Schuldenkrise Deutsche Großbanken bangen um Gewinnziele

"Wir schwitzen ganz schön", heißt es bei der Deutschen Bank. Der August sei "kein doller Monat" gewesen, räumt auch Commerzbank-Chef Blessing ein. Deutschlands größte Geldinstitute fürchten um ihre Gewinne - die Anleger bleiben gelassen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will seinen Jahresgewinn noch erreichen
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will seinen Jahresgewinn noch erreichen


Frankfurt am Main - Den beiden größten deutschen Geldhäusern läuft die Zeit davon: Die Turbulenzen an den Aktienmärkten verunsichern die Kunden und gefährden damit die Geschäfte. Der Commerzbank Chart zeigen und der Deutschen Bank Chart zeigen brechen die Erträge weg.

"Wir schwitzen ganz schön ordentlich", sagte der Finanzchef der Deutschen Bank, Stefan Krause, am Mittwoch. Dennoch halte das Institut an einem operativen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro fest. "Noch kämpfen wir weiter für unser Ziel." Mit dieser Rekordmarke will sich nämlich Vorstandschef Josef Ackermann verabschieden, bevor er im Frühjahr das Ruder an Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergibt.

Zuvor hatte sich bereits Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing skeptisch geäußert. Insbesondere der August sei "kein doller Monat" gewesen, sagte er. Die Commerzbank brauche eine "relativ schnelle" Beruhigung der Märkte, um auf Kurs zu bleiben. Einen konkreten Ausblick auf die Ergebnisse im dritten Quartal wollte Blessing nicht geben.

Bei Analysten wachsen angesichts der Flaute an den Anleihemärkten die Zweifel. Viele erwarten jetzt eine Anpassung der Jahresziele. Angesichts der anhaltenden Furcht der Anleger vor einer Pleite Griechenlands scheint sich der Markt vorerst nicht zu beruhigen.

IWF: 300-Milliarden-Loch durch Krise

Laut Krause hat sich das Umfeld im Vergleich zu den ursprünglichen Erwartungen "dramatisch" verschlechtert. Investoren an den Märkten zeigten eine allgemeine Skepsis gegenüber europäischen Banken. Für viele Institute insbesondere aus den Euro-Krisenländern hat sich die Refinanzierung zuletzt deutlich verteuert. Die Deutsche Bank selbst habe aber keine Refinanzierungsprobleme, sagte Krause.

Nach einem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) schlägt die Euro-Schuldenkrise bei den Banken bislang mit etwa 300 Milliarden Euro zu Buche. 200 Milliarden davon rührten direkt von Beständen an Anleihen von Schuldenstaaten her, heißt es in dem Schreiben. Weitere 100 Milliarden Euro kämen durch Finanzverbindungen von Geldhäusern untereinander dazu.

Anleger nahmen die negativen Einschätzungen gefasst auf. Die Aktien beider Großbanken verloren jeweils gut ein Prozent - und damit nicht mehr als der Leitindex Dax. Die Bankpapiere sind seit Wochen unter Druck, da sich die Anleger sorgen, ob Institute die Pleite eines Euro-Landes verkraften könnten. Experten gehen davon aus, dass viele europäische Banken für neue Krisen noch immer nicht ausreichend gerüstet sind - und bis zu hundert Milliarden Euro frisches Kapital brauchen.

dis/dab/Reuters/dpa

insgesamt 31 Beiträge
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sappelkopp 21.09.2011
1. Super...
...dann können ja gleich mal einige Tausend Arbeitnehmer "freigesetzt" werden. Wenn der Gewinn stark einbricht. Da haben wir alle Verständnis! Achso, keine Sorge die Steuergelder fließen den Banken weiterhin zu. Wir wissen doch, was sich gehört!
wika 21.09.2011
2. Sollen wir jetzt Mitleid empfinden …
… oder ist es der stille Ruf und Ankündigung zur Vorbereitung weiterer Rettungsmaßnahmen, nach dem Motto, schnürt schon mal wieder ein paar Weihnachtspakete für notleidende Banken? Ok Michel, pass auf, Du bist Dir im klaren darüber wie wichtig Banken sind. Ohne die würdest Du nicht einmal Dein Hartz IV bekommen, denn ohne Konto läuft da rein gar nix. Also stell Dich gefälligst nicht so an und sorge weiter für die Wohlfahrt der Banken. Hast Du kapiert? So und jetzt können wir *Quadriga, Goldelse und "Dem Deutschen Volke" endgültig zum Wohle der Banken verscherbeln* … Link (http://qpress.de/2011/09/09/quadriga-goldelse-und-%e2%80%9edem-deutschen-volke%e2%80%9c-werden-verkauft/), denn es ist ja nur zu unserem Besten. Parallel bestens noch Hartz IV absenken, weil der Sozialhilfeadel II (die Banken) die Rettungspriorität 1 hat. Selbstverständlich wird Michel jedes Opfer bringen um die Renditeziele der Banken zu gewährleisten.
Calex 21.09.2011
3. Dumme Verbrecher
Zitat von sysop"Wir schwitzen ganz schön",*heißt es bei der*Deutschen Bank. Der August sei "kein doller Monat" gewesen, räumt auch*Commerzbank-Chef Blessing*ein. Deutschlands größte*Geldinstitute*fürchten um ihre Gewinne - die Anleger bleiben gelassen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,787637,00.html
Dumme Verbrecher rauben die Bank aus. Schlaue Verbrecher gründen eine. Wer weiß wie das Geldsystem funktioniert hat sicherlich KEIN Mitleid für Banken. Die Uhr des derzeitigen Systems läuft aus. Der Reset steht vor der Tür.
Thrillhouse0580 21.09.2011
4. Boni?
Bin gespannt, wie hoch die Bonis für die Führungsetage in diesem Jahr ausfallen. Ich wage zu behaupten, daß dort nicht gespart wird, sondern wieder sehr großzügig verteilt wird. Diese Moral dort oben widert mich nur noch an!
JohnBlank, 21.09.2011
5. CDU, SPD retten gerne
Keine Panik, wenn die Banken nicht mehr so gigantische Gewinne einfahren oder sich verzockt haben, sind SPD und CDU sofort bereit, zu retten. Das zeichnet die Demokratie doch grade aus, sie rettet die Zocker, auf kosten der Bürger.
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