Schlecker-Insolvenz Mitarbeiter gründen Selbsthilfeverein

Wie geht es weiter mit Schlecker? Berater und Insolvenzverwalter arbeiten an einem Konzept für die pleitegegangene Drogeriekette. Mitarbeiter des Unternehmens haben eine eigene Offensive gestartet: Sie wollen das katastrophale Image aufpolieren und "zeigen, wie es bei Schlecker wirklich läuft".

Schlecker-Filiale in Breckerfeld: "Uns hat niemand gezwungen"
dapd

Schlecker-Filiale in Breckerfeld: "Uns hat niemand gezwungen"


Stuttgart - Nur mit genügend Kunden kann die insolvente Drogeriekette Schlecker überleben. Beschäftigte wollen nun daran arbeiten, das Image des angeschlagenen Unternehmens zu verbessern. Sieben Mitarbeiter haben den Verein "Wir wollen Schlecker helfen" gegründet. "Aus Betroffenheit haben wir uns gesagt, dass wir irgendwas tun müssen", sagte Diana Schauer, die Sprecherin der Gruppe, in Stuttgart. Ziel sei es, Kollegen aus ganz Deutschland für den Selbsthilfeverein zu gewinnen.

"Wir wollen den Mitarbeitern und Kunden zeigen, wie es draußen wirklich läuft", sagte Jonas Beirer, ein Schlecker-Bezirksleiter. Dabei gehe es auch um Vorurteile - denn Schikanen und schlechte Arbeitsbedingungen entsprächen nicht mehr der Realität. Rund 30.000 Mitarbeiter der Kette bangen um ihre Jobs, seit Schlecker am Ende Januar Insolvenz angemeldet hat.

"Wir haben schon erste Zusagen, etwa von Kolleginnen aus Frankfurt", sagte Schauer. "Uns hat niemand gezwungen oder aufgerufen, etwas zu machen", betonte Gründungsmitglied Karmen Grujic. "Wir arbeiten alle seit Jahren bei Schlecker. Und jetzt soll plötzlich Schluss sein?"

Die Unternehmensspitze begrüßte die Initiative. "Ich finde es sehr stark, wenn unsere Mitarbeiter gerade jetzt aktiv werden, sich eigene Aktionen überlegen und um jeden Kunden kämpfen", sagte Lars Schlecker. Noch ist unklar, wann das Insolvenzverfahren eröffnet und ob die Familie die Firma weiter führen wird. Derzeit prüfen McKinsey-Berater die Sparpotentiale im Unternehmen. Sie sollen einen Plan für Schleckers Zukunft erstellen.

Ein solcher Plan könnte nach Informationen des manager magazin drastischer ausfallen als bislang bekannt. So werde geprüft, die 650 Ihr-Platz-Läden zum neuen Kern der Kette zu machen und die verbleibenden Schlecker-Filialen lediglich zu integrieren. Das hieße: Die Marke Schlecker könnte ganz verschwinden.

Arbeitsrechtsexperten warnen

Nach eigenen Angaben wurde die Unternehmensleitung vorab über den Selbsthilfeverein informiert, man halte sich aber außen vor. "Die Ware ist wieder in unseren Läden. Die Regale füllen sich zunehmend. Das müssen wir nur auch den Kunden nahebringen", so Schlecker.

Einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" zufolge ist der Verein allerdings noch nicht beim zuständigen Amtsgericht Nürtingen eingetragen. Arbeitsrechtsexperten warnen zudem davor, einem Verein beizutreten, ohne die Vereinssatzung gelesen zu haben.

cte/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Herr Hold 17.02.2012
1. Gute Aktion
Zitat von sysopdapdWie geht es weiter mit Schlecker? Berater und Insolvenzverwalter arbeiten an einem Konzept für die pleitegegangene Drogeriekette. Mitarbeiter des Unternehmens haben eine eigene Offensive gestartet: Sie wollen das katastrophale Image aufpolieren und "zeigen, wie es bei Schlecker wirklich läuft". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815815,00.html
Das finde ich mal eine gute Aktion der Mitarbeiter. Ich werde ab sofort bei Schlecker einkaufen!
rainer_hpf 17.02.2012
2. Schlecker-Mitarbeiter gründen Selbsthilfe-Verein
Jetzt bin ich doch etwas verwundert. Über Jahre hinweg haben Schlecker-Mitarbeiter ihre Firma schlecht geredet. Wenn es Misstände gibt sollte man es doch intern klären. Jetzt wo der Ruf zerstört ist und der Arbeitsplatz in Gefahr ist haben die Mitarbeiter auf einmal die guten Seiten entdeckt.
flieder2 17.02.2012
3. Guter Versuch!
Wie wurde diese Firma von Medien und Gewerkschaften an den Pranger gestellt. Ich bin auch verwundert, dass einige Mitarbeiter gar nicht soooo unzufrieden waren und jetzt darauf hoffen, dass es weiter geht und mehr als nur Arbeitskraft, sondern auch "Herzblut" einbringen wollen. Ich wuensche ihnen viel Glueck.
autocrator 17.02.2012
4. unverständlich
erst lassen sie sich ausbeuten bis auf's blut und jetzt wollen sie auch noch die schlafmützen der schlecker-familie und des managements, also ihre eigenen sklaventreiber mit ihrem verein unterstützen und damit letztlich retten? Sorry, das ist schizo. Lasst schlecker pleite gehen, an die wand fahren, und kauft mittels eines mitarbeiter-buyout die übriggebliebenen reste vom insolvenzverwalter für nen appel und n' ei billig auf bzw. verrechnet das mit den ausstehenden gehältern. So kann die firma eventuell nochmal wie phoenix aus der asche wiederauferstehen, unter einer neuen führung, z.B. so einen mitarbeiter-verein, die "es" bestimmt auch nicht schlechter machen kann als das jetztige management, das den karren in den dreck gefahren hat. Bitte eines nicht vergessen: "Die da oben" haben schon bewiesen, dass sie ihren job trotz ihrer sagenhaften gehälter und boni nicht können! Wer glaubt, über nacht könnten die es plötzlich besser, oder dass ein externer insolvenzverwalter, der vom drogeriebusiness keinen blassen schimmer hat, denen beibringen könnte, wie man erfolgreich ein geschäft führt (ohne dabei noch die belegschaft auszubeuten) ... setzt eindeutig auf das falsche pferd!
autocrator 17.02.2012
5. unverständlich
erst lassen sie sich ausbeuten bis auf's blut und jetzt wollen sie auch noch die schlafmützen der schlecker-familie und des managements, also ihre eigenen sklaventreiber mit ihrem verein unterstützen und damit letztlich retten? Sorry, das ist schizo. Lasst schlecker pleite gehen, an die wand fahren, und kauft mittels eines mitarbeiter-buyout die übriggebliebenen reste vom insolvenzverwalter für nen appel und n' ei billig auf bzw. verrechnet das mit den ausstehenden gehältern. So kann die firma eventuell nochmal wie phoenix aus der asche wiederauferstehen, unter einer neuen führung, z.B. so einen mitarbeiter-verein, die "es" bestimmt auch nicht schlechter machen kann als das jetztige management, das den karren in den dreck gefahren hat. Bitte eines nicht vergessen: "Die da oben" haben schon bewiesen, dass sie ihren job trotz ihrer sagenhaften gehälter und boni nicht können! Wer glaubt, über nacht könnten die es plötzlich besser, oder dass ein externer insolvenzverwalter, der vom drogeriebusiness keinen blassen schimmer hat, denen beibringen könnte, wie man erfolgreich ein geschäft führt (ohne dabei noch die belegschaft auszubeuten) ... setzt eindeutig auf das falsche pferd!
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