Schönheitschirurg unter Verdacht Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Werner Mang

Für den Schönheitspapst Werner Mang wird es ernst: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wegen des Verdachts der Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung gegen den Arzt. Einer seiner ehemaligen Operateure wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Schönheitschirurg Werner Mang: Staatsanwaltschaft ermittelt

Schönheitschirurg Werner Mang: Staatsanwaltschaft ermittelt

Foto: dapd

Hamburg - "Ein spannendes und turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu und ich werde voll Tatendrang ins neue Jahr starten", schrieb Werner Mang Ende Dezember in Weihnachtsgrüßen an seine Fans. Turbulent startet auch das Jahr 2012 für den Schönheitschirurgen. Denn die Staatsanwaltschaft Kempten hat ein Ermittlungsverfahren gegen Mang eingeleitet. Es werde wegen des Verdachts auf Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung in 274 Fällen ermittelt, sagte Behördensprecherin Katrin Eger SPIEGEL ONLINE.

Auslöser für die Ermittlungen ist die Affäre um einen ehemaligen Operateur in Mangs Klinik am Bodensee. Der Arzt Joachim Hecker soll im Jahr 2009 ohne Approbation eigenständig mehrere Operationen durchgeführt haben. Gegen den Mediziner läuft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Amtsgericht Kempten hat inzwischen einen internationalen Haftbefehl gegen Hecker erlassen.

Mit dem Ermittlungsverfahren bekommt nun auch Mang selbst Ärger mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft prüfte seit einigen Monaten die Einleitung eines Verfahrens gegen den berühmten Professor. Bereits im Dezember durchsuchten Fahnder neben anderen Objekten auch die Bodenseeklinik von Mang.

Sein Anwalt Steffen Ufer sagte SPIEGEL ONLINE, er rechne damit, dass das Verfahren schon bald wieder eingestellt werde. "Ich gehe davon aus, dass es in wenigen Tagen geklärt ist." Die Ärztekammer sei der Meinung, Hecker habe operieren dürfen.

Die "Mang'schen Gebote" versprechen Sicherheit

Der SPIEGEL hatte bereits im Oktober über dubiose Vorgänge in Mangs Klinik berichtet. Eine angestellte Ärztin hatte Mang auf die fehlende Approbation Heckers aufmerksam gemacht. Daraufhin schrieb Mang in einem Brief vom 7. April 2009 an diese Ärztin: "Es ist selbstverständlich, dass die Klinikdirektion strikt auf die ärztliche Tätigkeit von Herrn Dr. Hecker achtet. Der Verantwortungsbereich unterliegt alleinig der Ärztlichen Direktion der Bodenseeklinik."

Im vergangenen Jahr aber ließ Mang dem SPIEGEL über seinen Anwalt mitteilen: "Die Behauptung, dass Herr Dr. Hecker ohne Assistenz operiert hätte, ist für unseren Mandanten vollkommen neu." Zuständig dafür sei eine angestellte Ärztin gewesen.

Auf seiner Web-Seite hat der Arzt die "Mang'schen Gebote" veröffentlicht. Dort heißt es: "Es darf möglichst nichts passieren." Nur durch langjährige Erfahrung mit geschultem Personal und mit modernsten Operationstechniken ließen sich Risiken minimieren. Bei den Operateuren werde "durch Spezialausbildung und ständige Fortbildung" Qualitätssicherung gewährleistet.

Mang beklagt Neid und Missgunst

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten die Präsidenten von drei medizinischen Fachgesellschaften Ermittlungen gegen Mang gefordert. Mang ging auch in seinen auf der Klinik-Homepage veröffentlichten Weihnachtsgrüßen  indirekt auf die Vorwürfe gegen ihn ein. "Leider wird in unserer Gesellschaft zunehmend erfolgreichen Menschen mit Neid und Missgunst begegnet, sogar in der Ärzteschaft hat sich diese Haltung breit gemacht", schreibt Mang.

Er habe "in den letzten 20 Jahren tausende erfolgreiche Operationen durchgeführt". Es sei aber nicht jeder Patient zufriedenzustellen. "Ein bis drei Prozent der Patienten sind nach dem Eingriff unzufrieden, auch beim besten Schönheitschirurgen. Aber nicht, weil etwas passiert ist, sondern weil sich der Patient von dem Operationsergebnis zu viel versprochen hat oder weil vielleicht Narben entstanden sind", schreibt Mang.

Dementsprechend hat er auch das letzte "Mang'sche Gebot" formuliert. Neben seriöser Aufklärung und Nachsorge steht da: "Warnung vor übertriebenen Erwartungen."

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