Schmiergeld-Skandal Siemens zieht Schlussstrich unter Korruptionsaffäre

Der Schmiergeld-Skandal erschütterte Siemens bis ins Mark: Doch drei Jahre nach Bekanntwerden der schwarzen Kassen betrachtet der Mischkonzern die Aufklärung der Affäre als abgeschlossen. Dem Ex-Vorstandschef Pierer will Siemens aber offenbar nicht entgegenkommen.

Heinrich von Pierer: Siemens will dem Ex-Vorstandschef nicht entgegenkommen
dpa

Heinrich von Pierer: Siemens will dem Ex-Vorstandschef nicht entgegenkommen


Berlin - Für Siemens ist die Aufklärung der Korruptionsaffäre abgeschlossen. "Wir sind ziemlich sicher, dass wir alles aufgeklärt haben, was aufzuklären war", sagte der zuständige Siemens-Vorstand Peter Solmssen dem "Tagesspiegel". Der Konzern mit weltweit 410.000 Mitarbeitern habe sich in den drei Jahren seit Bekanntwerden der schwarzen Kassen fundamental erneuert. "Systematisches Fehlverhalten können wir heute und in Zukunft ausschließen, da bin ich sehr sicher."

Siemens wolle nun verstärkt Konkurrenten in den Kampf gegen Korruption einbinden. "Wir suchen den Schulterschluss mit Mitbewerbern, um in verschiedenen Märkten oder Projekten Transparenz bei Ausschreibungen und sauberes Vorgehen bei der Realisierung der Projekte zu gewährleisten", sagte der US-Jurist, der vor zwei Jahren auf den neu geschaffenen Vorstandsposten für Rechtsfragen kam.

Dabei solle stets ein unabhängiger Monitor wie Transparency International hinzugezogen werden, so dass es keine kartellrechtlichen Bedenken geben kann. Als ein Beispiel nannte er den Bau des Großflughafens BBI südlich von Berlin.

Dem früheren Vorstandschef Heinrich von Pierer will Siemens im Streit infolge der Schmiergeldaffäre offenbar nicht entgegenkommen. Eine Lösung der Auseinandersetzung sei damit weiter nicht in Sicht, heißt es in einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise.

Pierer will Schadenersatz offenbar an Stiftung zahlen

Nach Informationen der Zeitung ist Pierer mit dem Vorschlag gescheitert, nicht an das Unternehmen, sondern an die Siemens-Stiftung zu zahlen. Pierer habe außerdem sondiert, ob der von Siemens verlangte Betrag in Höhe von sechs Millionen Euro reduziert werden könne. Auch das komme nicht in Frage, sei am Sonntag aus Siemens-Kreisen zu erfahren gewesen, hieß es in dem Bericht.

Bei einer Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche berichtete diesen Angaben zufolge ein Mitglied des Kontrollgremiums, Pierer wolle über die Höhe des Schadenersatzes verhandeln und an die Siemens-Stiftung zahlen.

Die vor einem Jahr vom Konzern mit einem Kapital von 390 Millionen Euro gegründete Stiftung unterstützt gemeinnützige Aktivitäten in den Bereichen Soziales, Bildung und Kultur. Mit einer Zahlung an die Stiftung wolle Pierer sein Gesicht wahren und am Ende noch als Spender dastehen, wird in Konzernkreisen kritisiert. Das komme nicht in Frage.

Außerdem wäre dieser Weg ohnehin nicht möglich, da der Schaden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro beim Unternehmen und nicht in der Stiftung entstanden sei. Die Siemens AG könne nicht auf Geld verzichten, das ihr zustehe. Auch eine Reduzierung des geforderten Betrages komme nicht in Betracht.

Sonst werde der Aufsichtsrat von den Aktionären in Haftung genommen. Siemens wirft Pierer vor, die Geschäfte im Unternehmen nicht genau genug kontrolliert und so die später enthüllten Schmiergeldsysteme ermöglicht zu haben. Pierer weist das zurück. Zu den Gesprächen mit Siemens äußert er sich nicht.

böl/dpa-AFX

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