Schuldenkrise Banken bleiben auf Griechenland-Anleihen sitzen

Eine Alarmmeldung folgt der nächsten: Erst stoßen die französischen Banken ihre griechischen Staatspapiere ab, dann die deutschen, schließlich auch das größte Athener Geldhaus. Doch wer kauft die Anleihen eigentlich noch? Die Antwort ist erschreckend einfach.
Größte Bank: Noch zu Jahresbeginn stieß die National Bank of Greece Anleihen ab.

Größte Bank: Noch zu Jahresbeginn stieß die National Bank of Greece Anleihen ab.

Foto: Thanassis Stavrakis/ AP

Hamburg - Wo ein Verkäufer ist, da muss es auch einen Käufer geben. Sollte man zumindest meinen. Und an Verkäufern griechischer Staatsanleihen scheint es angesichts all der schlechten Nachrichten derzeit nicht zu fehlen. So haben sich deutsche Banken zwischen Mai 2010 und Ende Februar 2011 von rund einem Drittel ihrer Griechen-Papiere getrennt. Und sogar die größte Privatbank Griechenlands, die National Bank of Greece, hat bis Ende März dieses Jahres griechische Bonds im Wert von 4,8 Milliarden Euro verkauft.

Es scheinen also sehr viele Anleihen auf dem Markt zu sein. Doch wer kauft eigentlich all die Problempapiere?

Die Antwort ist kurz - und sie gibt wenig Anlass zu Optimismus: Es gibt so gut wie keine Käufer mehr. "Finger weg" heißt das Motto von Banken und Versicherungen.

Die Finanzbranche gehört traditionell zu den wichtigsten Besitzern von Staatsanleihen. Doch die Institute haben schon länger kein Interesse mehr, sich mit frischen Papieren einzudecken. Vielmehr haben sie ja das Gegenteil gemacht: so viel verkauft wie möglich.

Dass es den Eigentümern der Griechen-Anleihen überhaupt gelungen ist, sich noch bis zum Frühjahr von ihren Beständen zu trennen oder diese zumindest zu reduzieren, lässt sich trotz der geringen Nachfrage erklären. Die Europäische Zentralbank ( EZB) kaufte seit Mai 2010 über Monate Staatsbonds europäischer Krisenländer auf - unter anderem auch griechische.

Schätzungen gehen davon aus, dass die EZB zwischen 40 und 50 Milliarden Euro an griechischen Papieren im Portfolio hat. Doch seit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wieder verstärkt die Unabhängigkeit der Notenbank gegenüber der Politik betont, hält die EZB sich vornehm zurück. Fast drei Monate hat sie nun schon keine Staatsanleihen mehr gekauft.

Wer es sich leisten konnte, hat verkauft

Seitdem trocknet der Markt immer mehr aus. In den vergangenen Tagen hat die Stimmung unter den Händlern einen neuen Tiefpunkt erreicht. "Die Lage ist düster", sagt ein Insider einer deutschen Bank. "Im Moment kauft niemand mehr in nennenswertem Umfang griechische Anleihen. Es verkauft aber auch keiner mehr." Ein bisschen Bewegung gebe es allenfalls noch bei Papieren mit kurzen Laufzeiten, also für drei bis sechs Monate.

Dass die Bestände der Banken an griechischen Staatsanleihen zurückgehen, hat noch einen anderen Grund. Staatsanleihen haben stets eine bestimmte Laufzeit. Läuft diese ab, gibt der Eigentümer die Anleihe zurück und bekommt sein Geld. Weil Griechenland die alten Schulden durch neue ablösen muss, und es auf dem Kapitalmarkt - wenn überhaupt - nur Käufer gibt, die horrende Zinsen verlangen, springt das Hilfspaket von Euro-Ländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) ein. So übernehmen die staatlichen Gläubiger einen immer größeren Teil an den Schulden Griechenlands.

Was die Lage derzeit zusätzlich verschärft, ist die Tatsache, dass auch auf dem Sekundärmarkt, also im Handel mit bereits im Umlauf befindlichen Anleihen, so gut wie nichts mehr geht. "Angebot und Nachfrage kommen auch hier im Moment nur noch sehr selten zusammen", sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. "Die Banken, die es sich leisten konnten, griechische Anleihen mit Verlust zu verkaufen, haben dies längst getan. Wer jetzt noch welche hält, kann es sich wahrscheinlich nicht leisten, sie zu den aktuellen Kursen abzugeben."

Das liegt vor allem daran, dass Banken die Wertverluste der Anleihen nach derzeitigen Bilanzregeln erst dann in ihren Geschäftsbüchern abschreiben müssen, wenn sie die Papiere tatsächlich verkaufen. Die Institute können die Anleihen also nur dann losschlagen, wenn sie die daraus resultierenden Verluste auch verkraften können.

Genau hier liegt auch das Problem einer möglichen Umschuldung Griechenlands, also eines Verzichts der Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen: Der Schritt würde wohl vor allem die Institute treffen, denen es ohnehin schon miesgeht.

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