Ex-Justiziar von ThyssenKrupp Telekom-Vorstand soll von Schienenkartell gewusst haben

Die Affäre um das "Schienenfreunde"-Kartell hat offenbar ein Nachspiel für den Ex-Justiziar von ThyssenKrupp: Thomas Kremer soll laut "Handelsblatt" von illegalen Stahlpreis-Absprachen gewusst haben. Er wird damit zum Problem für seinen jetzigen Arbeitgeber, die Telekom. Die nennt die Vorwürfe Unsinn.

Bahngleise in Varel: Illegale Preisabsprachen zum Stahlpreis
DPA

Bahngleise in Varel: Illegale Preisabsprachen zum Stahlpreis


Düsseldorf - Das Kartell mit dem Namen "Schienenfreunde" wurde im Frühjahr 2011 zerschlagen: Über Jahre hinweg hatten Mitarbeiter von ThyssenKrupp, Voestalpine und anderen Stahlfirmen die Preise auf dem deutschen Schienenmarkt abgesprochen. Aufgeflogen war das Kartell durch eine anonyme Anzeige und eine Selbstanzeige von Voestalpine.

Thomas Kremer war damals bei ThyssenKrupp Chart zeigen für Compliance verantwortlich, also für die Einhaltung von Gesetzen und Regeln. Er blieb in der Affäre unbelastet - bisher zumindest. Wie das "Handelsblatt" jetzt berichtet, hat der einstige ThyssenKrupp-Vorstand Edwin Eichler vor Ermittlern der Staatsanwaltschaft Bochum Vorwürfe gegen Kremer erhoben.

Eichler zufolge gab es schon nach einer internen Prüfung 2006 Hinweise auf illegale Absprachen im Schienengeschäft, heißt es in dem Zeitungsbericht. Hilfesuchend habe er sich an Kremer gewandt. Der habe ihm jedoch geraten, nichts zu unternehmen. Schließlich seien ThyssenKrupp-Leute nicht betroffen.

Kremer selbst wollte sich dem Artikel zufolge nicht zu den aktuellen Vorwürfen äußern. "Ich habe bei meiner Arbeit für ThyssenKrupp alles in meiner Macht Stehende getan, um Compliance-Verstöße zu verhindern", zitiert das "Handelsblatt" aus einer schriftlichen Stellungnahme.

Inzwischen arbeitet Kremer als Compliance-Vorstand bei der Deutschen Telekom. Von der Zeitung auf die Vergangenheit Kremers angesprochen, teilte das Unternehmen demnach mit: "Selbstverständlich wird geprüft, ob potentielle Kandidaten für eine Vorstandsposition geeignet sind. Das wurde bei Thomas Kremer getan."

Gegenüber SPIEGEL ONLINE teilte die Telekom in einer Stellungnahme mit: "Die Unterstellungen, die Thomas Kremer gemacht werden, sind Unsinn." Sie basieren demnach alleine auf der Aussage von Eichler - und diese sei falsch.

aar



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kurt-aus-kienitz 26.02.2014
1. Nicht schlecht, ...
Zitat von sysopDPADie Affäre um das Kartell der "Schienenfreunde" hat offenbar ein Nachspiel für den Ex-Justiziar von ThyssenKrupp: Thomas Kremer soll laut "Handelsblatt" von illegalen Stahlpreis-Absprachen gewusst haben. Er wird damit zum Problem für seinen jetzigen Arbeitgeber - die Telekom. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schienenkartell-vorwuerfe-gegen-ex-thyssenkrupp-justiziar-kremer-a-955695.html
... der Mann war dafür verantwortlich auf die Einhaltung von Gesetzen und Regeln zu achten und in dem Konzern in dem er tätig war, wurde eine illegale Preisabsprache aufgedeckt. Dafür dass er bei TyssenKrupp gezeigt hat, dass der den Job nicht kann, darf der das Gleiche nun bei der Telekom machen.
raber 26.02.2014
2. Compliance und Vorstände übersehen Missstände
Es wäre nicht das einzige Mal, dass der Compliance-Zuständige eines Unternehemns im Envernehmen mit der Konzernspitze Situationen absichtlich übersieht. Beim Auffliegen ist es dann wieder ein typisches Vorstands- und Aufsichtsratmitgliedsverhalten: davon wusste ich nicht oder kann ich mich nicht erinnern. Wofür werden sie denn reichlich (und oft übertrieben hoch) bezahlt?
vantast64 26.02.2014
3. Schweigen ist eben Gold,
wie wir bei der Affäre Edathy sehen. Und wird vielleicht auch belohnt werden, da man sich auf den Mann verlassen kann. Nicht umsonst (wörtlich) gibt es das Gesetz des Schweigens.
petitionär 10.03.2014
4. Zum Problem? Er ist doch für die Telekom genau der Richtige!
Zitat von sysopDPADie Affäre um das Kartell der "Schienenfreunde" hat offenbar ein Nachspiel für den Ex-Justiziar von ThyssenKrupp: Thomas Kremer soll laut "Handelsblatt" von illegalen Stahlpreis-Absprachen gewusst haben. Er wird damit zum Problem für seinen jetzigen Arbeitgeber - die Telekom. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schienenkartell-vorwuerfe-gegen-ex-thyssenkrupp-justiziar-kremer-a-955695.html
Warum sollten sie ihn also wieder los werden wollen? In seiner Doppelfunktion als Vorstand Recht und Compliance bei der Telekom und als von der Schnarrn in die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex berufener Funktionär ist er. Telekom-Bock und Ethik-Gärtner in einer Person. Als *Telekom-Bock* sorgt Thomas Kremer hinter den Kulissen weiterhin dafür, dass Kunden der Deutschen Telekom AG auf die Rückzahlung von geschätzten 50 Millionen Euro Telefonierguthaben warten dürfen, die sie sich anstelle einer Erstattung alle 3 Jahre erneut auf sogenannte Umtauschkarten buchen lassen können. Nach einem BGH-Urteil nicht verjährbares Guthaben aus bis 1998 verkauften und 2001 endgültig abgeschalteten Telefonkarten, die nicht mit einem Verfallsdatum gekennzeichnet waren. Guthaben für ein heute unnötiges und weil unwirtschaftlich, bereits fast vollständig abgebautes Kartentelefonnetz. Über eine Erweiterungsfunktion sollen die Inhaber dieser Guthabenkarten nun im Festnetz nach der Vorwahl einer 11-stelligen Zugangsnummer, gefolgt von einer 16-stelligen PIN und der Rufnummer des Teilnehmers ihren gewünschten Gesprächspartner erreichen. In aller Regel versucht man diese Prozedur mindesten 3x bis eine Verbindung hergestellt ist. Wer versucht sein Guthaben zurückzuklagen, wird falls der Streitwert hoch genug ist, erbarmungslos bis in die letzte Gerichtsinstanz gezerrt. Kunden mit geringeren Ansprüchen scheitern meist bereits bei den in Bonn ansässigen Vorinstanzen. Als *Ethik-Gärtner* lässt er die Telekom in der Öffentlichkeit einem völlig neuem Licht erscheinen. Hier die Leitsätze der Telekom seit seiner Berufung in die Regierungskommission: Transparenz und die Einhaltung von Gesetzen, Regeln und Werten sind Voraussetzung für verantwortungsbewusstes Handeln Quelle: Telekom-BKMS-System (https://www.bkms-system.net/bkwebanon/report/clientInfo?cin=dt42017&language=ger) Wenn einem da nicht schlecht wird!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.