Vorwürfe gegen Ritter Sport Stiftung Warentest verliert zweite Runde im Schoko-Streit

Der Schoko-Streit zwischen Stiftung Warentest und Ritter Sport ist vorerst entschieden: Die Verbraucherschützer dürfen dem Schokoladenhersteller keinen Etikettenschwindel mehr vorwerfen, entschied das Münchner Oberlandesgericht.
Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport: Stiftung Warentest stufte die Sorte als "mangelhaft" ein

Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport: Stiftung Warentest stufte die Sorte als "mangelhaft" ein

Foto: Patrick Seeger/ dpa

München - Stiftung Warentest darf nicht mehr behaupten, Ritter Sport verwende für seine Voll-Nuss-Schokolade ein künstliches statt des angegebenen natürlichen Vanillearomas. Das hat das Münchner Oberlandesgericht entschieden. Die Richter wiesen damit einen Widerspruch der Verbraucherschutzorganisation gegen eine einstweilige Verfügung des Landgerichts München I zurück.

Die Warentester hatten die betroffene Schokoladensorte im November vergangenen Jahres als "mangelhaft" eingestuft. Die Begründung: Das darin enthaltene Vanillearoma Piperonal sei chemisch hergestellt worden - anders als es auf der Verpackung behauptet wird. Der Test habe Ritter damals mitten im Weihnachtsgeschäft schwer getroffen, sagte ein Sprecher der Firma.

In erster Instanz war der Stiftung Warentest im Eilverfahren verboten worden, den Schokoladenhersteller als Etikettenschwindler darzustellen. Dessen Aroma-Lieferant Symrise hatte eidesstattlich erklärt, dass das Piperonal in den Tafeln aus dem Öl des Sassafrasbaumes stamme und legte dem Gericht dazu Details seines Herstellungsverfahrens offen. Die Stiftung Warentest, so befanden die Richter, habe dem lediglich Mutmaßungen entgegengestellt. Wegen des "unglaublichen Gewichts" der Testergebnisse der Warentester müssten diese ihre Worte aber besonders abwägen, sagte die Richterin im Berufungsverfahren.

Gerichtsstreit könnte noch weitergehen

Eine Revision gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts München zum Bundesgerichtshof ist nun nicht möglich. Es könnte aber noch ein Hauptsacheverfahren von einer der beiden Seiten angestrengt werden, in dem dann etwa geklärt werden könnte, wie das Aroma genau hergestellt wird. Stiftung Warentest will sich zu konkreten näheren Schritten noch nicht äußern. Es könne aber sein, dass sich das Verfahren noch über die nächsten Jahre hinzieht, sagte eine Sprecherin der Organisation zu SPIEGEL ONLINE.

Allerdings hatte die Richterin bereits vor der Entscheidung erklärt, auf die Frage nach einem natürlichen oder chemischen Aroma komme es nicht an. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Testergebnisses habe die Stiftung Warentest nicht beweisen können, dass es ein chemisches Aroma gewesen sei. Dies sei entscheidend.

vks/dpa/AFP
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