Schuldenkrise Deutsche Bank dämpft Hoffnung auf Rekordgewinn

Die künftigen Chefs stehen fest, die Geschäfte laufen respektabel: Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Das künftige Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen wird aber noch mit der Schuldenkrise zu kämpfen haben.

Künftiges Führungsduo Fitschen (l.) und Jain (r.): Ackermann-Nachfolge geklärt
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Künftiges Führungsduo Fitschen (l.) und Jain (r.): Ackermann-Nachfolge geklärt


Frankfurt am Main - Nur noch neun Monate wird Josef Ackermann als Vorstandschef die Geschäfte der Deutschen Bank bestimmen. Der Manager hat sich vor seinem Abschied einen Rekordgewinn als Ziel gesetzt - doch die Schuldenkrise macht dem größten deutschen Finanzinstitut zu schaffen. Zwar hat die Bank im zweiten Quartal einen Milliardengewinn verbucht, doch Ackermann sieht auf dem Weg zu seinen ehrgeizigen Jahreszielen Schwierigkeiten.

"Vieles hängt von einer reibungslosen und nachhaltigen Lösung der europäischen Schuldenkrise ab", schrieb er im Quartalsbericht an die Aktionäre. "Eine weitere Voraussetzung ist ein deutlich verbessertes operatives Geschäftsumfeld in der zweiten Jahreshälfte 2011."

Der Gewinn nach Steuern stieg im zweiten Quartal um 67 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro, teilte die Deutsche Bank mit. Trotz zunehmend schwieriger Marktbedingungen habe sich das Geschäftsmodell als robust erwiesen, sagte Ackermann. Doch die Deutsche Bank bleibt von der Schuldenkrise in Europa nicht verschont. Sie schreibt 155 Millionen Euro auf ihre griechischen Staatsanleihen ab. Darin sind allerdings noch nicht die Auswirkungen des jüngst beschlossenen Rettungspakets enthalten, hieß es. Die genauen Folgen würden noch geprüft.

Trotz der Schwierigkeiten hat Ackermann den angepeilten Rekordgewinn längst nicht abgeschrieben. "All dies macht uns zuversichtlich, dass das geplante Vorsteuerergebnis von zehn Milliarden Euro aus unseren Kerngeschäftsfeldern in 2011 nach wie vor in Sichtweite bleibt", sagte er angesichts des hohen Quartalsgewinns. Beim Gewinnziel von zehn Milliarden Euro für das Gesamtjahr hat das Institut nach sechs Monaten bereits 5,5 Milliarden Euro erreicht.

Ackermann soll Aufsichtsratschef werden

Noch vor Bekanntgabe der Quartalszahlen hatte das Geldhaus das monatelange Gezerre um Ackermanns Nachfolge beendet: Die Bank soll künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Der 48-jährige Investmentbanker Anshu Jain und der 62-jährige Deutschland-Chef Jürgen Fitschen übernehmen im Mai 2012 den Vorstandsvorsitz. Der 63-jährige Ackermann soll dann Aufsichtsratschef werden. Damit würde er den bisherigen Chef des Kontrollgremiums, Clemens Börsig, ablösen. Die Auseinandersetzungen zwischen ihm und Ackermann hatten in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt.

Mit den Zahlen im zweiten Quartal sieht sich die Deutsche Bank zwar auf Rekordkurs, doch Analysten hatten mit einem etwas besseren Ergebnis gerechnet. Vor Steuern verdiente die Bank im vergangenen Quartal 1,8 Milliarden Euro und damit 254 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr. Analysten hatten vor Steuern im Schnitt einen Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro und unter dem Strich 1,35 Milliarden Euro erwartet.

Nach eigenen Angaben konnte sich das Institut besonders im Investmentbanking den Folgen der Schuldenkrise nicht entziehen. Das Geschäft dort legte aber dennoch zu, auch das Privatkundengeschäft zog dank der Übernahme der Postbank an. Die Erträge des Konzerns stiegen um 19 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.

Deutsche Bank reduziert Anleihen von Krisenstaaten

In den kommenden Wochen und Monaten will die Bank prüfen, wie sich eine freiwillige Beteiligung an der Griechenland-Rettung auswirkt. Experten zufolge ist es möglich, dass die Deutsche Bank Chart zeigen den Wert ihrer griechischen Anleihen wieder nach oben korrigieren könnte, da die Papiere seit dem Rettungsbeschluss von Brüssel deutlich an Wert gewonnen haben.

Insgesamt hat die Deutsche Bank ihr Engagement in den von der Schuldenkrise betroffenen Euro-Ländern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 70 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zurückgefahren. Sie hält nun noch griechische Staatsanleihen im Wert von knapp 1,2 Milliarden Euro, Ende 2010 waren es noch 1,6 Milliarden. Am deutlichsten reduzierte das Geldhaus sein Engagement in Italien - und zwar von acht auf nur noch eine Milliarde Euro. Der Bestand spanischer Anleihen ging um rund 1,2 Milliarden auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Dagegen baute die Deutsche Bank ihr Engagement in Irland leicht auf knapp 300 Millionen und in Portugal auf 150 Millionen Euro aus.

mmq/dpa-AFX/Reuters

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H-Vollmilch 26.07.2011
1. .
---Zitat--- Deutsche Bank dämpft Hoffnung auf Rekordgewinn ---Zitatende--- und ---Zitat--- die Geschäfte laufen respektabel: Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht. ---Zitatende--- Mir kommen schon fast die Tränen. Doch keine 25%?
Dramidoc 26.07.2011
2. xxxx
Zitat von sysopDie künftigen Chefs stehen fest, die Geschäfte laufen respektabel: Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Das künftige Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen wird aber noch mit der Schuldenkrise zu kämpfen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776571,00.html
Manchmal habe ich den Eindruck, dass jeglicher Bezug zur Realität irgendwie verloren gegangen ist. Die deutsche Bank machte einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro Gewinn oder schreibt "nur" 105 Millionen Euro ab und jammert rum, wenn der Gewinn nicht so atark ausfällt, aber sich dennoch im Milliarden-Raum bewegt. Ein kleiner Mittelständler wäre froh, wenn von seinem Gewinn einige 1000 € überigbleiben würden. Und wenn die Gewinnererwartung der Deutschen Bank nicht so ist, wie sich der Vorstand und Aufsichtsrat das erhoffen, dann soll halt Joe wieder zu Merkel gehen. Die wird es schon richten, damit der Deutschen Bank nicht zuviel Geld durch die Lappen gehen.
nicnac72 26.07.2011
3. oje nur 1,2 milliarden gewinn
es geht abwärts mit der deutschen bank. schade so wenig gewinn obwohl es überall krisne gibt ist schon schwach. ich finde die sollten und noch mehr ausbeuten unglaublich das die sich nicht schämen für das geld das sie erwirtschaften. private banken gehören weltweit entmachtet und das finazwesen muß staatlich kontrolliert werden.
clonck 26.07.2011
4. Obszön
Kann mir mal jemand verraten warum eine Bank im Jahr 10 Milliarden Gewinn machen muss? Und was soll das eigentlich für ein Wert sein, der da "geschaffen" wird? Weiterhin führt das zu der Frage wer sich alles weiterhin immer mehr vesrchulden muss, damit eine Deutsche Bank solche "Gewinne" kassieren kann. Solche Fragen wirft der Artikel natürlich nicht auf. Warum werden solche offensichtlich aus dem Ruder gelaufenen Dinge nie kritsch hinterfragt?
Fettnäpfchen 26.07.2011
5. Ich bin erschüttert, mir laufen die Tränen nur so herunter....
Na, das tut mir aber richtig leid, dass die Deutsche Bank weiter kämpfen muß. Bei einem so geringen Peanut-Gewinn von nur 1,2 Milliarden Euro im 2. Quartal, möchte ich hier einen humanitären Aufruf starten und alle ForistenInnen bitten, den bettelarmen Vorständen der Deutschen Bank Carepakete mit Fressalien zu senden. Zum Beispiel Butter, Brot, Kartoffeln, Reis, frisches Gemüse, Gummibärchen und Spielzeug für deren Kinder und Enkelkinder. Als besonderes Bonbon darf auch eine Kinokarte beigefügt werden, um den kulturellen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber bitte keine Rauchwaren und keine alkoholischen Getränke. Laut Frau von der Leyen gehören diese nicht zur Grundversorgung und wurden deshalb den HartzIV-Empfängern gestrichen. Gleiches Recht für alle!
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