Schlecker-Pleite "Es ist nichts mehr da"

Die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker ist auch für die Gründerfamilie ein Desaster. Nach Angaben der Konzernerbin Meike Schlecker hat der Clan bei der Pleite sein Vermögen verloren. Die letzten Hoffnungen für das Unternehmen richten sich auf den guten Willen der Gläubiger.
Schlecker-Pleite: "Es ist nichts mehr da"

Schlecker-Pleite: "Es ist nichts mehr da"

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Ehingen - Bei Anton Schlecker ist offenbar kein Geld mehr zu holen: Der einst als Milliardär gehandelte Drogeriekettengründer ist durch die Insolvenz seiner Firma auch persönlich ruiniert. Es sei nichts mehr da, sagte Meike Schlecker, seine Tochter, am Montag am Unternehmenssitz in Ehingen bei Ulm.

Die Familie habe in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in das Geschäft gepumpt, um die Restrukturierung voranzubringen. "Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, das dem Unternehmen hätte helfen können."

Bei der Schlecker-Pleite handele es sich um die Privatpleite des Einzelkaufmanns und Alleineigentümers Anton Schlecker, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Das hänge konkret mit der Unternehmensform "eingetragener Kaufmann" (e.K.) zusammen. Hierdurch stehe die Schlecker-Familie für die Insolvenz gerade.

Schlecker hatte am vergangenen Montag offiziell Insolvenzantrag gestellt. Die Drogeriemarktkette will damit einen Großteil der gut 6000 verbliebenen Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen retten. Auch die Schlecker-Tochter IhrPlatz hat die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Betroffen sind hier rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter.

"Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen"

Meike Schlecker trat zudem Gerüchten entgegen, die Familie habe Geld zur Seite geschafft. "Das ist falsch", sagte sie. "Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen." Daher käme auch ein Verkauf nicht in Frage.

Die Schlecker-Erben Meike und Lars Schlecker hoffen nun auf die Zustimmung der Gläubiger, ein entschuldetes Nachfolgeunternehmen leiten zu können, sagte Insolvenzverwalter Geiwitz. "Ich stehe der Familienlösung offen und positiv gegenüber", sagte er. "Wir wollen das Unternehmen weiterführen und so viele Arbeitsplätze wie möglich retten", ergänzte Meike Schlecker.

Das bereits vor der Pleite begonnene Sanierungsprogramm könnte demnach fortgeführt werden. Von den gut 6000 Filialen würden einige hundert unprofitable geschlossen, kündigte Schlecker-Finanzchef Sami Sagur an. Um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen, stehe auch das Auslandsgeschäft des Familienunternehmens zur Disposition. Die Auslandsholding hat bisher noch keine Insolvenz angemeldet.

"Kaum vorstellbar, dass Schlecker von der Landkarte verschwindet"

Die Schlecker-Lieferanten ebneten bereits den Weg für eine Weiterführung des Betriebs. Neben der Markant-Gruppe hätten rund 140 andere Unternehmen die weitere Belieferung der Handelskette zugesichert, sagte Geiwitz. Darunter seien auch Großkonzerne wie Procter & Gamble  , Beiersdorf  , Unilever   und Henkel  . Die betroffenen Mitarbeiter in Deutschland würden ihre Gehälter pünktlich bis März aus dem Insolvenzgeld erhalten. Auch die 6000 Vermieter der Filialen würden zunächst weiter ihr Geld bekommen.

Geiwitz betonte auf der ersten Pressekonferenz von Schlecker seit 1990, er werde weiter mit der Eignerfamilie, Gläubigern und Arbeitnehmervertretern an einer Zukunftslösung arbeiten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Marke Schlecker spurlos von der Landkarte verschwinden wird", sagte er. Es gebe ein erstes Konzept, an dem weiter gefeilt werde.

yes/Reuters/dpa
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