Insolvente Drogeriekette Erste Schlecker-Angestellte siegt vor Gericht

4500 Schlecker-Mitarbeiter klagen gegen ihre Kündigung. Eine Angestellte hat jetzt recht bekommen: Das Gericht nennt die Entlassung sozialwidrig. Sollte das Urteil Signalwirkung haben, könnten hohe Gehaltsnachzahlungen auf Schlecker zukommen.

Proteste zur Gläubigerversammlung am 5. Juni in Ulm: Wütende Schlecker-Mitarbeiterinnen
DPA

Proteste zur Gläubigerversammlung am 5. Juni in Ulm: Wütende Schlecker-Mitarbeiterinnen


Heilbronn - Drei Monate nach der großen Kündigungswelle bei Schlecker gibt es jetzt die erste Entscheidung: Schlecker habe seine subjektiven Abwägungen zur Sozialauswahl nicht ausreichend begründen können, urteilt das Arbeitsgericht Heilbronn. "Die Kündigung ist unwirksam und das Arbeitsverhältnis besteht weiter", teilt das Gericht mit.

Viele Jahre lang leitete die Klägerin eine Schlecker-Filiale in Baden-Württemberg. Doch dann schlägt die Sozialauswahl zu. Ende März erhält die Mitarbeiterin ihre Kündigung. 10.000 weitere Beschäftigte müssen den Konzern verlassen.

Das Arbeitsverhältnis der baden-württembergischen Schlecker-Angestellten besteht weiter, urteilt das Gericht. Doch seit gestern sind alle Filialen geschlossen. Für die Klägerin bedeutet das Urteil demnach, dass sie - wie die verbliebenen 13.200 Mitarbeiter - freigestellt und dann erneut gekündigt wird. Allerdings erhält sie rückwirkend ihr Gehalt seit dem Zeitpunkt der Kündigung am 28. März.

Der Filialleiterin müssten daher wohl mehrere tausend Euro Gehaltsnachzahlungen zustehen. Das ist deutlich mehr, als Schlecker den Klagenden als Abfindung angeboten hatte. Mit einer Einmalzahlung von 500 Euro wollte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Kläger von ihrem Vorhaben abbringen. Geiwitz hatte immer wieder gemahnt, dass die Klagen eine abschreckende Wirkung auf potentielle Investoren haben. Auch das Scheitern der Investorensuche begründete er mit der Klagewelle der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten.

Auswahlkriterien für die ersten Kündigungen waren nach Unternehmensangaben soziale Faktoren wie Alter, Betriebszugehörigkeit und Familienstand. Als gerecht empfinden viele Entlassene die Auswahl aber nicht. Nach und nach gingen deshalb immer mehr von ihnen vor Gericht. Aktuell hängen Schlecker rund 4500 Klagen an.

Von den 11.300 Schlecker-Mitarbeitern, die zwischen März und Mai entlassen wurden, haben bereits 2500 einen neuen Job gefunden. Das belegt eine interne Statistik, die die Bundesagentur für Arbeit eigens für die Pleite des Schlecker-Konzerns führt.

akm/dpa/dapd



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
rbsch 28.06.2012
1. insolvent...
Zitat von sysopDPA4500 Schlecker-Mitarbeiter klagen gegen ihre Kündigung. Eine Angestellte hat jetzt Recht bekommen: Das Gericht nennt die Entlassung sozialwidrig. Sollte das Urteil Signalwirkung haben, könnten hohe Gehaltsrückzahlungen auf Schlecker zukommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841442,00.html
Schlecker ist insolvent, da kann man noch so hohe Gehaltsforderungen haben, es wird nur ein Teil bedient werden können... Ziemlich sinnlose Klagen, finde ich.
franko_potente 28.06.2012
2.
Zitat von sysopDPA4500 Schlecker-Mitarbeiter klagen gegen ihre Kündigung. Eine Angestellte hat jetzt Recht bekommen: Das Gericht nennt die Entlassung sozialwidrig. Sollte das Urteil Signalwirkung haben, könnten hohe Gehaltsrückzahlungen auf Schlecker zukommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841442,00.html
Das ist doch nicht zu fassen. Ich verklage jemanden, der nichts hat auf Rückwirkende Zahlung und die Kündigung ist unwirksam. Wie dumm (weltfremd) sind deutsche Arbeitsgerichte? Ich hoffe, die Klagende hat recht hohe Anwaltskosten zu tragen. Sie kann Ihre Forderung dann in der Insotabelle anmelden. Rückwirkend werden das so um die 6500 € sein. Die zu erwartende Quote wird wohl unter 10% liegen. DRAUFGEZAHLT. Aber Hauptsache ich habe meinen EX AG verklagt. Der hat mich zwar jahrelang ausgehalten und trotz gigantischer Verluste weiter bezahlt, aber er ist ja BÖSE..er muss weiter zahlen und bluten, weil er war Unternehmer. Asoziales Pack, diese Unternehmer. Siehe Bild zum Artikel. Da entblöden sich Ex Mitarbeiterinnen, Ihren Chef öffentlich zu verhöhnen und wohl als "Kraftausdruck" zu betiteln, jammern aber dann rum? Ich würde sowas nicht einstellen. Wer dann auch noch nicht mal in der Lage ist, das Apostroph richtig zu benutzen und statt "Antons Mädels", lieber Antons Mädel´s schreibt, der sollte sowieso erstmal zum Bewerbungstraining. Warum schreibt es eigentlich nicht "Anton´s Mädel´s", oder gleich in korrektem Kanak "Antonz Mädelz", Alter?!
silenced 28.06.2012
3.
Eine Kündigung wegen Insolvenz/Zahlungsunfähigkeit ist also sozialwidrig? Interessante Erkenntnis. Dann sind im Grunde automatisch alle Kündigungen sozialwidrig, weil, einen besseren Grund als die Insolvenz eines Unternehmens gibt es nun wirklich nicht. Wie soll man jetzt noch wem kündigen? Da geht die gekündigte Person doch direkt vor Gericht und klagt auf Sozialwidrigkeit. Perfekt!
Zephira 28.06.2012
4.
Die Kosten können ja von den Parteien getragen werden, die in dem Unternehmen Steuergelder versenken wollten. Oder haben "Schlecker-Frauen" auf einmal keinen Bonus mehr?
prontissimo 28.06.2012
5. Ziemlich schlecht informiert sind Sie
Zitat von rbschSchlecker ist insolvent, da kann man noch so hohe Gehaltsforderungen haben, es wird nur ein Teil bedient werden können... Ziemlich sinnlose Klagen, finde ich.
finde ich. Lohnforderungen aus der Insolvenzmasse werden bevorzugt bedient. Direkt nach dem Taschenfüllen des Insolvenzverwalters und vor dem Fiskus. Man sollte sich vor dem Schreiben informieren.
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