Fotostrecke

Ärger für Apple-Zulieferer: Krawalle bei Foxconn

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Foxconn Massenschlägerei bei Apple-Zulieferer legt Werk in China lahm

Am Ende musste die Polizei einschreiten. In einem Wohnheim nahe einer chinesischen Fabrik des Apple-Zulieferers Foxconn sind etwa 2000 Arbeiter aneinandergeraten. Die Krawalle dauerten zehn Stunden, 40 Menschen wurden verletzt. Die Produktion ruht.

Taipeh - Bilder aus chinesischen Fabriken des Apple-Zulieferers Foxconn sehen meist sehr ähnlich aus: Einheitlich gekleidete Menschen sitzen in Reih und Glied und schrauben konzentriert Elektronik-Bauteile zusammen. Umso mehr lässt eine Meldung aus einem Werk in Taiyuan aufhorchen. An dem Foxconn-Standort in Nordchina musste die Polizei in einem Wohnheim eine Massenschlägerei auflösen.

Wie Foxconn am Montag mitteilte, wurden 40 Menschen bei einer Auseinandersetzung verletzt. Diese sei am späten Sonntagabend durch einen Streit ausgelöst worden, der nach ersten Erkenntnissen nichts mit der Arbeit zu tun gehabt habe, erklärte das Unternehmen. Der Vorfall ereignete sich demnach in einem Wohnheim nahe der Fabrik, das privat betrieben werde. Ein privater Disput zwischen mehreren Arbeitern sei eskaliert, so dass schließlich etwa 2000 Arbeiter in den Zwischenfall verwickelt gewesen seien. Die Polizei habe die Lage unter Kontrolle gebracht, mehrere Menschen seien festgenommen worden. Einige Verletzte wurden demnach ins Krankenhaus gebracht.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua dauerte es etwa zehn Stunden, bis Polizisten die Lage unter Kontrolle hatten. 5000 Beamte seien im Einsatz gewesen. Foxconn selbst erklärte, der Streit habe um elf Uhr abends begonnen. Um drei Uhr nachts habe die Polizei die Lage im Griff gehabt. Das Unternehmen kündigte an, man werde den Vorfall untersuchen. Dieser hat den Arbeitsablauf in dem Werk offenbar gehörig durcheinandergebracht. Die Produktion sei für einen Tag unterbrochen worden, um den Vorfall aufzuklären, teilte die Firma mit. Die Arbeit werde am Dienstag fortgesetzt. In dem Werk arbeiten demnach 79.000 Menschen.

Wachmann soll Arbeiter geschlagen haben

Ein Foxconn-Beschäftigter sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon, ihm sei gesagt worden, die Fabrik könne wegen der Nachforschungen sogar bis zu drei Tage stillstehen. "Es sind viele Polizisten hier", wird der Mann zitiert, der seinen Namen nicht nennen wollte.

"Die Gründe für die Auseinandersetzung werden von den lokalen Behörden untersucht und wir arbeiten eng mit diesen zusammen", teilte Foxconn mit. "Aber es scheint nichts mit der Arbeit zu tun gehabt zu haben."

Im Internet wurden aber Fotos verbreitet, die zeigen, dass auch Foxconn-Einrichtungen Ziel der Ausschreitungen waren. Ein Wachhäuschen wurde umgekippt. Bei einem Bus waren Scheiben eingeschlagen. Autos wurden umgestürzt, darunter ein Polizeiwagen. Hundertschaften der Polizei sicherten die Straßen um das Werk. In einem Video  waren johlende Arbeiter und Sicherheitskräfte zu sehen.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete, in chinesischen Internet-Foren seien Kommentare veröffentlicht worden, wonach die Schlägerei ausgebrochen sei, nachdem ein Wachmann einen Arbeiter geschlagen habe.

Foxconn ist als Zulieferer von Apple bekannt geworden. Ob in dem Werk in Taiyuan auch das iPhone produziert wird, wollte Foxconn nicht sagen. Demnach werden in der Fabrik Elektronik-Komponenten für Autos und für Unterhaltungs- und Haushaltselektronik hergestellt. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte jedoch einen Arbeiter, wonach dort auch Bauteile für das iPhone 5 produziert werden.

Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen setzen Foxconn unter Druck

Foxconn beschäftigt in China rund eine Million Arbeiter. Deren Arbeitsbedingungen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Kürzlich tauchte ein Bericht eines chinesischen Journalisten auf, der sich angeblich in eine Fabrik in Taiyuan eingeschlichen hatte. Ob sich sein Bericht auf dasselbe Werk bezieht, in dem auch die Massenschlägerei stattfand, lässt sich bisher nicht nachvollziehen. Der Reporter berichtete unter anderem von extrem unhygienischen Verhältnissen in dem Wohnheim der Fabrik und von enormem Druck.

Im Juni hatten etwa hundert Arbeiter in einem Werk im Südwesten Chinas randaliert. Foxconn hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass die Arbeitsbedingungen in den Werken verbessert und Löhne angehoben worden seien. Im Frühjahr gelobten Apple   und der Elektronikhersteller gemeinsam, man werde die Bedingungen in den Fabriken verbessern. Die Kosten dafür wollten die beiden Unternehmen unter sich aufteilen, hieß es im Frühling.

Kürzlich hatte die englischsprachige chinesische Zeitung "Shanghai Daily" berichtet , Foxconn zuliebe würden Universitätskurse ausgesetzt und Studenten zur Arbeit gezwungen, weil es für die iPhone-Produktion an Arbeitskräften mangele. Foxconn widersprach kurz darauf: Bei den studentischen Arbeitskräften habe es sich um Praktikanten gehandelt, die den Betrieb jederzeit hätten verlassen können.

mmq/Reuters/AP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.