Milliarden-Risiken BaFin-Chefin fordert mehr Kontrolle der Schattenbanken

Auf der Suche nach lukrativen Geschäften kaufen Hedgefonds den Banken riskante Altlasten ab. Der Boom ruft Aufseher auf den Plan.
BaFin-Chefin König: "Wir brauchen ein globales Regelwerk"

BaFin-Chefin König: "Wir brauchen ein globales Regelwerk"

Foto: Oliver Berg/ dpa

Frankfurt am Main - Was die etablierten Banken freut, ruft bei Finanzkontrolleuren Sorgen hervor. Sogenannte Schattenbanken, zu denen beispielsweise Hedgefonds gehören, kaufen Kreditinstituten faule Kredite und andere Altlasten ab. Angesichts der milliardenschweren Risiken will die deutsche Finanzaufsicht BaFin die umstrittenen Schattenbanken genauer durchleuchten. "Wir brauchen ein globales Regelwerk", sagte BaFin-Chefin Elke König dem "Handelsblatt". Mehr Transparenz sei nötig, um etwa die Geschäfte von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder Spezialfonds besser beurteilen und entsprechende Risiken abschätzen zu können.

"Wenn man die Anforderung an regulierte Banken erhöht, muss man auch einen besseren Einblick in den schwächer oder gar nicht regulierten Sektor bekommen", sagte König. "Sonst ist nichts gewonnen, weil das Risiko ja nicht einfach verschwindet, sondern nur woanders ist, und zwar dort, wo wir als Aufsicht nichts ausrichten können."

Der Finanzstabilitätsrat (FSB), ein Zusammenschluss von Notenbanken und Aufsichtsbehörden, schätzt, dass der Markt der Schattenbanken zwischen 2002 und 2012 von 45 Billionen Dollar auf 71 Billionen Dollar angewachsen ist.

Unter Schattenbanken fasst der Finanzstabilitätsrat alle Akteure zusammen, die auf den Finanzmärkten wie Banken auftreten, aber nicht wie Banken reguliert und beaufsichtigt werden. Dazu zählen etwa Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften, aber auch Geldmarktfonds und sogenannte Zweckgesellschaften, in die Banken ihre riskanten Geschäfte auslagern. Selbst normale Investmentfonds rechnen die internationalen Finanzaufseher den Schattenbanken zu.

Dass deren Markt so wächst, hängt auch mit den Problemen der etablierten Banken zusammen. Diese müssen strengere Eigenkapitalregeln erfüllen und darum Altlasten abbauen. Zugleich wagen Schattenbanken sich auch wieder an risikoreichere Geschäfte, da die aktuellen Niedrigzinsen kaum lukrative Anklagemöglichkeiten bieten.

Trotz der Risiken kann BaFin-Chefin König dem Boom der Schattenbanken auch Positives abgewinnen. "Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir uns in einer Phase befinden, in der die Banken die Geschäfte, von denen sie sich verabschiedet haben, zu hoffentlich vernünftigen Preisen verkaufen können", sagte sie dem "Handelsblatt".

mmq/dpa-AFX