Schmiergeldskandal Griechischer Ex-Vertreter von Panzerkonzern KMW verhaftet

Im jüngsten Korruptionsskandal um Waffendeals mit Griechenland ist ein ehemaliger Repräsentant des deutschen Konzerns Krauss-Maffei Wegmann verhaftet worden. Er soll laut einem Zeitungsbericht einen Top-Beamten mit 750.000 Euro für den Kauf von 24 Panzerhaubitzen geschmiert haben.

Panzerhaubitze "PZH 2000": 24 Exemplare für rund 200 Millionen Euro
imago

Panzerhaubitze "PZH 2000": 24 Exemplare für rund 200 Millionen Euro


Athen - Der Panzerkonzern streitet jede Beteiligung an Schmiergeldzahlungen ab - doch nun ist ein ehemaliger Repräsentant von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in Griechenland verhaftet worden. Einem Bericht der staatlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA zufolge handelt es sich um den Unternehmer Dimitris P., der um die Jahrtausendwende für den vor allem für seine "Leopard 2"-Panzer bekannten Rüstungskonzern KMW gearbeitet habe.

Die Verhaftung beruht demnach auf einer Aussage des ehemaligen Spitzenbeamten Antonios K., den griechische Ermittler Mitte Dezember festgenommen hatten. In der Zwischenzeit hat K. übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Tageszeitung "To Vima" hat die Aussagen auf ihrer Website veröffentlicht. (Hier finden Sie Teil eins und zwei im PDF-Format.)

Demnach soll der frühere Leiter des Direktorats Rüstung im Athener Verteidigungsministerium zugegeben haben, seit dem Jahr 1989 insgesamt 15 Millionen Euro an Schmiergeldern im Gegenzug für Waffendeals kassiert zu haben.

Auch den ehemaligen KMW-Vertreter P. soll K. in der vergangenen Woche gegenüber den Strafverfolgern namentlich genannt haben. Demnach soll der inzwischen 78-jährige P. ihn mit 750.000 Euro für den Kauf von 24 Panzerhaubitzen vom Typ PZH2000 durch die griechische Armee geschmiert haben. Die Waffensysteme sollen den griechischen Staat im Jahr 2001 fast 200 Millionen Euro gekostet haben.

Der Panzerhaubitzen-Deal steht auch auf einer Liste von Schmiergeldzahlungen an K., die ANA am Wochenende veröffentlicht hatte. Allerdings handelt es sich dabei bei weitem nicht um den spektakulärsten Fall und auch nicht um den einzigen, bei dem es um Produkte von KMW geht. So soll K. etwa für die Lieferung von 170 "Leopard 2"-Panzern insgesamt 1,7 Millionen Euro erhalten haben.

KMW selbst streitet die Vorwürfe bislang deutlich ab. Der "Süddeutschen Zeitung" teilte der Konzern mit, man habe weder an K. noch an sonst jemanden "Schmiergeld gezahlt oder zahlen lassen". Das Unternehmen verpflichte alle Mitarbeiter und Geschäftspartner, sich strikt rechtmäßig zu verhalten.

fdi/gec/dpa

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
privado 30.12.2013
1. Einfach niedlich...
...wie Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hier die offen ersichtliche Korruption zu leugnen versucht. In der Branche macht man ohne Bestechung kaum Geschäfte. Das ist doch weitläufig bekannt. Ich bin gespannt, ob bei KMW deswegen noch Köpfe rollen werden.
privado 30.12.2013
2. Einfach niedlich...
...wie Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hier die offen ersichtliche Korruption zu leugnen versucht. In der Branche macht man ohne Bestechung kaum Geschäfte. Das ist doch weitläufig bekannt. Ich bin gespannt, ob bei KMW deswegen noch Köpfe rollen werden.
karlsiegfried 30.12.2013
3. Böse Doppelmoral
Die Mitarbeiter von Krauss Maffei müssten, sollten oder sind den Schmiergeldzahlern zu grossem Dank verpflichtet. Dienen diese Zahlungen auch der Sicherung von Arbeitsplätzen - oder etwa nicht? Eine böse Doppelmoral die Verurteilung von Schmiergeldern -oder etwa nicht?
z_beeblebrox 30.12.2013
4.
Zitat von karlsiegfriedDie Mitarbeiter von Krauss Maffei müssten, sollten oder sind den Schmiergeldzahlern zu grossem Dank verpflichtet. Dienen diese Zahlungen auch der Sicherung von Arbeitsplätzen - oder etwa nicht? Eine böse Doppelmoral die Verurteilung von Schmiergeldern -oder etwa nicht?
Es ist hinlänglich beaknnt, dass ALLE Staaten dieser Erde respektive deren Politiker und Beamte sehr empfänglich für Schmiergeldzahlungen sind. Das gilt nicht nur für solche Staaten wie Sudan, Myanmar, der Tschad, Somalia, Nordkorea, Syrien, Saudi-Arabien, sondern eben auch für Griechenland und Deutschland. Im Gegensatz zu Griechenland hat Deutschland (wie die zuvor genannten "failed-states") die Anti-Korruptionsregeln (das Übereinkommen, den ersten völkerrechtlich bindenden Vertrag zur Bekämpfung der Korruption) - ausdrücklich für Politiker - NICHT unterzeichnet. Vielleicht auch deshalb ist Deutschland weltweit inzwischen der drittgrößte Waffenexporteur. Wer gut schmiert, der fährt nicht nur gut, sondern lässt auch gut schießen.
Pandora0611 30.12.2013
5. Waffenlieferungen
KMW hat natürlich *NIE* Schmiergeld gezahlt. Die Griechen haben deren Produkte alle *FREIWILLIG* gekauft. "Das Unternehmen verpflichte alle Mitarbeiter und Geschäftspartner, sich strikt rechtmäßig zu verhalten." PS: In Griechenland läuft nichts ohne Fakelaki oder Misa. Korruption in Griechenland: Paradies des Schmierens - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/korruption-in-griechenland-paradies-des-schmierens-a-788116.html)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.