei Vertragsunterzeichnung hat man ihm, bei einer gewissen Leistung, ökonomische Sichheit garantiert, die er nun kompensiert haben muss, das ist auch bei normalen Arbeitnehmern so. Diese kriegen nur eine geringere Abfindung, weil sie im Vergleich zu Vorstand praktisch keinerlei Verantwortung für das Unternehmen tragen. Auch wenn sich viele Leute gleich wieder über hohe Abfindungen für schlechte Manager aufregen werden, so ist es trotzdem besser diese zu entlassen, als sie noch länger im Amt zu behalten. In der Politik ist es umgekehrt, hier werden unfähige Politiker gewählt, im Amt gelassen und es wird zugesehen, wie sie das entsprechende Land zugrunde richten. Beispiel Hollande; er wäre in einem Unternehmen nie Vorstandschef geworden und selbst wenn man annimmt doch, hätte man ihn schon längst entlassen.
DerBlicker 02.07.2014
2. Vertrag ist Vertrag
Das Geld steht Herrn Deller zu, er kann ja nichts dafür, dass die Familie Schaeffler ihre Meinung geändert hat. Als Betriebsrat bei Schaeffler würde ich allerdings bei jeder gewünschten Einsparung beim Personal mit Verweis aufs lockere Geld der Eigentümer abblocken.
karend 02.07.2014
3. Geld ohne Arbeit
"Der Automobilzulieferer Schaeffler zahlt Klaus Deller rund elf Millionen Euro, ohne dass der 52-Jährige auch nur einen Tag für das Familienunternehmen gearbeitet hat." Der Wahnsinn hat keine Grenzen. Ist diese Auszahlung üblich? Das Kleingedruckte des Vertrages wird doch wohl kaum eine entsprechende Klausel enthalten.
deus-Lo-vult 02.07.2014
4.
11 Millionen für NICHTS? Wow, das erkläre man mal dem Arbeiter, der 43 Stunden die Woche schuftet, und sein komplettes Arbeitsleben lang keine 11 Millionen ersrbeiten kann. Aber dann dem kleinen Mann Neid vorwerfen. Ekelhaft unf asozial, wie sich die "oberen 10 Prozent" verhalten. Aber die Politik lebt es ja vor. Schröder, Pofalla, Niebel, etc. Scham und Ethik sind den "Eliten" fremd geworden. Es gibt leider nur noch wenige Ausnahmen, wie z.B. Dietmar Hopp.
Kunerich 02.07.2014
5. Warum geht hier die Welt nicht unter?
Zitat von sysopC. Vohler / Knorr-Bremse / DPAKlaus Deller sollte Herr über den größten Automobilzulieferer der Welt werden. Dann wollten ihn Mutter und Sohn Schaeffler doch nicht. Jetzt bekommt er immerhin seinen Vertrag ausbezahlt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schaeffler-zahlt-beinahe-chef-klaus-deller-millionen-schmerzensgeld-a-978856.html
Wenn die Arbeitnehmer 2% mehr Einkommen bekommen oder ein Mindestlohn eingeführt wird geht die Welt unter. Wenn jemand in der Führungsetage 11 Millionen erhält fürs Nichtstun, hat er seine Ordnung. Beide Ausgaben müssen aber in den Produktpreis gegenüber dem Kunden eingepreißt werden. Oder fällt dieses "Schmerzenzgeld" irgendwie vom Himmel? Und wie war es bei den Bittgängen zu den Politikern / Steuerzahlern, als Schaeffler vor der Insolvenz stand? Und der Kunde soll diese Dinge auseinanderhalten, wenn er ein Produkt von Schaeffler kauft?
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